Standort im Ostend

Commerzbank eröffnet erste „City-Filiale“

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Beim anstehenden Umbau sortiert die Commerzbank ihre Firmenkunden neu. In gut einem Monat eröffnet die erste Filiale neuen Typs ohne Beratung.

Die Commerzbank eröffnet am 5. Dezember die erste „City-Filiale 2.0“ in Frankfurt – und zwar in der Louis-Appia-Passage im Ostend. In diesen stark abgespeckten Geschäftsstellen – dem Gegenpol zu den 65 bis 100 „Flagship“-Filialen in Großstädten – wird es keine Beratung mehr geben, sondern nur noch Ansprechpartner für einfache Dienstleistungen. Kunden können dort Konten eröffnen, Geld abheben oder einfache Produkte wie Ratenkredite abschließen. Auf Videokonferenzen dagegen verzichtet die Bank nach wenig erfolgreichen Tests in Berlin und Stuttgart.

Derzeit gibt es deutschlandweit rund 1000 Filialen, davon rund 750 mit Bargeldversorgung über Kassen. Zur „City-Filiale 2.0“ dürften die meisten der kleineren Standorte herabgestuft werden, wegen des damit verbundenen Personalabbaus ist das jedoch Thema der Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Nach unbestätigten Berichten will die Commerzbank 3000 Stellen in den Filialen einsparen. Die Mittelstands-Sparte wird zerschlagen, deren kleinere „Unternehmerkunden“ werden dem Privat- und Geschäftskundensegment zugeschlagen. Ob die Umsatzgrenze, die bisher bei 2,5 Millionen Euro im Jahr liegt, auf 7,5 oder 15 Millionen Euro angehoben wird, ist noch nicht abschließend entschieden. Bisher betreuen in Frankfurt 60 Berater rund 33 000 Geschäftskunden. Diese müssen bisher, anders als die Firmenkunden der Mittelstandsbank, keine Strafzinsen („Einlagengebühren“) zahlen. Ob das dann auch für die neu dem Privatkundengeschäft zugeschlagenen Firmen gelten wird? „Kann sein“, sagt Frank Nierhaus, Bereichsvorstand für die Region Mitte im Privatkundengeschäft. Er gibt zu, dass es problematisch sei, den Abbau von insgesamt 9000 Stellen als Start einer Wachstums-Offensive zu verkaufen: „Wir werden die gesamte Betreuung neu sortieren. Kern der Sache ist die Digitalisierung.“

Auch wünschten Freiberufler oder Handwerker die Betreuung aus einer Hand sowohl beim Firmen- als auch Privatkonto, ergänzt Norbert Lembeck, Niederlassungsleiter Private Kunden in Frankfurt: „Unser Vorteil ist die Schnelligkeit, vor allem bei Immobilienfinanzierungen.“ Die Commerzbank betreut bundesweit eine Million von vier Millionen Geschäftskunden, doch will sie das künftig deutlich intensiver tun – möglichst als Hausbank- statt als Ein-Produkt-Verbindung. Vor allem möchte sie mehr Kredite an diese Klientel vergeben.

Doch laut der neuesten Geschäftskundenstudie nehmen nur 27 Prozent der Unternehmen (bis 2,5 Millionen Euro Jahresumsatz) derzeit einen Kredit oder eine Kreditlinie in Anspruch, trotz der niedrigen Zinsen gerade einmal drei Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Bundesweit stieg dieser Anteil dagegen binnen Jahresfrist von 27 auf 39 Prozent. Für die Studie hat die Bank im Juli und August bundesweit 3100 befragt, davon 100 im Rhein-Main-Gebiet.

Als größtes Problem sehen die Geschäftskunden den Fachkräftemangel; allerdings nennen diese Gefahr in der Region mit 32 Prozent sogar etwas weniger Befragte als vor zwölf Monaten, während der Wert deutschlandweit von 33 auf 44 Prozent nach oben schoss. Vor allem das Handwerk findet nur schwer Auszubildende.

Überraschend: Trotz der Internationalität Frankfurts sind nur für ein Drittel (34 Prozent) der Unternehmer im Rhein-Main-Gebiet Flüchtlinge als Arbeitnehmer denkbar. In ganz Deutschland halten immerhin 42 Prozent der Befragten das Einstellen von Flüchtlingen für eine Option, um dem Nachwuchsmangel zu begegnen. Als wichtigste Voraussetzung genannt, mit weitem Abstand vor Fachkenntnissen: deutsche Sprachkenntnisse.

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