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Die Hotels des Frankfurter Hotelkonzerns behalten ihren Namen.

Hotel-Konzern mit neuem Namen

Ägyptischer Eigentümer nennt "Steigenberger Hotel Group" um

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Der ägyptische Eigentümer der traditionsreichen Frankfurter Hotelkette kappt deren Wurzeln – zumindest im Konzerntitel. Von „Deutsche Hospitality“ verspricht sich Hamed El-Chiaty eine größere internationale Strahlkraft als von dem renommierten Gründer-Namen Steigenberger.

Albert Steigenberger dürfte sich im Grab umdrehen. Im Jahr 1930 hatte der niederbayerische Kaufmann mit dem Kauf des Europäischen Hofs in Baden-Baden den Grundstein für sein Hotel-Imperium gelegt, den er 1940 mit dem Erwerb des Frankfurter Hofs erweiterte. 86 Jahre später trägt der Konzern nun nicht mehr seinen Namen: Die Steigenberger Hotel Group, die derzeit 96 Häuser in zwölf Ländern betreibt, heißt nun Deutsche Hospitality – übersetzt deutsche Gastlichkeit. Das gab gestern Vorstandschef Puneet Chhatwal bekannt – nicht am Stammsitz in Frankfurt, sondern bei der Immobilienmesse Expo in München.

„Der Name Deutsche Hospitality vereint zwei entscheidende Dinge: unsere deutschen Wurzeln und unsere internationale Vision“, betonte Chhatwal. „Die neue Dachmarke ist ein entscheidender Hebel, um Dynamik zu entfalten und international zu expandieren.“ Dass das Wort „Deutsche“ im nicht deutsch-sprachigen Ausland für die meisten nur schwer auszusprechen ist, räumt der 51-jährige Inder – der sich gerne als Indogermane bezeichnet und fließend Deutsch spricht – zwar ein. Insofern wäre die Umbenennung in „German Hospitality“ konsequent gewesen. Doch der Name ist schon vergeben: an eine Berliner Beratungsgesellschaft in der Immobilien- und Hotelleriebranche.

Es seien mehr als tausend Varianten geprüft worden, sagte Chhatwal dazu. „Wir haben ein Jahr daran gearbeitet und verschiedene Namen, Farben und Formen durchgespielt.“ Wegen der Dachmarke würden aber die Hotels in Deutschland nicht umbenannt, hob Chhatwal hervor. „Steigenberger am Kanzleramt bleibt Steigenberger am Kanzleramt. Aber die Visitenkarten und Briefbogen der Group werden umgestellt.“ Der Lebenszyklus der Marke Steigenberger Hotel Group sei nach rund zehn Jahren abgelaufen – es sei Zeit gewesen, die Marke zu modernisieren.

Mit dieser Modernisierung verbindet Chhatwal große Hoffnungen. „Die neue Dachmarke schafft beste Voraussetzungen, um neue Standorte zu erschließen. Und unter dieser Marke könnten auch weitere Hotelmarken angesiedelt werden“, so der Manager, der seit dreieinhalb Jahren den Frankfurter Hotelkonzern führt. Welche Marken das sein könnten, ließ Chhatwal allerdings offen.

Drei sind es derzeit, die die Deutsche Hospitality umfasst: Da ist zum einen die Nobel-Marke „Steigenberger Hotels and Resorts“, unter der 56 Häuser im In- und Ausland geführt werden. Zwei weitere sollen noch in diesem Jahr hinzukommen: in Kairo und in Sharm el-Sheik. Dann ist da die Marke „IntercityHotel“, die Steigenberger Ende der 80er Jahre in mehreren Schritten von der damaligen Deutschen Bundesbahn erwarb und seitdem auch im Ausland eingeführt hat: 39 dieser Mittelklasse-Häuser betreibt das Unternehmen – an Bahnhöfen und Flughäfen internationaler Metropolen. Im Juli hat das Unternehmen das erste IntercityHotel außerhalb Europas eröffnet: im Oman. Und in den kommenden Monaten stehen Neueröffnungen in Braunschweig, Duisburg und im chinesischen Qingdao an.

Last but not least hat das Unternehmen kürzlich erst eine dritte Marke hinzubekommen: „Jaz in the City“ heißt sie – unter diesem Namen hat die Unternehmensführung um Chhatwal im Juni ein Haus in Amsterdam eröffnet. Während sich die Marke Steigenberger an eine gut betuchte Kundschaft wendet und die Intercity-Hotels vornehmlich Geschäftsreisende im Visier haben, richtet sich Jaz vor allem an jüngere Gäste mit Hang zur Musik- und Kulturszene. Ein weiteres Jaz-Hotel soll im Frühjahr 2017 in Stuttgart hinzukommen. Bis zum 2020 sollen zehn Häuser der Marke Jaz ihre Pforten öffnen, wie Chhatwal gestern verkündete– unter anderem in Berlin, Hamburg und München.

Neu ist die Marke indes nicht: In ägyptischen Feriendomizilen betreibt der Eigentümer der „Deutsche Hospitality“, Hamed El-Chiaty, bereits Jaz-Hotels. Sie sind Teil seines Touristik-Konzerns Travco, der Ende 2009 von der Familie Steigenberger 99,6 Prozent der Unternehmensanteile übernahm. 0,4 Prozent befinden sich nach wie vor in Streubesitz. Im Eigentum der einstigen Hotel-Dynastie verblieb nur der Frankfurter Hof, das Airport-Hotel am Frankfurter Flughafen und das Belvédère in Davos – die allerdings alle an Travco verpachtet wurden.

Mit der Übernahme der Steigenberger Gruppe hatte El-Chiaty von Anfang an Expansionspläne verbunden – vor allem im nicht-deutschsprachigen Ausland, wo die Steigenberger Gruppe kaum vertreten war. 81 Hotels umfasste damals das Portfolio von Steigenberger. Um bis zu 15 weitere Betriebe sollte die Frankfurter Hotelgruppe im Jahr wachsen, lautete das Ziel des Ägypters. Und der zeigte sich recht ungeduldig. Dass die Realisierung dieser Pläne in den ersten Jahren nicht so schnell voran kam, wie er sich das vorstellte, hatte personelle Konsequenzen: Zunächst musste Mitte 2010 Vorstandschef André Witsch seinen Posten räumen. Sein Nachfolger, der Niederländer Arco Buijs, den El-Chiaty daraufhin im Juli 2010 holte, musste im Februar 2012 gehen.

Insofern ist davon auszugehen, dass der ägyptische Self-Made-Milliardär mit der Arbeit von Chhatwal zufrieden ist. Sein ursprüngliches Ziel hat der Inder zwar nicht ganz erreicht – 120 Häuser wollte er bis 2016 betreiben. Inklusive der 20 Hotels, die derzeit noch in Bau oder Planung sind, kommt er auf 116. Aber Chhatwal sind mit der Expansion in China und nach Indien – dort sollen in Kooperation mit dem indischen Unternehmen MDB 20 Hotels etabliert werden – zwei wichtige Schritte auf dem vorgegebenen Expansionskurs gelungen. Inzwischen hat El-Chiaty die Messlatte für seinen Vorstandschef allerdings höher gelegt: 150 Häuser soll die Deutsche Hospitality bis 2020 betreiben.

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