Wirecard

Das Debakel für den deutschen Finanzmarkt hat viele Väter

  • Panagiotis Koutoumanos
    vonPanagiotis Koutoumanos
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Was zumindest am Finanzplatz London schon seit geraumer Zeit vermutet wurde, ist nun offenbar geworden: Der Fall Wirecard ist einer der größten Finanz-Skandale der jüngeren deutschen Geschichte. Ein Skandal, der weit über den Münchener Dax-Konzern hinausreicht und ein Debakel für den deutschen Finanzmarkt darstellt. Denn hier geht es nicht nur um mögliche mannigfaltige Betrügereien eines Unternehmens, durch die dessen Bilanzen und damit auch dessen Börsenwert künstlich aufgebläht wären. Hier geht es auch um allzu gutgläubige Fondsgesellschaften, die Geld ihrer Kunden in Wirecard investiert haben. Hier geht es zudem um die wohl zeitweilig nachlässig gehandelte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst&Young, die derzeit auch in einen großen Skandal in Großbritannien verwickelt ist. Und es geht um das Versagen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin.

Schon Anfang 2016 gab es auf rund 100 Seiten deutliche Hinweise auf angeblich dubiose Partner und angeblich zweifelhafte Zahlen von Wirecard. Damals wurden die Hinweise abgetan, weil sie von einem britischen "Leerverkäufer" stammten, der von den Kursverlusten des Konzerns profitierte. Seitdem wurden immer wieder Ungereimtheiten im Zahlenwerk des Unternehmens ausgegraben, auf die dann wieder Kursstürze folgten - vor allem von der "Financial Times". Doch in Deutschland haben die Behörden erst in diesem Jahr begonnen, das Unternehmen ernsthaft unter die Lupe zu nehmen. Klar, dass der nur aus Eigengewächsen bestehende Wirecard-Vorstand sich deshalb lange darauf beschränkte, die Vorwürfe kleinzureden, abzustreiten. Nachvollziehbar, dass da Privatanleger angesichts der rasant steigenden Umsätze und Marktkapitalisierung, die den Konzern 2018 in den Dax-30 führte, die Augen verschlossen. Völlig unverständlich aber ist, dass die BaFin noch im vergangenen Jahr - statt die Vorgänge bei Wirecard zu untersuchen - lieber Leerverkäufe mit Wirecard-Aktien verbot und Redakteure der "Financial Times" der Marktmanipulation bezichtigte. Viel zu spät ist die Aufsicht aufgewacht. Damit hat sie dazu beigetragen, die hierzulande ohnehin schwache Aktienkultur zu schädigen. Denn die Bundesbürger werden jetzt noch weniger geneigt sein, der Börse ihr Vertrauen zu schenken.

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