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Das Entwicklungszentrum ist das Hirn von Opel.

Betriebsvereinbarungen für 38 000 Opelaner verzögern sich

Betriebsrat zieht Notbremse

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Bisher verlief der Opel-Verkaufsprozess mit dem französischen PSA-Konzern ruhig und in geordneten Bahnen. Doch gestern hat der Opel-Betriebsrat die Notbremse gezogen. Grund: Unter den Tarifverträgen sind noch nicht alle Unterschriften. Es sei ein schwieriges Dreiecksverhältnis zwischen Rüsselsheim, Detroit und Paris entstanden, hieß es gestern im Adam Opel-Haus.

In der Sache gebe es überhaupt keinen Dissens, heißt es aus Rüsselsheim. Die kurzfristige Aufregung um ein Zerwürfnis mit den Arbeitnehmervertretern entpuppte sich schnell als Sturm im Wasserglas. Doch das Veto des Betriebsrates gegen den Betriebsübergang verzögert den Ablaufplan. Wie lange der nun auf Eis liegt, wollte keiner der Beteiligten sagen. Zwischen den Zeilen war aber herauszuhören, dass es sich wohl doch um einige Wochen handeln werde. Das gesamte Übernahme-Projekt sei dadurch aber nicht gefährdet, lauten die Beschwichtigungen. Der finale Vollzug des Opel-Verkaufs an PSA ist für die zweiten Jahreshälfte geplant. Daran werde sich nach derzeitigem Stand nichts ändern, sagte der Sprecher.

Was war passiert? Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug hatte kurzfristig eine Informationsveranstaltung für die Opelaner abgesagt. Bei dieser Zusammenkunft sollten der Belegschaft die nächsten Schritte auf dem Weg zur endgültigen Übernahme durch den PSA-Konzern erläutert werden. Doch es gab nichts zu berichten, hieß es gestern in Rüsselsheim, weil die vertraglichen Grundlagen für den Betriebsübergang der Opel GmbH in die Opel Automobile GmbH noch nicht gegeben waren. Diese neue Gesellschaft operiert noch unter dem Dach von General Motors. Sie garantiert zum Beispiel, dass die 7700 Ingenieure im Technischen Entwicklungszentrum im Stammwerk noch drei Jahre von GM mit Aufträgen ausgelastet werden. Dem Vernehmen nach fehlen dazu noch belastbare Serviceverträge zwischen GM und dem künftigen Eigentümer PSA.

Der Opel-Betriebsrat hatte stets betont, den Schritt in die neue Gesellschaft nur zu gehen, wenn die aktuell bestehenden Arbeitnehmerrechte im Detail vertraglich abgesichert werden. Doch die dafür fixierten Tarifverträge sind im „komplizierten Dreiecksverhältnis“ zwischen Rüsselsheim, der GM-Zentrale in Detroit und dem PSA-Sitz in Paris irgendwo hängen geblieben.

„Das ist nicht Wildes“, „kein dramatischer Vorgang“ und „die Verzögerung ist der Komplexität des Vorgangs geschuldet“, waren Aussagen, die wir gestern in Rüsselsheim zu hören bekamen. „Beim Betriebsübergang der Adam Opel GmbH zur Opel Automobile GmbH sind wir auf einem guten Weg. Allerdings sind noch einige offene Punkte zu klären“, lautete das offizielle Statement von Opel dazu.

Erst Anfang April hatte PSA-Chef Carlos Tavares bei einem Besuch in Berlin bekräftigt, der Konzern halte an seiner Zusage fest, beim Kauf von Opel auch die bestehenden Job- und Standortgarantien zu übernehmen.

Der Peugeot-Mutterkonzern PSA will den deutschen Konkurrenten noch in diesem Jahr übernehmen und kostengünstiger organisieren. Die Franzosen sollen für das GM-Europa-Geschäft inklusive der britischen Opel-Schwester Vauxhall und der Finanzsparte rund 2,2 Milliarden Euro zahlen. Opel/Vauxhall beschäftigt etwa 38 000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern, die Hälfte davon in Deutschland.

Die Beschäftigten in den deutschen Werken sind über einen Tarifvertrag bis Ende 2018 vor Entlassungen sicher. PSA unterhält eigene Entwicklungszentren mit rund 13 000 Beschäftigten, so dass Doppelfunktionen und Job-Streichungen zu erwarten sind.

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