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Die beiden Gründer Jan Dinter und Oliver Meiser auf einem ihrer Foodtrucks.

Gastronomie

Wie ein Burrito-Verkäufer zum Geschäftsführer eines erfolgreichen Start-ups wurde

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Zwei Freunde, die gemeinsam eine Geschäftsidee entwickeln und es damit zu beträchtlichem Erfolg bringen – das ist die Geschichte von Jan Dinter und seinem Start-up „Celebrate Streetfood“. Inzwischen erzielt das Unternehmen einen millionenschweren Umsatz. In den Anfängen gab es dafür jedoch so manchen Rückschlag zu ertragen.

Hätte man Jan Dinter vor fünf Jahren gesagt, wo er heute steht, er hätte lachend den Kopf geschüttelt. Zusammen mit seinem Studienfreund Oliver Meiser stand er damals zur Mittagszeit in seinem Foodtruck in einem Frankfurter Geschäftsviertel. Zwei Wochen herrschte reger Andrang auf die frischen Burritos der beiden, doch schon nach drei Wochen war das Interesse der Kundschaft verflogen: „Wenn alle an deinem Truck vorbeilaufen, dann fühlst du dich richtig schlecht“, erinnert sich Dinter. Dass der ehemalige Student der Wirtschaftswissenschaften heute Geschäftsführer eines aufstrebenden Catering-Unternehmens ist, hätte er damals nicht geglaubt. Den Traum aufgegeben hat der 38-Jährige dennoch nie.

Inzwischen arbeiten 100 Beschäftigte in seinem 2013 gegründeten Start-up „Celebrate Streetfood“, das er gemeinsam mit Oliver Meiser und Stefan Gutberlet führt. 25 der Mitarbeiter sind fest angestellt. Das Konzept – so betont Dinter – sei deutschlandweit einmalig. Statt totgegarte Lebensmittel in silbernen Warmhalteboxen zu verkaufen, möchte der Catering-Service von „Celebrate Streetfood“ ein Live-Erlebnis bieten: „Wir bauen nicht einfach nur ein Catering auf, wir zelebrieren die Küche vor den Augen der Gäste“, erklärt Dinter das Konzept. 14 Foodtrucks stehen dafür im Firmenhof im Frankfurter Osten parat und sind allzeit bereit, zu Firmenfeiern, Messen und Business-Events auszuschwärmen.

Eine „fahrende Küche“ soll innerhalb einer Stunde bis zu 300 Gäste verköstigen können. Dabei kredenzen die Foodtrucks Essen aus fünf Kategorien: Burger, Pizza und Pasta, Barbecue, Hot-Dogs und Burritos: Mindestes 1000 Euro muss der Kunde sich das schon kosten lassen, daher sind auch nur 20 Prozent Privatkunden.

Dass aus dem unlukrativen Foodtruck-Dasein ein erfolgreiches Catering-Unternehmen wurde, verdankt Dinter seiner Mentalität, ständig den eingeschlagenen Weg zu hinterfragen und zu überprüfen. „Du kannst dich tot planen, aber am Ende zeigt dir die Realität, was Sache ist“, erklärt Dinter. Zusammen mit den ersten Investoren beschloss Dinter daher, ab 2014 auf das neue Konzept zu setzen.

Und das mit Erfolg: Über drei Millionen Euro Umsatz machte das Start-up im vergangenen Jahr und ging mit einer schwarzen Null daraus hervor. Für das laufende Jahr plant Dinter, den Umsatz um eine weitere Million zu steigern. Das Ziel ist ehrgeizig: Eines Tages soll „Celebrate Streetfoot“ flächendeckend der angesagteste Streetfood-Caterer in Deutschland sein. Um das erreichen zu können, weiß Dinter vier Investoren an seiner Seite, darunter den ehemaligen Leiter des Deutschland-Büros der Unternehmensberatung McKinsey, Frank Matern. Die beiden Gründer halten jedoch nach wie vor über 50 Prozent der Unternehmensanteile.

Doch trotz der schnellen und großen Erfolge der vergangenen Jahre sieht Dinter sein Unternehmen weiterhin als Start-up: „Gefühlt sind wir mehr Start-up denn je“, beschreibt er. Entwicklung, Flexibilität, Aufbruch: Dinter vergleicht seine Firma gerne mit einem Speedboot, dynamisch und reaktionsschnell.

„Du kannst dir als Start-up keine Konzern-Attitüde leisten“, betont der Unternehmer. So soll es bei „Celebrate Streetfood“ keine starren Strukturen und Hierarchien geben, jeder darf den Chef duzen. Er sagt, es störe ihn manchmal selbst, der Chef zu sein und Excel-Tabellen wälzen zu müssen, statt mit anpacken zu können, die Trucks auszustatten und vor Ort das Kochen zu zelebrieren. Doch Dinter tut, was der Posten von ihm verlangt.

Das fordert er auch von seinen Mitarbeitern. „Im Idealfall sind alle so in die Arbeit vertieft, dass sie die Zeit vergessen“, sagt Dinter. Dafür möchte er als Chef alles daran setzen, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich alle wohlfühlen, eine Atmosphäre, „in der alle Bock haben“. Wer wirklich motiviert sei, werde auch nach acht Stunden nicht den Stift fallen lassen, ist sich Dinter sicher und proklamiert ganz im Stile eines Gründers: „Was wir erreichen wollen, bedarf außergewöhnlicher Leistungen.“

Für das Jahr 2018 plant das Unternehmen, einen weiteren Tätigkeitsbereich zu erschließen. So soll neben dem Live-Kochen auch ein klassisches Catering zu günstigeren Preisen angeboten werden. Damit will „Celebrate Streetfood“ auch eine Option für kleinere Feiern und Meetings werden. Ob das weiteren Erfolg bringt? Das kann Dinter nicht versprechen, doch allein der Versuch zähle, um sich weiter zu entwickeln.

So betont der Gründer: „Das Wichtigste ist, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und zu den Folgen seines Handels zu stehen.“

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