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Der Autobauer ist kein Börsen-Bolide

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Von: Panagiotis Koutoumanos

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Warum die Aktie noch nicht durchstarten kann

Schlechter hätte das Timing für den Börsengang der Porsche AG kaum sein können: Der Ukraine-Krieg, die daraus resultierende Energiekrise und die Rekordinflation haben den meisten Verbrauchern die Konsumlust genommen und das Börsenfieber deutlich gesenkt; steigende Leitzinsen und Rezessionsängste haben ihr Übriges getan, um den Markt für Aktien-Emissionen weitestgehend lahm zu legen. Angesichts dieser Widrigkeiten ist der Börsengang der Zuffenhausener Kultmarke, der dem VW-Konzern dringend benötigtes Geld für die Elektrifizierung des Antriebs in die Kassen spült, als gelungen zu werten. Schließlich hatte der Ausgabepreis das obere Ende der vorab ausgegebenen Spanne erreicht.

Dass die Aktie am Donnerstag nur dank mehrerer Anker-Aktionäre und umfangreicher Stützungskäufe durch die Konsortialbanken nicht unter ihren Ausgabepreis fiel, belegt jedoch, dass auch eine ikonische Sportwagenmarke wie Porsche dem schlechten Umfeld nicht enteilen kann. Soll heißen: Das Preispotenzial der Aktie ist zunächst ausgereizt, zum Börsen-Boliden wird der renommierte Sportwagenbauer erst einmal nicht avancieren. Damit die Aktie richtig durchstartet, wird er wohl zumindest beweisen müssen, dass er auch in einer tiefen konjunkturellen Krise auf der Überholspur bleiben kann.

Um die Kursfantasie der Investoren zu wecken, haben sich die Konsortialbanken bemüht, Porsche als lupenreinen Produzenten von Luxusgütern zu positionieren. Die sind aufgrund ihrer zahlungskräftigen Kundschaft recht konjunkturresistent. Deshalb sind Investoren bereit, für deren Aktien deutlich mehr zu zahlen - wie bei Ferrari. Nicht von ungefähr haben die Konsortialbanken unermüdlich auf den Erfolg der italienischen Auto-Manufaktur verwiesen. Seit ihrem Börsengang 2016 hat sich ihr Aktienkurs fast vervierfacht. Mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis von Ferrari würde die Porsche Aktie bei über 170 Euro notieren. Aber die Zuffenhausener Umsatzrenditen sind deutlich niedriger als die der Turiner, weil Porsche weniger ein Luxus- als ein Premium-Hersteller ist, der im Vergleich zu Ferrari auch günstigere Modelle ab 60 000 Euro anbietet. Und deren Käufer bleiben von einer Rezession nicht unberührt. Und dass Porsche rund ein Drittel seiner Autos in China absetzt, stellt aufgrund der unsicheren geopolitischen Lage derzeit ebenfalls ein Risiko dar. Auch das begrenzt zunächst die Kursfantasie - selbst wenn der Aktie im Dezember die Aufnahme in den Dax-40 gelingen könnte, so dass aktiv gemanagte Fonds und ETFs dann zukaufen müssten. Sicher ist das nicht. Denn entscheidend dafür ist nicht der vollständige Börsenwert, sondern der Wert der frei handelbaren Aktien im Streubesitz.

Und nicht wenige Investoren dürften angesichts der verschachtelten Eigentümerstruktur vorläufig auf den Kauf der stimmrechtslosen Vorzugsaktien verzichten. Denn die führt dazu, dass VW-Chef Blume in Personalunion Vorstandschef der Porsche AG bleibt. Zudem bringt das ungewöhnliche Konstrukt diese Börsengangs mit sich, dass die als ebenso verschwiegen wie machthungrig geltenden Familien Porsche und Piëch über die nun erworbenen stimmberechtigten Aktien eine Sperrminorität bei Porsche erhalten. Gefährliche Interessenskonflikte zu Lasten der Vorzugsaktionäre sind da programmiert. Dass Porsches und Piëchs für ihre Stammaktien nur einen Aufschlag von 7,5 Prozent auf die Vorzugaktien zahlen, sollte Anlegern eine Warnung sein. Wenn man bedenkt, dass die Kursdifferenz zwischen VW-Stamm- und -Vorzugsaktien bei rund 33 Prozent liegt und gewöhnlich eine Prämie von mindestens 25 Prozent fällig wird, ist diese Privilegierung der Familien geradezu unverschämt.

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