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Wintertraum und gleichzeitig Hochsicherheitstrakt: Davos im Januar 2017.

Airbnb-Zimmer für 900 Euro

Abzocke in Davos

Die wachsende Teilnehmerzahl am Weltwirtschaftsforum in Davos befeuert die Preistreiberei. Für manche Bewohner ein schönes Nebeneinkommen, für andere sogar Existenzsicherung.

So viel Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos war noch nie. Die 3000 Teilnehmer in dieser Woche bedeuten einen neuen Rekord. Auch die 400 offiziellen Veranstaltungen unter dem Leitmotiv „Aufnahmebereite und verantwortungsvolle Führung“ (Responsive and Responsible Leadership) und dem allgemeinen Ziel der Weltverbesserung sind ein Spitzenwert, nicht gerechnet die vielen Firmeneinladungen. Und die Konzerne rüsten weiter auf.

Auf der „Promenade“, der Hauptstraße von Davos, reiht sich inzwischen eine temporäre Dependance an die andere: hier der indische Industrieverband, dort die Unternehmensberatung Accenture und noch ein Stück weiter irgendwelche Russen. Wer nicht sowieso einen großen Laden mieten konnte, versucht auf andere Weise Aufmerksamkeit zu erringen. Für die Fondsgesellschaft Aberdeen Asset Management zum Beispiel bläst ein Mann mit Schottenrock in eisiger Kälte den Dudelsack.

Die Ladenbesitzer vermieten ihre Flächen während der WEF-Woche gern. Leicht können sie in dieser Zeit Mieten von umgerechnet 100 000 Euro und mehr erzielen. Die Spannweite soll bis 500 000 Euro reichen, hört man. Manche Geschäfte sichern angesichts der Krise des Einzelhandels in der Schweiz damit sogar ihr Überleben, sagen Kenner der Verhältnisse. Zur Wertschöpfung des Weltwirtschaftsforums für Davos und Umgebung wagt Conrad Stiffler, der Präsident des örtlichen Gewerbevereins, keine Prognose. Klar ist jedoch, dass die rund 40 Millionen Euro früherer Jahre in diesem Januar übertroffen werden.

Viele zehren vom WEF, die Hotels und Restaurants sowieso. Aber auch die Taxifahrer, die aus Nah und Fern auf dem Jahrestreffen der globalen Elite lukrative Fahrten anbieten, sowie die 120 Fahrer der offiziellen Shuttles zwischen den Veranstaltungsorten gehören dazu. Das sei ein hübsches Nebeneinkommen, sagt einer von ihnen.

Angesichts des Massenauflaufs in der 13 000-Einwohner-Gemeinde in den Bergen von Graubünden sind überzogene Preise ein Dauerthema. Das WEF und viele Gastronomen versuchen, für alle den Zuschlag gegenüber der normalen Hochsaison auf zehn Prozent zu begrenzen. Aber die neue Dimension, in die das World Economic Forum mit einem Fünftel mehr Teilnehmer als im Vorjahr gewachsen ist, befeuert natürlich die Preistreiberei.

Dies gilt vor allem für die Privatunterkünfte. Kleinere Wohnungen bewegen sich inzwischen bei 4000 Euro die Woche, für größere Einheiten an günstiger Lage zum Kongress-Zentrum werden schnell einmal 7000 Euro fällig. Die Hotels sind schon Monate vorher ausgebucht. Wer daher kurzfristig kommen will und überhaupt noch etwas bekommt, zahlt bei Airbnb-Anbietern nach Angaben der Pendlerzeitung „20 Minuten“ für einzelne Zimmer mindestens 900 Euro – pro Nacht. Dabei muss meist die ganze Woche gebucht werden, gleichgültig wie lange man bleibt.

Für die Teilnehmer ist daneben eine Gratis-Oase entfallen. In früheren Jahren finanzierten Konzerne wie Google und der indische IT-Dienstleister Wipro die Bar im Fünfsterne-Hotel Belvédère. Damit ist es vorbei. An der Bar herrscht die Preis-Realität von Davos: ein Bier für 12 Euro, eine Piña Colada für 30 Euro und ein Espresso für 8 Euro.

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