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Das Auslandsgeschäft der Fraport AG wächst

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Noch boomt der Frankfurter Flughafen. Viel stärker wächst aber jetzt schon das Auslandsgeschäft der Fraport AG: Schritt für Schritt erhöht das Management um Vorstandschef Stefan Schulte die Zahl der internationalen Flughafen-Beteiligungen – sie werden bald genauso viel zum Konzern-Ergebnis beitragen wie der Heimatstandort.

Dass der Frankfurter Flughafen in diesem Jahr so kräftig wachsen würde, hatten der Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte und sein Finanzchef Matthias Zieschang nicht zu hoffen gewagt. Mit einem Anstieg der Passagierzahlen um circa fünf Prozent hatte die Führung des MDax-Konzerns im Frühjahr gerechnet. Tatsächlich ist nach neun Monaten die Zahl der Fluggäste um 8,4 Prozent gewachsen, wird das Plus bis Jahresende wohl 7,3 Prozent betragen. Ein solch starkes Wachstum hat der Frankfurter Flughafen in diesem Jahrtausend noch nicht erlebt. Somit werden 2018 mehr als 69 Millionen Menschen an Europas viertgrößtem Flughafen starten und landen. Und das, nachdem Frankfurt bereits im vergangenen Jahr mit 64,5 Millionen Euro einen neuen Passagierrekord gefeiert hatte. „Dieses Wachstum hat uns selbst überrascht“, gab Zieschang gestern zu.

Natürlich hat dieses Wachstum am Heimatstandort dazu beigetragen, dass Umsatz und Gewinn des Gesamtkonzerns gestiegen sind: Der Umsatz legte um 7,2 Prozent auf 2,36 Milliarden Euro zu; der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda ) legte um neun Prozent auf 880,4 Millionen Euro zu und der Nettogewinn sogar um 10,4 Prozent auf 377,8 Millionen – alles im Rahmen der Vorstandsprognosen.

Aber der Löwenanteil an diesem Wachstum ist dem Auslandsgeschäft zu verdanken, nicht Frankfurt. Damit hat das Geschäft jenseits der deutschen Grenzen seinen Anteil am Ebitda auf 37 Prozent erhöht – vor zwei Jahren lag er noch bei 23 Prozent. „In einigen Jahren wird dieser Wert auf 50 Prozent steigen“, kündigte Zieschang an. „Schlangen-Gift“

Ein wesentlicher Grund für den schwächeren Gewinnzuwachs am Heimatstandort: Von der großen Reiselust überrascht worden sind nicht nur die Manager des Frankfurter Flughafens – auch die Airlines und die Deutsche Flugsicherung sind darauf nicht vorbereitet gewesen. Hinzu kamen neben Unwettern vor allem noch ineffiziente Kontrollgeräte am Flughafen. Die Folge: Wie an anderen Airports hierzulande, bildeten sich im Sommer auch in Frankfurt lange Schlangen und Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen, hatten die hiesigen Passagiere mit vielen Verspätungen und Flugausfällen zu kämpfen. „Probleme, die uns ein Stück weit das Ergebnis verdorben haben“, beklagte Zieschang gestern. Denn der Flughafen-Betreiber musste sowohl im Sicherheitsbereich als auch auf dem Vorfeld sehr schnell viel Personal einstellen; und weil die Fluggäste an den Schaltern und bei den Sicherheitskontrollen viel länger Schlange stehen mussten als sonst, hatten sie auch weniger Zeit, am Flughafen einzukaufen – das Einzelhandelsgeschäft ist für die Fraport jedoch das mit Abstand lukrativste. Keine zusätzlichen Slots

So könnte man durchaus von einer verpassten Chance sprechen. Zumal für die kommenden beiden Jahre nicht mit einer ähnlich hohen Wachstumsrate in Frankfurt zu rechnen ist. Anders als es der Hauptkunde Lufthansa angesichts der jüngsten Probleme fordert, wird die Fraport im kommenden Sommer die Zahl der maximal möglichen Starts und Landungen (Slots) pro Stunde zwar nicht senken – das stellte Vorstandschef Schulte gestern klar. „Aber mehr als die derzeit erlaubten 120 Start- und Landefenster werden wir erst wieder anbieten können, wenn der Flugsteig G im Jahr 2021 in Betrieb geht“, sagte Schulte. „Keiner schwächelt“

Diese Gemengelage ist für die Fraport-Führung eine zusätzliche Motivation, das erfolgreiche Auslandsgeschäft weiter voranzutreiben. Die Zahl der Flughäfen, die die Frankfurter jenseits der deutschen Grenzen betreiben, ist in der jüngeren Vergangenheit rasant gestiegen: In diesem Jahr sind die beiden brasilianischen Airports Fortaleza und Porto Alegre hinzugekommen; im April vergangenen Jahres hatte Fraport den Betrieb von insgesamt 14 griechischen Flughäfen übernommen. Für die Flughäfen in Antalya, Lima, St.Petersburg, den bulgarischen Städten Varna und Burgas, Ljubljana und im chinesischen Xi’an zeichnet Fraport schon viel länger verantwortlich. „Und keiner von ihnen schwächelt“, betonte Zieschang gestern. Im Gegenteil: Bis auf „Fraport Brasil“, wo die Frankfurter bislang keine substanziellen baulichen Verbesserungen oder gar Kapazitätsausweitungen vornehmen konnten, warten alle Auslandsflughäfen mit deutlichen, zum Teil zweistelligen Wachstumsraten auf.

Der Airport Antalya hat in den ersten neun Monaten sogar 4,8 Millionen Passagiere mehr gezählt und damit sogar den großen Frankfurter Flughafen hinter sich gelassen, der bis Ende September ein Plus von 4,1 Millionen Fluggästen auswies; die griechischen Flughäfen folgen mit einem Zuwachs von 2,1 Millionen Kunden. Folgerichtig weisen diese beiden Beteiligungen auch die größten Zuwächse beim Auslandsumsatz aus. Dieser ist um 116,5 Millionen auf 724,5 Millionen Euro gestiegen – 116,5 von insgesamt 158,6 Millionen Euro, um die der Konzernumsatz zugelegt hat. Größter Gewinnbringer

Noch deutlich größer ist der Anteil des Auslandsgeschäfts beim Zuwachs des Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit): Von dessen Anstieg um 40,1 Millionen Euro entfallen 36,7 auf das Ausland. Betrug das Konzern-Ebit letztlich 580,3 Millionen Euro, steuerte das Ausland 229 Millionen bei – und damit sogar mehr als der Geschäftsbereich „Handel und Immobilien“ in Frankfurt, der im Fraport-Konzern traditionell der größte Ergebnisbringer gewesen ist.

„Die Musik spielt im Ausland“, sagte Zieschang gestern. Dort sei die Rendite auf das eingesetzte Kapital zweistellig, in Frankfurt nur einstellig. Das sei nicht nur auf günstige Konzessionsverträge zurückzuführen, die Fraport mit den jeweiligen Staatsregierungen abschließe, so Schulte. „Das hat auch zu tun mit deutlich geringeren Auflagen, beispielsweise beim Bau von Terminals, beim Lärmschutz und Naturschutz.“ Da verwundert es nicht, dass diese Musik schon bald noch lauter werden soll: Wie Schulte berichtete, hat der Vorstand Interesse daran, einen weiteren Flughafen in Brasilien sowie den Flughafen Sofia zu übernehmen.

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