Helaba rechnet mit 8000 Neuzugängen

Der Brexit und die Banker

  • Michael Balk
    vonMichael Balk
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Kommt der Brexit, oder kommt er doch nicht? Ungeachtet der aktuellen Entwicklung in Großbritannien sollte der Finanzplatz Frankfurt sich darauf vorbereiten, als erste Anlaufstelle für abwanderungswillige Banken angesehen zu werden. Das fordert die Helaba und rechnet mit mehreren Tausend Bankbeschäftigten, die von London an den Main umsiedeln könnten.

Unter den europäischen Finanzplätzen ist Frankfurt die klare Nummer zwei hinter London. „Mit ihren Standortqualitäten ist die Main-Metropole ein attraktiver Finanzplatz für in- und ausländische Player und kann die bevorzugte Adresse für Brexit-bedingte Jobverlagerungen werden,“ schreibt Helaba-Ökonomin Ulrike Bischoff in ihrer aktualisierten Studie „Brexit – Let’s go Frankfurt“. Ohne es an die große Glocke zu hängen, würden sich bereits zahlreiche Londoner Finanzinstitute intern auf einen Wegzug vorbereiteten. Doch ein Selbstläufer werde das für die Mainmetropole nicht, so der Tenor. Denn mit Paris, Dublin, Luxemburg oder auch Amsterdam gebe es ernstzunehmende Konkurrenten in einem mehrjährigen Umstrukturierungsprozess.

Die Helaba-Studie kommt in ihrer Hochrechnung zu dem Ergebnis, dass etwa 16 000 Banker London den Rücken kehren könnten. Mindestens die Hälfte dieser abwanderungswilligen Beschäftigten aus der Finanzbranche könnten in den nächsten Jahren nach Frankfurt übersiedeln. 8000 Übersiedler sind für die Landesbank Hessen-Thüringen sogar eine „vorsichtige Schätzung“. Das gelinge nur dann, wenn Frankfurt seine Hausaufgaben mache. Die „City of the Euro“ müsse vor allem mehr Selbstbewusstsein bei der Vermarktung ihrer Standortqualitäten an den Tag legen, wenn sie zum vorrangigen Brexit-Gewinner avancieren wolle.

Frankfurt sei schon heute mit dem Sitz der Europäischen Zentralbank ein Magnet für internationale Akteure. In den vergangenen Jahren seien immer mehr Kreditinstitute ausländischer Herkunft an den Main gekommen. Mitte 2016 betrieben rund 160 Auslandsbanken ihre Geschäfte in Frankfurt. Die Finanz-Community werde durch unzählige andere finanzbezogene Dienstleister belebt, heißt es. Frankfurt beschäftigt in seiner Finanzindustrie insgesamt rund 74 000 Menschen. Im Bankensektor als pulsierendem Herzstück sind es laut Studie 62 300. Angesichts der jüngsten Konsolidierungen und Sparprogramme nimmt die Beschäftigtenzahl tendenziell ab.

Durch die Brexit-Neuzugänge könne der Schrumpfprozess in etwa ausgeglichen werden, so dass Ende 2018 die Zahl der Bankbeschäftigten nicht unter das aktuelle Niveau gefallen sein dürfte.

Den Helaba-Volkswirten ist aber bewusst, dass ein solcher „Quantensprung“ die Stadt vor große Herausforderungen gerade auf dem Wohnimmobilienmarkt stellen würde.

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