Ausblick auf die Woche

Liebe Leser, mit unserem Ausblick auf die wichtigsten Ereignisse der kommenden Woche wollen wir Sie auf das einstimmen, was Ihre Wirtschaftsredaktion plant und was die Welt der Wirtschaft und die

Liebe Leser, mit unserem Ausblick auf die wichtigsten Ereignisse der kommenden Woche wollen wir Sie auf das einstimmen, was Ihre Wirtschaftsredaktion plant und was die Welt der Wirtschaft und die Finanzbranche ihnen als Verbraucher und Arbeitnehmer, als Aktionär, als Sparer und neugierigem Zeitungsleser zu bieten hat.

„Renzirendum“

Steppt heute an der Börse der Bär? Das hängt vor allem davon ab, wie das gestrige „Renzirendum“ in Italien ausgegangen ist. Sollten die Italiener mehrheitlich gegen die Verfassungsänderung gestimmt haben – an deren Erfolg Ministerpräsident Matteo Renzi sein politisches Überleben geknüpft hat – dürften die Börsen tatsächlich in die Knie gehen. Schließlich gilt das Referendum als Schicksalswahl für die Eurozone. Weil in so einer Situation kein Profi auf dem falschen Fuß erwischt werden will, haben sich die Finanzmarkt-Teilnehmer schon in der vergangenen Woche verstärkt von Aktien getrennt. Schließlich ist die Finanzwelt in den vergangenen Monaten zwei Mal – beim Brexit-Votum und bei der Trump-Wahl – im Vertrauen auf die Prognosefähigkeiten der Demoskopie auf dem falschen Fuß erwischt worden. Dazu kommt, dass das Verfassungsreferendum in Italien vom Markteinfluss her eine deutlich größere Bedeutung hat. Hier geht es nicht um kurzfristige Marktverwerfungen, die bald wieder der Normalität weichen. Hier geht es darum, ob eine der großen Volkswirtschaften Europas destabilisiert wird und damit die Eurozone in langfristige Turbulenzen schickt. Wie nervös die Märkte sind, merkt man schon daran, dass selbst die für die internationalen Kapitalmärkte relativ unbedeutende Bundespräsidenten-Wahl in Österreich alle möglichen Analysten in Europa ins Grübeln brachte – weil die Wahl ein bisschen als Stimmungsbarometer für die europäische Entwicklung gilt.

Atomausstieg

Morgen entscheidet das Bundesverfassungsgericht darüber, ob auf den deutschen Staat Milliarden-Forderungen wegen des beschleunigten Atomausstiegs zukommen. Geklagt haben die Energiekonzerne Eon, RWE und Vattenfall. Sie streiten für die Feststellung, dass die Kehrtwende der Bundesregierung nach der Reaktor-Katastrophe von Fukushima einer Enteignung gleichkommt, für die sie nie entschädigt wurden. Für ihre wirtschaftlichen Einbußen fordern die Großversorger Schadenersatz. Mit dem Karlsruher Urteil wollen sie die Grundlage für weitere Prozesse schaffen. Eine Gesamtsumme haben die Konzerne nie offen genannt. Verlässt man sich auf einzelne Schadensangaben und Branchen-Informationen, dürfte es aber um rund 19 Milliarden Euro gehen.

Europäische Zentralbank

Wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihr mittlerweile Billionen-Euro-schweres Anleihekaufprogramm über den März 2017 hinaus verlängern? Die Antwort darauf erwarten die Märkte am Donnerstag vom Präsidenten der Notenbank, Mario Draghi, der der Presse nach der EZB-Ratssitzung Rede und Antwort stehen wird. Schon seit März 2015 flutet die (EZB) auch mittels dieses Kaufprogramms die Märkte mit Geld. Erwarben die Währungshüter zunächst Monat für Monat Wertpapiere im Wert von 60 Milliarden Euro, sind es seit dem Sommer sogar 80 Milliarden Euro, die monatlich in den Kauf von Staatsanleihen, forderungsbesicherten Schuldverschreibungen oder Unternehmensanleihen fließen.

Beschließt der EZB-Rat, seine Einkaufstour zu verlängern und dabei den Einkaufswagen Monat für Monat ebenso kräftig zu füllen wie bislang, könnte er damit vielleicht sogar die Grundlage für eine Jahresend-Rally des Dax legen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht: Die Inflationsrate in der Eurozone ist zuletzt zwar leicht auf 0,6 Prozent gestiegen. Aber damit liegt sie immer noch weit entfernt von der Marke von knapp zwei Prozent, bei der die EZB Preisstabilität gesichert sieht. Zudem stagniert die um Energie und Nahrungsmittel bereinigte Kernrate der Inflation bei 0,8 Prozent.

Für eine Verlängerung spricht zudem, dass nach dem US-Wahlsieg von Donald Trump auch die Anleihe-Renditen europäischer Staatsanleihen gestiegen sind – was Euro-Krisenstaaten wie Italien zu schaffen macht. Die Renditen würden weiter steigen, wenn die EZB ihre Einkaufstour beendete. Das Risiko wird die Zentralbank kaum eingehen wollen. Schon gar nicht, wenn Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi beim dortigen Verfassungsreferendum eine Niederlage erlitten haben sollte und deshalb zurücktreten muss. Dann würden die Renditen italienischer Staatspapiere in die Höhe schießen, so dass es für das Mittelmeer-Land richtig teuer werden würde, sich zu refinanzieren. Nicht auszuschließen, dass dann auch die Staatsschulden im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt weiter in die Höhe gehen.

Ihre Meinung

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns in den nächsten Tagen und Wochen kurz schreiben, wie Ihnen unser Wochen-Starter gefällt. Am besten per Mail an: wirtschaft@fnp.de

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