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Der Reisedienst Ohly & Weber aus Neu-Anspach setzt als Subunternehmer seine Busse auf der Linie 57 im Hochtaunuskreis ein.

Konkurrenz aus Frankreich

Bus-Konzern Transdev erobert das Rhein-Main-Gebiet

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Der öffentliche Busverkehr im Rhein-Main-Gebiet sortiert sich neu. Transdev, ein Konzern aus Frankreich, macht sich zunehmend breit und verdrängt die lokalen Anbieter.

’Alpina’ ist im ÖPNV von Frankfurt und Bad Homburg ein altbekannter Name. Bereits in den 1950er Jahren brachten Alpina-Busse Pendler in Frankfurt und im Vordertaunus von A nach B.

Heute ist Alpina nur noch eine Marke. Zwar tauchen – wie zuletzt mit Alpina im Bad Homburger Stadtbusverkehr – immer wieder altbekannte Namen auf den hiesigen Omnibuslinien auf. Doch dahinter stehen zunehmend große Verkehrskonzerne, ja sogar „Global Player“ auf dem Nahverkehrsmarkt – wie die französische Transdev.

Das beste Beispiel ist Alpina. Im Mai 2009 wurden die Alpina Bad Homburg GmbH und die Alpina Rhein-Main Co. & KG zur Transdev Rhein-Main GmbH verschmolzen. Das in Frankfurt-Seckbach beheimatete Transportunternehmen ist lediglich eine von 45 Tochtergesellschaften der Transdev GmbH. Nach Unternehmensangaben ist man der größte private Nahverkehrsanbieter im lokalen Bahn- und Busbereich in Deutschland und gehört wiederum zu einem französischen Großkonzern mit 90 000 Mitarbeitern in 20 Ländern. In Frankfurt steuern die Transdev-Busfahrer 140 Alpina-Linienbusse vom Betriebshof im Riederwald und am Rebstock zu ihrem Einsatz im Frankfurter Stadtbusverkehr auf 21 Buslinien.

Seit Januar werden auch die 33 Buslinien im Stadtbusverkehr von Bad Homburg und Oberursel wieder unter der Alpina-Flagge bedient – auch wenn dahinter längst der Transdev-Konzern steht. Und dieser will im Rhein-Main-Gebiet offensichtlich weiterwachsen.

Darauf deutet die Namensgebung der jüngsten Tochtergesellschaft hin. Ende 2015 wurde mit der Transdev Taunus GmbH die 46. Tochtergesellschaft gegründet. Ab Dezember 2016 wird diese den Busverkehr im Main-Taunus-Kreis bedienen.

Hellhörig macht der Name Transdev Taunus auch deshalb, weil der Hochtaunuskreis schon bald einen neuen Verkehrsvertrag für den Busverkehr im Usinger Land vergeben wird. Betriebsstart ist ebenfalls der 11. Dezember 2016. Regionale Busunternehmen haben es immer schwerer, sich gegen die Großen zu behaupten.

Selbst traditionsreiche Omnibus-Unternehmen, wie die Autobus Sippel GmbH mit Sitz in Hofheim-Wallau, sind längst nicht mehr eigenständig. Heute gehören die 150 Sippel-Omnibusse zu Netinera. Hinter dem drittgrößten Nahverkehrsunternehmen in Deutschland stehen die italienischen Staatsbahnen.

Der Hintergrund für den Konzentrationsprozess ist der enorme Kostendruck bei den europaweiten Ausschreibungen des ÖPNV. Städte und Landkreise müssen im Rahmen der Daseinsvorsorge für ihre Bürger die ÖPNV-Leistungen an den günstigsten Bieter vergeben.

Welche Folgen das hat, zeigen die beiden in Hessen aktiven Bus-Tochtergesellschaften der Deutschen Bahn. Die DB hatte bereits im Jahr 2012 mitgeteilt, dass sie ihre Tochtergesellschaft Regionalverkehr Kurhessen (Regiobus Hessen) wegen mangelnder Wettbewerbsfähigkeit 2016 abwickeln wird. Nach Angaben der Regiobus Hessen liegen die Personalkosten rund 25 Prozent über dem Tarifvertrag, der bei den europaweiten Ausschreibungen zugrunde gelegt wird. Den betroffenen 560 Mitarbeitern wurden andere Stellen angeboten, mit deutlich schlechteren Konditionen. Unter anderem in der 2011 gegründeten DB Busverkehr Hessen. Die DB-Tochter befördert nach eigenen Angaben heute mit 420 Mitarbeitern und 360 Bussen hessenweit pro Jahr 15 Millionen Fahrgäste.

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