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Die Deutsche Bank Zentrale in Frankfurt.

Wirtschaft

Ausblick auf die Woche

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Vorbei ist das Wintermärchen in den Schweizer Alpen. Die ganze Wirtschaftswelt hatte vergangene Woche auf Davos geschaut. Dorthin, wo sich die mächtigsten und einflussreichsten Politiker,

Vorbei ist das Wintermärchen in den Schweizer Alpen. Die ganze Wirtschaftswelt hatte vergangene Woche auf Davos geschaut. Dorthin, wo sich die mächtigsten und einflussreichsten Politiker, Wirtschaftslenker und Ökonomen auf 1500 Metern Höhe in den Bergen von Graubünden zum Weltwirtschaftsforum zusammengefunden hatten – und dabei buchstäblich im Schnee versanken.

Nun, da die Wirtschaftselite der Welt abgereist und die Bevölkerungszahl von Davos von 50 000 wieder auf die üblichen 15 000 geschrumpft ist, begeben sich auch die Wirtschaftsjournalisten wieder in die Niederungen des Geschäfts –, um dabei sprichwörtlich in einer Flut von Zahlen zu versinken. Denn nun läuft in Deutschland die Bilanzsaison an: Eine Unternehmung nach der anderen präsentiert in den kommenden Wochen ihr Zahlenwerk fürs vergangene Jahr und vielleicht sogar schon eine Prognose fürs laufende. Zahlen, die auch für Sie von Interesse sind: für Sie als Aktionär, Mitarbeiter oder auch Kunde. Für Sie wollen wir diese Zahlen zum Sprechen bringen – und dabei auch die Geschichten dahinter beleuchten.

Den Höhepunkt dieser Bilanz-Woche wird die

Deutsche Bank

bilden – aber sicherlich keinen schönen: Am Freitag wird Bank-Chef John Cryan die Geschäftsergebnisse für das vergangene Jahr vorlegen. Für den Briten wird das mehr als unangenehm. Denn klar ist: Auch für 2017 wird er einen Verlust verkünden. Das dritte Jahr in Folge. Das liegt zwar vor allem an einem einmaligen Sondereffekt durch die US-Steuerreform – allerdings traf dieser fast alle Wettbewerber. Nur stecken die meisten Konkurrenten diesen dank kräftiger Erträge einfach viel besser weg. Erträge, die der Deutschen Bank schmerzhaft fehlen. Im Investmentbanking– ihrer einstigen Paradedisziplin – werden die Frankfurter Schritt für Schritt von der US-Konkurrenz verdrängt. Auch im Privatkundengeschäft verdienen die US-Häuser mehr, da sie für jede Dienstleistung, die sie erbringen, auch Geld verlangen können. In Deutschland herrscht hingegen ein knallharter Preiswettbewerb rund um Konto, Karte und Kredit. Und wegen der zuletzt äußerst geringen Schwankungen am Kapitalmarkt sind auch die Erträge aus dem Handel mit Anleihen, Währungen und Aktien kräftig gesunken. Wie geht es nun weiter?

Ganz anders die Situation beim

Daimler

-Konzern, der sich am Donnerstag in die Bücher schauen lässt. Der siebte Rekordabsatz in Folge dürfte den Stuttgartern im vergangenen Jahr einen deutlichen Gewinnanstieg beschert haben. Mit dieser starken Bilanz im Rücken kann der Dax-Konzern weiter die nötigen hohen Investitionen in elektrische, autonome, vernetzte Autos und Lastwagen stemmen, Mobilitätsdienste und andere neue Geschäftsmodelle aufbauen – und seine Konzernteile verselbstständigen. Die Geschäftssparten Pkw, Nutzfahrzeuge und Dienstleistungen sollen selbstständige Aktiengesellschaften unter dem Dach der

Daimler

AG werden –, um sich damit womöglich mehr Geldquellen verschaffen, aber auch leichter mit anderen Unternehmen kooperieren zu können. Wachstumsmotor von

Daimler

dürfte der weltgrößte Automarkt China bleiben – auch wenn der längst nicht mehr so hochtourig läuft.

In Davos durfte

Siemens

-Chef Joe Kaeser beim abendlichen Dinner neben US-Präsident Donald Trump sitzen – mit dem er sich dem Vernehmen nach blendend verstanden haben soll. Kein Wunder, zuvor hatte Kaeser ja auch dessen Steuerpolitik in den höchsten Tönen gelobt. Wenn der Münchner Elektrokonzern am Mittwoch seine Hauptversammlung veranstaltet, wird der Vorstandschef zumindest von den Mitarbeitern kein Lob erhalten. Die sind stinksauer wegen des drohenden Jobabbaus und der Werksschließungen in der Kraftwerkssparte. Vor der Olympiahalle – in der sich tausende Aktionäre über die Geschäftslage informieren lassen wollen – ist eine Protestaktion mit Delegationen mehrerer

Siemens

-Standorte geplant. Das Unternehmen will weltweit rund 6900 Stellen streichen, rund die Hälfte davon in Deutschland. Für die Standorte in Görlitz und Leipzig wurde die Schließung angekündigt, weitere Einschnitte sind in Berlin, Offenbach und Erfurt geplant. In Frankfurt soll es ebenfalls am Mittwoch einen Demonstrationszug von

Siemens

-Beschäftigten aus Offenbach von der Zeil bis zur Börse geben.

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