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Börse sieht sich ohne LSE selbst als Übernahmeziel

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Carsten Kengeter
Carsten Kengeter © Alexander Heinl (dpa)

Die Deutsche Börse fürchtet, bei einem Scheitern der Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) selbst ins Visier von Konkurrenten zu geraten.

Die Deutsche Börse fürchtet, bei einem Scheitern der Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) selbst ins Visier von Konkurrenten zu geraten. Es sei richtig, dass die Chicago Mercantile Exchange (CME) generell Interesse an Deutschlands größtem Börsenbetreiber habe, sagte Vorstandschef Carsten Kengeter am Montagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. „Ob sich dieses manifestiert, das glaube ich im Moment eigentlich nicht. Es könnte aber eine Artikulation folgen, falls unser Zusammenschluss (mit der LSE) nicht gelingt.“ Die CME ist mit gut 33 Milliarden Dollar etwa doppelt so viel wert wie die Deutsche Börse. Die Amerikaner hatten bei den Frankfurtern Insidern zufolge bereits 2013 wegen einer Verschmelzung angefragt, waren damit aber abgeblitzt. Bisher haben die Manager aus Chicago Finanzkreisen zufolge stets betont, nur an einem einvernehmlichen Zusammenschluss interessiert zu sein. „Sie sind generell nicht so aggressiv bei solchen Dingen“, sagte Kengeter. Feindliche Kaufangebote sind in der Börsenlandschaft wenig erfolgversprechend, weil die Aufsichtsbehörden aus dem Heimatland des Übernahmeziels solche Deals blockieren können. Kengeter ist seit einem Jahr Vorstandschef der Deutschen Börse und hat das Unternehmen seitdem kräftig umgekrempelt. Der 49-Jährige ist überzeugt, dass der Konzern auf Übernahmen und Fusionen angewiesen ist, um im weltweiten Wettbewerb nicht den Anschluss zu verlieren. „Die Deutsche Börse ist nicht in einem sehr dynamischen Zustand“, räumte der langjährige Investmentbanker ein. Um das Wachstum anzukurbeln, seien externe Impulse unabdingbar. „Wir haben im letzten Jahr sämtliche mögliche Kombinationen, die es auf der Welt gibt, für die Deutsche Börse geprüft.“ Es habe sich um eine hohe zweistellige Zahl gehandelt. Der im Februar angekündigte Zusammenschluss mit der LSE habe sich als sinnvollste Kombination herausgestellt.

In trockenen Tüchern ist der gut 25 Milliarden Euro schwere Zusammenschluss allerdings noch lange nicht. Kengeter rechnet mit einem Abschluss erst Anfang 2017. Als größte Hürden gelten das Votum der Aufsichtsbehörden und mögliche Gegenofferten für die LSE. Der US-Rivale ICE, der offen mit einem Angebot für die Londoner Börse geliebäugelt hatte, erklärte Anfang Mai zwar, derzeit keine Offerte vorlegen zu wollen. Das Unternehmen aus Atlanta könne jedoch ab November wieder in den Poker um die LSE einsteigen, warnte Kengeter und bestätigte damit einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. „Die ICE hat jetzt eine Möglichkeit, sich vorzubereiten, falls sie dann noch mal auf den Plan treten möchte im November“, erklärte der Vorstandschef.

(rtr)

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