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Interimschef: Finanzvorstand Richard Lutz.

Streit über seine Vertragsverlängerung

Bahn-Chef Grube wirft hin

Das hatte sich nicht angekündigt: Bahnchef Grube wirft das Handtuch, weil er sich vom Aufsichtsrat schlecht behandelt fühlt. Selbst der Verkehrsminister ist überrascht. Einen Favoriten für die Nachfolge gibt es noch nicht.

Bahnchef Rüdiger Grube ist im Streit um eine Vertragsverlängerung am Montag zurückgetreten. Vorübergehend führt Finanzchef Richard Lutz den Bundeskonzern, ein Nachfolger soll möglichst bald gefunden werden, wie die Bahn nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilte. Darin waren Differenzen über die geplante Verlängerung für Grube zutage getreten. Da der Konzern wiederholt die Planziele verfehlte und zuletzt sogar eine Kapitalerhöhung benötigte, war Grubes Vertragsverlängerung umstritten. Sein Vertrag lief noch bis Dezember 2017. Wie aus Aufsichtsratskreisen verlautete, warf Grube dem Kontrollgremium vor, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben.

In einer Mitteilung dankte er Aufsichtsrat Grube „für seinen ungewöhnlich großen Einsatz für das Unternehmen.“ Die Digitalisierung der DB sei ebenso mit seinem Namen verbunden wie das Qualitätsprogramm ’Zukunft Bahn’.“ Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach anschließend von „wenig Einigungsbereitschaft auf beiden Seiten“. „Das ist in der Tat eine so nicht zu erwartende Wendung“, sagte Dobrindt in München.

Grube verlässt den Konzern inmitten einer großangelegten Initiative, die Qualität, Kundenzahl und Ergebnis der Bahn deutlich verbessern sollte. Erst kürzlich erklärte Grube das Programm „Zukunft Bahn“ zur Chefsache.

Aus dem Umfeld des Aufsichtsrats war am Montag zu hören, Grube sei in der Sitzungsvorlage noch eine Vertragsverlängerung um drei Jahre bis Ende 2020 zugesichert worden. Der Vorstandschef habe dafür auf eine Gehaltserhöhung und auf eine Abfindung im Falle eines vorzeitigen Abgangs verzichtet. In der Sitzung am Montag habe man ihm dann aber doch nur zwei weitere Jahre als Vorstandschef geben wollen. „Grube hat gesagt, weniger als drei Jahre seien ein

Gesichtsverlust

für ihn und deswegen nicht akzeptabel“, verriet ein Aufsichtsratsmitglied.

Auf die Frage nach den Aussichten des früheren Kanzleramtsministers und Bahn-Vorstandsmitglieds Ronald Pofalla sagte Dobrindt: „Wir gehen jetzt einfach auf die Suche. Es gibt jetzt überhaupt keinen Grund, im Vorfeld schon irgendwelche Namen ins Gespräch zu bringen.“ SPD-Fraktionsvize Sören Bartol riet, nun nichts zu überstürzen: „Da gibt es niemanden, der sich sofort aufdrängt.“

Der 65 Jahre alte Grube war seit 2009 Vorstandschef des bundeseigenen Konzerns mit weltweit 300 000 Angestellten und rund 40 Milliarden Euro Umsatz. Er übernahm die Führung nach der Affäre um massenhafte Ausspähung von Mitarbeiter-E-Mails unter seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn.

Durch den Kauf der Auslandsverkehrstochter Arriva trieb Grube die internationale Ausrichtung voran. Nach dem hohen Konzernverlust 2015 – dem ersten nach zwölf Jahren – konnte er zuletzt auf ein verbessertes Ergebnis und eine gestiegene Pünktlichkeit der Züge verweisen.

Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer kritisierte, Grube sei der Sündenbock für die falsche Bahnpolitik Dobrindts. Statt eine Schienenverkehrsoffensive zu starten, „durfte Grube nur den Mangel verwalten, während Schulden und Verspätungen immer mehr zunahmen“. Das Bündnis „Bahn für Alle“ warf Grube vor, er habe das Bahn-Kerngeschäft, die Eisenbahn in Deutschland, ausbluten lassen.

„Rüdiger Grube war nach Mehdorn der Richtige um die Deutsche Bahn wieder zur Ruhe zu bringen“, hob hingegen Martin Burkert (SPD) hervor, der Vorsitzende des Bundestagsverkehrsausschusses. Nun brauche es einen Bahnchef, der Qualität und Zuverlässigkeit voranbringe und die Gütersparte DB Cargo wieder aufs richtige Gleis setze.

Die Linken-Verkehrspolitikerin Sabine Leidig sieht nicht die Vertragsverlängerung als Grund des Rücktritts, sondern das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21. „Er hat sich ganz offensichtlich verspekuliert“, teilte Leidig mit und verwies auf gestiegene Kosten für das Bauvorhaben. Gegner von Stuttgart 21 hoffen auf das Aus des Projekts: „Rüdiger Grube stand für Stuttgart 21, mit seinem Rücktritt ist auch S21 am Ende“, sagte der Sprecher der Stuttgarter Parkschützer, Matthias von Herrmann.

(dpa,rtr,red)

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