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um Jahresabschluss köpften auch die Händler an der Frankfurter Börse die eine oder andere Flasche. Foto: dpa

Aktienmarkt

Champagnerlaune auf dem Frankfurter Börsenparkett

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Der deutsche Leitindex Dax wird seinen Rekordlauf auch 2018 fortsetzen – allerdings mit Hindernissen. 2017 glänzte die Aktie der Lufthansa, brach das Papier der Mediengruppe ProSiebenSat.1 ein.

Börsenhändler und Aktionäre haben allen Grund, die Champagnerkorken knallen zu lassen. Beide haben in den vergangenen zwölf Monaten blendend verdient – die einen in Gestalt von Provisionen, die anderen als fette Kursgewinne. Den Jackpot haben die Anleger geknackt, die Lufthansa-Aktien in ihrem Depot haben. Deren Kurs hat sich mehr als verdoppelt: 150 Prozent Steigerung innerhalb eines Jahres – Chapeau! Aber auch der deutsche Leitindex Dax mit den 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands kann 2017 als einen Premium-Jahrgang verbuchen. Mit einem Plus von gut zwölf Prozent hat der Dax eine überdurchschnittliche Entwicklung genommen. Für Anleger, die auf das deutsche Schwergewicht gesetzt haben, etwa in Form eines ETF-Fonds auf den Dax, haben damit über zwölf Prozent Gewinn eingefahren. Das kann sich sehen lassen, vergleicht man die Rendite mit mickrigen 0,3 Prozent bei einem der besten Tagesgeldanbieter. Vor dem Hintergrund einer Jahres-Inflationsrate in Höhe von 1,8 Prozent haben Anleger ihr Vermögen vermehrt, während Sparer ihre Rücklagen haben aufzehren lassen.

Den Höhenflug der Lufthansa-Aktie konnte auch der gescheiterte Übernahmeversuch für die Air-Berlin-Tochter Niki nicht stoppen. Nicht nur wegen der prächtigen Aktien-Performance ist Vorstandschef Carsten Spohr für uns der Manager des Jahres, der einen fulminanten Lauf hatte: Die Gewinne sprudeln, die Passagierzahlen wachsen, die Billigtochter Eurowings entwickelt sich prächtig, der Dauerkonflikt mit den Piloten ist beigelegt. Die Weichen für ein erfolgreiches Jahr 2018 sind ebenfalls gestellt: Die Konjunktur brummt, der Zuschlag zur Übernahme von Teilen der Alitalia ist in greifbarer Nähe. Bleibt der Luftverkehr von einer Preisexplosion für den Treibstoff Kerosin, von Terroranschlägen oder Entführungen verschont, sind die Kursperspektiven auch im neuen Jahr positiv.

Zu den großen Gewinnern unter den Dax-Titeln zählt auch die Commerzbank, deren Aktienkurs um über 70 Prozent in die Höhe schoss. Welcher Anteil davon auf eine substanzielle Verbesserung der Bankgeschäfte fällt und welcher Anteil der Spekulationsblase einer möglichen Übernahme zukommt, muss jeder Anleger für sich selbst entscheiden.

Eine kleine Renaissance haben die beiden Energieriesen E.on (+38 Prozent) und RWE (+44 Prozent) erlebt, die in Folge der Fukushima-Katastrophe und der deutschen Energiewende desaströse Jahre durchlebt haben. Die ehemaligen Witwen-und-Waisen-Papiere haben ein kleines Stück Vertrauen zurückerobern können.

Verlierer des Jahres ist der Medienkonzern ProSiebenSat.1 Media, dessen Börsenwert sich um gut ein Fünftel verringert hat. Das Publikumsinteresse an der Senderkette lässt nach, die Werbeeinahmen sinken, und dann ließ sich Sender-Chef Thomas Ebeling noch dabei erwischen, wie er über seine Zuschauer lästerte: „. . . ein bisschen fettleibig, ein bisschen arm“. Ebeling wird im Februar abgelöst.

Und wie wird es 2018 auf dem Börsenparkett weitergehen?

Hauptargument der Optimisten ist der breite konjunkturelle Aufschwung. „Die Weltwirtschaft wird mit noch mehr Dynamik als in diesem Jahr wachsen“, meint etwa Carsten Klude, Chefvolkswirt der Bank M.M. Warburg. „Selbst die krisengeschüttelten Staaten sind wieder auf einem guten Weg“, ergänzt Ulrich Kater von der DekaBank mit Blick auf Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal. Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer sieht Potenzial für weiter steigende Unternehmensgewinne und höhere Ausschüttungen. Vor diesem Hintergrund beurteilen Analysten die Bewertungen deutscher Aktien für angemessen, anders als etwa die von US-Titeln.

Doch der erwartete Dax-Rekordlauf dürfte im nächsten Jahr nicht ohne Hindernisse fortgesetzt werden. Politische Risiken, wie die Unberechenbarkeit von US-Präsident Trump oder eine veränderte Wirtschaftspolitik in China, könnten die Anleger beeindrucken, meint Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. Unsicherheiten gehen von den angekündigten Zinserhöhungen der US-Notenbank aus. „Die zentrale Herausforderung für 2018 ist die Höhenangst“, formuliert David Kohl vom Bankhaus Julius Bär. Ob der Dax die 14 000er Marke knacken kann? Die Chancen stehen nicht schlecht.

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