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Ein Fahrradkurier von Foodora, das zur Lieferkette Delivery Hero gehört.

Größter Börsengang des Jahres

Berliner Start-up reizt die Preisspanne voll aus

Das Essen aus dem Lieblingsrestaurant wird nach wenigen Klicks ganz bequem nach Hause geliefert. Das versprechen Online-Essenslieferdienste – und haben damit großen Erfolg. Mittlerweile sind in vielen deutschen Städten Kuriere von Deliveroo, Foodora und Co. unterwegs. Jetzt wagt einer der Anbieter den Sprung an die Börse: Delivery Hero wird heute an der Frankfurter Börse notiert.

Knapp eine Milliarde Euro hat der Essenslieferdienst Delivery Hero bei seinem Börsengang eingesammelt und ist damit die größte Neuemission des Jahres an der Frankfurter Börse. Insgesamt wurden zum Stückpreis von 25,50 Euro rund 39 Millionen Aktien ausgegeben, wie das 2011 gegründete Start-up mitteilte. Am heutigen Tag wird die Premiere auf dem Frankfurter Börsenparkett gefeiert. Die Aktie des nach eigenen Angaben weltweit führenden Anbieters von Online-Lieferdiensten wird erstmals gehandelt werden.

Bei der Aktienzuteilung schöpfte Delivery Hero die Preisspanne von 22 bis 25,50 Euro voll aus. Das Unternehmen bietet unter verschiedenen Markennamen, wie etwa Pizza.de, Lieferheld oder Foodora, Internet-Plattformen für Essenslieferdienste an. Obwohl Delivery Hero hohe Verluste erwirtschaftet, wird das Unternehmen derzeit mit knapp 4,4 Milliarden Euro bewertet. Damit ist es immerhin fast halb so viel wert wie eine der größten Fluggesellschaften der Welt, Lufthansa. Der Essenslieferdienst will das Geld aus dem Börsengang nutzen, um seine weitere Expansion zu finanzieren. Aus den Erlösen sollen aber auch Darlehen zurückgezahlt werden. Bislang war die Start-up-Holding Rocket Internet mit 35 Prozent an Delivery Hero beteiligt. Im Rahmen des Börsengangs will Rocket seine Anteile aber reduzieren – und Kasse machen. Die Investmentbanken Citigroup, Goldman Sachs und Morgan Stanley begleiten das Börsendebüt des Lieferdienstes. Delivery Hero beschäftigt derzeit nach eigenen Angaben über 6000 Mitarbeiter und mehrere tausend Fahrer in mehr als 40 Ländern in Europa, dem Mittleren Osten, Nordafrika, Lateinamerika und Asien.

  Wie funktioniert der Lieferdienst? Nutzer können sich Essen aus ihren Lieblingsrestaurants bestellen, auch wenn die keinen eigenen Lieferdienst anbieten. Bestellung und Bezahlung werden über das Internet abgewickelt. Kuriere, oft per Fahrrad, holen die Mahlzeiten ab und bringen sie zum Kunden an die Haustür. Pro Bestellung rechnet Delivery Hero einen bestimmten Prozentsatz als Provision ab. Außerdem können sich Restaurants gegen eine Gebühr auf den oberen Plätzen in einem Liefergebiet listen lassen. Durch die Zusammenarbeit mit Delivery Hero erhalten Restaurants, Gaststätten und Imbisse eine zusätzliche Werbeplattform und können im Idealfall ihren Absatz steigern.

  Wie groß ist das Unternehmen?

Delivery Hero ist nach eigenen Angaben weltweit Marktführer unter den Online-Lieferdiensten, „mit mehr führenden Marktpositionen nach der Zahl der Restaurants, aktiver Nutzer und Bestellungen in mehr Ländern als alle Konkurrenten“. Das Unternehmen erreicht demnach insgesamt 2,7 Milliarden Menschen, beschäftigt über 6000 Mitarbeiter und mehrere tausend Fahrer in mehr als 40 Ländern in Europa, dem Mittleren Osten, Nordafrika, Lateinamerika und Asien.

  Wie steht das Unternehmen da? Gewinn macht Delivery Hero bislang nicht. Den Umsatz steigerte das Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin 2016 um fast 80 Prozent auf 297 Millionen Euro.

  Was will der Lieferdienst mit dem Erlös machen? Delivery Hero will das Geld aus dem Börsengang nutzen, um seine weitere Expansion zu finanzieren. Aus den Erlösen sollen aber auch Darlehen zurückgezahlt werden.

  Wieso steht Delivery Hero in der Kritik? Die Fahrer, die häufig mit ihrem eigenen Fahrrad unterwegs sind, protestieren schon länger gegen die Arbeitsbedingungen bei Essenslieferdiensten. Nicht nur bei Delivery Hero, sondern auch bei der Konkurrenz, etwa dem britischen Deliveroo. Die Kuriere kritisieren nicht nur die niedrigen Löhne, sondern auch, dass die Lieferdienste einen großen Teil des Risikos auf sie abwälzen. Verschleiß und Reparaturen an den Fahrrädern müssten die Boten selbst tragen.

(afp)

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