7700 Beschäftigte zählt Braas Monier weltweit.
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7700 Beschäftigte zählt Braas Monier weltweit.

Oberurseler Konzern

Braas Monier: Kampf um die Deutungshoheit

  • Panagiotis Koutoumanos
    vonPanagiotis Koutoumanos
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Im Ringen um die Übernahme des Oberurseler Konzerns Braas Monier durch Standard Industries liefern sich beide Seiten inzwischen einen offenen Schlagabtausch.

„Spiegeln die 25 Euro, die die US-Gesellschaft Standard Industries für jede Braas-Monier-Aktie bietet, den tatsächlichen Wert des Oberurseler Dachsystemeherstellers wider, oder können wir da noch einige Euro mehr pro Aktie rausschlagen?“ Das ist die Frage, die sich derzeit wohl alle Aktionäre des SDax-Konzerns stellen, seitdem ihnen Standard am 14. September sein Übernahmeangebot offiziell unterbreitet hat. Voraussichtlich bis Mitte November haben die Anleger Zeit zu entscheiden, ob sie die Offerte von rund einer Milliarde Euro annehmen wollen oder nicht. Aber sowohl die Monier-Führung, die das Angebot von Anfang an als zu niedrig abgewiesen hat, als auch die US-Amerikaner buhlen jetzt schon kräftig um die Gunst der Aktionäre - und der Ton dabei wird schärfer.

Nachdem der Braas-Verwaltungsrat seinen Eigentümern in einem Aktionärsbrief Gründe dargelegt hatte, die Offerte der US-Amerikaner abzulehnen, bliesen diese gestern umgehend zur Gegen-Attacke: „Leider enthält der Brief von Braas eine Reihe irreführender Aussagen und eindeutiger Fehler, die wir korrigieren müssen“, so Standard in seinem Schreiben an die Anleger, in dem er sich bemüht, die Argumentation der Oberurseler zu zerpflücken.

Die Antwort von Braas ließ nur wenige Stunden auf sich warten. Am gestrigen Nachmittag schrieb das Unternehmen: „Der Verwaltungsrat weist die Behauptung von Standard Industries zurück, der Brief von Brass enthielte eine Reihe irreführender Aussagen und eindeutiger Fehler. Der gesamte Verwaltungsrat empfiehlt weiterhin den Aktionären, das Angebot in Höhe von 25 Euro pro Aktie abzulehnen.“ Gleichzeitig machte Braas deutlich, dass das Unternehmen eine Übernahme prinzipiell nicht ablehne. „Sollte dem Verwaltungsrat ein Vorschlag für eine Übernahme unterbreitet werden, der einen angemessenen Wert widerspiegele, würde ein solcher Vorschlag umfassende Berücksichtigung finden, versprach Braas.

In seinem Aktionärsbrief hatte das Unternehmen argumentiert, dass die Standard-Offerte von 25 Euro zum einen noch unter dem derzeitigen Aktienkurs von circa 26 Euro liege. Zum anderen berücksichtige das Angebot nicht die Synergien, die die Zusammenführung des Braas-Geschäfts mit dem der Standard-Tochter Icopal in Europa brächte – auf 30 bis 40 Millionen Euro belaufen sich diese Synergien laut Braas, das sich auf eine Untersuchung „einer international bekannten Wirtschaftsberatung“ beruft. Zudem bewerteten, so der Vorwurf der Oberurseler, die US-Amerikaner Braas ungerechtfertigterweise schwächer als Icopal – das dänische Unternehmen hatte Standard zu Jahresbeginn gekauft. „Obwohl die Gewinnmargen von Braas die von Icopal übersteigen, entspricht das Angebot für Braas nur das 8,7-fache unseres Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen), während Icopal das 10,5-fache seines Ebitda erhielt“, beklagte Braas.

Vorwürfe, die Standard nicht auf sich sitzen lassen wollte: „Die 25 Euro entsprechen einem Aufschlag von 15 Prozent auf den letzten Braas-Kurs vor Bekanntgabe unserer Offerte“, betonten die US-Amerikaner – nicht zu Unrecht, denn es ist Usus, sich an diesem Kurs zu orientieren. Erst die Bekanntgabe der Übernahmepläne hatte die Braas-Aktie am 14. September um 21,7 Prozent auf 26,46 Euro hochkatapultiert – ein Niveau, auf dem sich die Aktie zuvor nur im Januar dieses Jahres kurz bewegt hatte. Gemessen am Durchschnittskurs der dem 14. September vorangegangenen 30 Tage entsprechen die 25 Euro einem Aufschlag von 16,5 Prozent.

Mit Blick auf die angeblichen Synergien betonte Standard, dass die Übernahme nicht durch Kosteneinsparungen getrieben sei, da sich beide Partner ergänzten. Anders als von Braas dargestellt, seien die beiden Unternehmen aufgrund von Unterschieden in ihrem Rohstoffbedarf, ihrer Produktpalette und ihren Märkten keine Konkurrenten. Es handle sich um eine Investitionsstrategie für gemeinsames Wachstum. Auch der Aussage, wonach Braas von Standard schlechter bewertet werde, widersprachen die US-Amerikaner: Während man für Icopal das 8,4-Fache des Ebitda bezahlt habe, biete man Braas das Neunfache an.

Allzu viele Anleger muss die US-Gesellschaft nicht mehr überzeugen, um die Mehrheit zu erlangen: Über ihr Vehikel „40 North“ hält sie bereits 39,88 Prozent der Braas-Anteile – erworben von den Altgesellschaftern. Das sind vor allem die Finanzinvestoren Apollo, York Capital und TowerBrook, die unter dem Dach von „Monier Holdings“ vereint sind. Dass diese renommierten Investoren den Preis von 25 Euro akzeptiert hätten, zeige, dass dieser durchaus fair sei, hatte Standard-Vorstandschef David Millstone kürzlich in Frankfurt argumentiert. Klare Antwort von Braas: „Unglaubwürdig!“ Da die Altgesellschafter schon seit dem Börsengang 2014 darauf ausgewesen seien, bei Braas auszusteigen, beweise deren Annahme gar nichts.

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