Von den Frankfurter Instituten schnitt die Dekabank am besten ab.
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Von den Frankfurter Instituten schnitt die Dekabank am besten ab.

Stresstest

Banken-Prüfer sind zufrieden

Wieder mussten sich Europas Banken tief in ihre Bücher schauen lassen und den Aufsehern beweisen, dass sie für Krisen gerüstet sind. Insgesamt zeigten sich die Geldhäuser als recht stabil. Doch nicht alle glänzten – auch deutsche Banken geben Grund zur Sorge.

Branchen-Aufseher und Experten halten die deutschen Banken trotz durchwachsener Ergebnisse im europaweiten Stresstest auch in einer schweren Wirtschaftskrise für widerstandsfähig genug. „Der Stresstest zeigt, dass die deutschen Banken gerüstet sind, diesen ausgeprägten Schocks zu widerstehen“, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Allerdings landeten die beiden größten deutschen Banken, Deutsche Bank und Commerzbank, unter den 51 auf Herz und Nieren geprüften europäischen Geldhäusern unter den letzten zehn. Mehr Kapital brauchten sie aber deswegen nicht, erklärte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die sich die Bankenaufsicht mit der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank (EZB) teilt. „Aus dem Stresstest-Ergebnis resultiert nicht automatisch ein Kapitalbedarf“, sagte ein BaFin-Sprecher. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass Extrem-Szenarien wie diese tatsächlich einträten, sei gering. Vielmehr soll der Stresstest zusätzliche Erkenntnisse für die Aufseher liefern, wenn sie die individuellen Kapitalanforderungen für die Banken festlegen.  

„Noch nicht völlig gesund“

Die EU-Bankenbehörde EBA, die den Stresstest organisiert hatte, zog ein vorsichtiges Fazit: Die Geldhäuser hätten ihre Kapitalpolster in den vergangenen Jahren gestärkt, seien aber noch nicht völlig gesund, sagte EBA-Chef Andrea Enria. „Es liegt noch einiges an Arbeit vor uns.“ Die EZB, die zwei Drittel der Teilnehmer beaufsichtigt, zeigte sich zufriedener. „Der Bankensektor ist heute widerstandsfähiger und kann viel besser wirtschaftliche Schocks absorbieren als vor zwei Jahren“, erklärte die oberste EZB-Bankenaufseherin Daniele Nouy. Die Bankenverbände verwiesen darauf, dass die Banken ihre Risikopuffer schon vorher kräftig aufgestockt hätten. „Die harte Kernkapitalquote reduzierte sich naturgemäß als Reaktion auf den Stress, sie blieb jedoch bei allen beteiligten Banken verlässlich.“

Nach den strengen – unter dem Stichwort Basel III bekannten – Kapitalregeln sind Banken nur dann voll funktionsfähig, wenn sie mehr als sieben Prozent hartes Kernkapital in die Waagschale werfen können. Wer unter diese Marke rutscht, darf etwa keine Dividende ausschütten und auch keine Boni zahlen. Banken, die weniger als 4,5 Prozent hartes Kernkapital aufbringen, werden geschlossen.

Unter den deutschen Banken schnitt die Commerzbank am schlechtesten ab. Ihre harte Kernkapitalquote lag im Stress-Szenario mit 7,4 Prozent deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 9,2 Prozent. Damit kam sie auf Platz 44, zwei Plätze hinter der Deutschen Bank, mit 7,8 Prozent harter Kernkapitalquote. Die Deutsche Bank hält die juristischen Altlasten für den Hauptgrund für ihr schlechtes Abschneiden im Stresstest. Rechtsfälle haben die Bank seit 2012 mehr als zwölf Milliarden Euro gekostet. „Daran leiden wir bis heute, haben aktuell 5,5 Milliarden Euro dafür zurückgestellt “, sagte Risikovorstand Stuart Lewis. Die Dekabank kam im Stress-Szenario auf eine harte Kernkapitalquote von 9,53 Prozent erreicht und lag damit immerhin knapp über dem Prüfungsdurchschnitt. Die BayernLB (8,3) und die NordLB (8,6) landeten im hinteren Feld. Die Förderbank NRW.Bank – ein Exot im Kreis der geprüften Häuser – war mit 35,4 Prozent unangefochtener Spitzenreiter.

Die Bundesbank sieht bei den deutschen Banken weiteren Reformbedarf. „Auch wenn die Banken stabil sind, müssen sie, wie jedes andere Unternehmen auch, auskömmlich Geld verdienen. Und hier hapert es zurzeit“, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. Die niedrigen Zinsen, Digitalisierung, strengere Regulierung und härtere Konkurrenz stellten die Institute vor Herausforderungen. „Die Banken müssen sich dringend Gedanken darüber machen, wie sie ihre Geschäftsmodelle darauf ausrichten“, sagte Dombret.

„KPMG-Partner Daniel Quinten sieht die deutschen Banken auch als Opfer der Stresstest-Methode. Sie treffe Universalbanken und Institute mit einem hohen Zinsanteil härter als Banken mit einem sehr fokussierten Geschäftsmodell. Die Commerzbank baut bei der Refinanzierung vor allem auf die Einlagen ihrer Kunden, die nach dem Stress-Szenario in einer Krise besonders teuer würden. „Aber ein starker Kapitalverlust im Stresstest muss nicht gleichbedeutend sein mit einem schwächeren Bankensystem“, sagte Quinten. Dazu kämen unterschiedliche Regeln bei der Einführung der neuen „Basel-III“-Kapitalvorschriften. Die BayernLB etwa wurde im Stresstest für ihre stillen Einlagen abgestraft, die sie zwischenzeitlich zum Teil zurückgezahlt hat. „Wenn man diesen Effekt abzieht, sind die deutschen Großbanken nicht schlechter als andere“, so Quinten.

Die Schlusslichter

Für das größte Sorgenkind wurde in letzter Minute eine Lösung gefunden. Die drittgrößte italienische Bank, Monte dei Paschi di Siena, legte einen Rettungsplan vor, mit dem sie nicht nur alle Kredite ohne Aussicht auf Rückzahlung an einen Bankenrettungsfonds abgeben will, sondern weitere fünf Milliarden Euro frisches Kapital bekommen soll. Der Stresstest enthüllte, dass eine Krise das Kapital der ältesten Bank der Welt wegen der Milliardenlast an faulen Krediten restlos ausradieren würde. Das Institut war schon 2014 auf dem letzten Platz gelandet. Auch die Allied Irish Banks zählte mit einer Kapitalquote von 4,3 Prozent im Stress-Szenario überraschend zu den größten Verlierern. Drittletzter war die österreichische Raiffeisen Zentralbank (RZB) (6,1 Prozent).

(rtr,red)

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