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Der Dax-Höchststand des letzten Handelstages 2017. Um 12,5 Prozent legte der Aktien-Index im vergangenen Jahr zu ? was so manchen risikoscheuen Sparer hierzulande doch zu Kapitalmarkt-Produkten greifen ließ.

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Das Comeback der Privatanleger

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Kräftig gestiegene Aktienkurse und niedrige Zinsen bei höherer Inflation haben im vergangenen Jahr auch bei der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken das Privatkunden-Geschäft auf Touren gebracht.

Dass das Sparen zu den deutschen Tugenden zählt, ist unbestritten. Auf knapp 5,8 Billionen Euro belief sich laut Bundesbank zuletzt das Geldvermögen der privaten Haushalte. Unbestritten ist allerdings auch, dass das Gros der Deutschen seit langem falsch spart. Knapp 40 Prozent dieser Rekordsumme entfielen immer noch auf Bargeld oder Bankeinlagen; ein weiteres Zehntel auf Sparbücher und Spareinlagen – obwohl angesichts historisch niedrigen Zinsen und der im vergangenen Jahr gestiegenen Inflation damit effektiv Geld verbrannt wurde.

Inzwischen scheinen aber mehr und mehr der als äußerst risikoscheu verschrienen Bundesbürger umzudenken; sie entwickeln Sinn für Rendite – und wenden sich daraufhin Kapitalmarkt-Produkten zu. Darauf lässt jedenfalls der jüngste Erfolg der hiesigen Fondsgesellschaften schließen. Angetrieben von Börsenboom und Niedrigzins, haben ihnen die privaten Anleger im vergangenen Jahr das bislang zweitbeste Neugeschäft beschert.

Und da liegt die genossenschaftliche Union Investment voll im Trend: 9,9 Milliarden Euro netto hat die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken 2017 bei den Kleinanlegern eingesammelt, wie sie gestern in Frankfurt bekanntgab. Ein Plus von fast 26 Prozent – mehr Gelder waren der DZ-Bank-Tochter nur im Jahr 2000 zugeflossen. Damit verwaltet die Union Investment im Privatkundengeschäft nun 136 Milliarden Euro – so viel wie noch nie in ihrer 62-jährigen Geschichte.

Der Absatzerfolg ist neben der insgesamt guten Rendite ihrer Fonds und dem leistungsstarken Vertrieb über die 972 Genossenschaftsbanken vor allem dem bei der Gesellschaft vor einigen Jahren eingekehrten „neuen Realismus“ zu verdanken: Der Einsicht folgend, dass sich die Masse der Bundesbürger auch bei noch so stark steigenden Börsenkursen nicht mehr der reinen Aktien-Anlage zuwenden wird, hatten die Genossen 2010/2011 einen Strategieschwenk vollzogen: hin zu mehr mittel- und langfristig orientierten Fondsprodukten, um dem Bedürfnis der privaten Anleger nach größerer Sicherheit, aber bitte auch ein bisschen mehr Rendite gerecht zu werden.

Dazu hoben sie zum einen unter dem Titel „PrivatFonds“ eine neue Form von Mischfonds, sogenannte Multi-Asset-Fonds, aus der Taufe, die nicht nur in Aktien und Anleihen investieren, sondern auch in Rohstoffe, Sachwerte wie Immobilien, aber auch Währungen und zum Teil sogar in Hedge-Fonds-Strategien. Dabei versucht der Fondsmanager, das Vermögen gewinnbringend umzuschichten. Zum anderen hat die Union verstärkt auf Fonds-Sparpläne gesetzt, um Anleger langfristig an sich zu binden. Die zahlen dabei monatlich über einen Sparplan einen bestimmten Beitrag in einen Fonds ein: 100, 50 oder auch nur 25 Euro. Ist der Anleger mal knapp bei Kasse, lässt sich die Sparrate ändern.

Beide Vermögensverwaltungskonzepte haben sich bei der Union zum Verkaufsschlager entwickelt: In die sechs Mitglieder der „PrivatFonds“-Familie flossen im vergangenen Jahr unterm Strich 4,7 Milliarden Euro. Und die Zahl der Sparverträge stieg so kräftig wie noch nie: um satte 29 Prozent auf knapp 1,9 Millionen. Den Angaben zufolge greifen da vor allem jüngere Menschen zu. „Unsere Neukunden mit einer Einmalanlage sind durchschnittlich 58 Jahre alt. Das Alter eines Neueinsteigers im ratierlichen Fondssparen hingegen liegt im Durchschnitt bei 41 Jahren“, hob Union-Vorstandschef Hans Joachim Reinke gestern hervor. Dabei sparten diese laut Reinke monatlich die ansehnliche Summe von durchschnittlich 233 Euro. „Wenn wir die vermögenswirksamen Leistungen und Altersvorsorge miteinbeziehen, lässt sich rund die Hälfte der privaten Nettomittelzuflüsse des vergangenen Jahres dem ratierlichen Sparen zuordnen“, so der Vorstandschef.

Großer Beliebtheit erfreuten sich im vergangenen Jahr bei der Union erneut die offenen Immobilienfonds, die sich in den vergangenen Jahren durch stabile Renditen von 2,5 bis drei Prozent ausgezeichnet haben. 2,3 Milliarden Euro sammelten sie ein, so viel wie im Jahr zuvor. Und angesichts der anhaltend hohen Nachfrage nach Immobilien scheint ihnen die Diskussion um steigende Leitzinsen nichts anhaben zu können.

Hinzu kommt, dass die offenen Immobilienfonds seit Jahresbeginn von einem neuen Steuerbonbon profitieren: Bis zu 80 Prozent der Fondserträge können Anleger ohne Beteiligung des Finanzamts kassieren. Grund ist das neue Investmentsteuer-Reformgesetz.

Seine größten Hoffnungen setzt Reinke aber in die Sparpläne: Von 100 Kunden einer Volks- oder Raiffeisenbank hätten bislang nur acht einen Sparplan, rechnete er vor. „Da geht noch was“, so der Vorstandschef, der für dieses Jahr mit einem ähnlichen Neugeschäft rechnet wie im vergangenen.

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