Kein Hilferuf an die Kanzlerin: Deutsche-Bank-Chef John Cryan
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Kein Hilferuf an die Kanzlerin: Deutsche-Bank-Chef John Cryan

Bundesregierung schließt Staatshilfen aus

Deutsche-Bank-Aktie stürzt weiter ab

  • Thomas Baumgartner
    vonThomas Baumgartner
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Die Deutsche Bank muss um das Vertrauen ihrer Investoren kämpfen. Die Aktie ist auf den tiefsten Stand seit rund 25 Jahren gefallen.

Die Aktie der Deutschen Bank findet nicht aus dem Abwärtsstrudel. Gestern stürzte der Kurs erneut um bis zu 7,6 Prozent auf den langjährigen Tiefstand von 10,54 Euro ab; im laufenden Jahr hat das Papier damit die Hälfte seines Werts verloren, das Institut ist an der Börse gerade noch 14,5 Milliarden Euro wert. Seit bekannt wurde, dass das Justizministerium in Washington im Konflikt um US-Hypothekengeschäfte eine Strafe von 14 Milliarden Dollar aufgerufen hat, halten sich Spekulationen um eine erneute Kapitalerhöhung, die beim aktuellen Tiefkurs die Anteile der Alteigentümer stark verwässern würde.

Die Bundesregierung stellte gestern klar, dass es keine Staatshilfen für die Deutsche Bank geben wird. „Es gibt keinen Anlass für solche Spekulationen, wie sie da angestellt werden, und die Bundesregierung beteiligt sich auch an solchen Spekulationen nicht“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Ohnehin wären Hilfen durch den Steuerzahler auch juristisch schwierig: Denn die neuen Abwicklungsregeln der EU sehen vor, dass zunächst Eigentümer und Gläubiger der Bank haften; erst wenn diese acht Prozent der gesamten Verbindlichkeiten beigesteuert haben, darf der Staat eingreifen.

Zu den laufenden Gesprächen von Vertretern der Deutschen Bank mit den amerikanischen Justizbehörden sagte Seibert, die Bundesregierung wisse, dass sich das US-Justizministerium mit anderen Kreditinstituten in der Vergangenheit auf Vergleiche geeinigt habe. Die Bundesregierung gehe davon aus, „dass auch hier ein faires Ergebnis erzielt wird“. Die hohe – und gezielt an die Öffentlichkeit durchgestochene – Forderung der USA war auch als Reaktion auf die Steuernachzahlungen gedeutet worden, die die EU-Kommission von amerikanischen Konzernen wie Apple fordert.

Die Deutsche Bank wies einen „Fokus“-Bericht zurück, wonach sie Bundeskanzlerin Angela Merkel im US-Hypothekenstreit um Unterstützung gebeten habe. „Die Deutsche Bank ist fest entschlossen, ihre Herausforderungen alleine zu lösen“, sagte ein Banksprecher. „John Cryan hat zu keinem Zeitpunkt die Bundeskanzlerin darum gebeten, dass die Regierung im Hypothekenverfahren mit dem amerikanischen Justizministerium interveniert.“ Die Bank warb zugleich bei Anlegern eindringlich um Vertrauen. Das gerade zu Ende gehende dritte Quartal zeige, dass das Geschäftsmodell der Bank fundamental in Ordnung sei, sagte der Sprecher. Eine Kapitalerhöhung sei derzeit kein Thema, das Institut erfülle alle Vorgaben der Regulierer und das Liquiditätspolster sei solide. Die Deutsche Bank brauche aber eben Zeit, sich durch ihre Rechtsstreitigkeiten zu arbeiten: „Wir machen unsere Hausaufgaben.“

Fallen die Strafen in den USA – eine weitere Milliardenbuße droht wegen der Geldwäschevorwürfe in Russland – höher aus als die Rückstellungen von 5,5 Milliarden Euro, schwächt das das Kapitalpolster weiter – und hier steht das Institut ohnehin unter Beschuss, auffallend heftig in den USA. So wirft der britische Ökonom Kevin Dowd in einer Studie für das einflussreiche liberale Thinktank Cato Institute in Washington der Bank vor, ihre tatsächliche Gesamtverschuldungsquote („leverage ratio“) liege nach ehrlicher Rechnung deutlich unter den ausgewiesenen, bereits knappen 3,5 Prozent. „Es sieht aus, als steuerte die Deutsche Bank auf den Zusammenbruch zu“, schreibt Dowd. Kritikern macht das riesige Derivatebuch der Bank Sorgen: Star-Investor Jim Rogers, einst Mitgründer des Hedgefonds-Pioniers Quantum, warnt, ein Zusammenbruch der Deutschen Bank würde zu einem gigantischen Sturm führen, schlimmer als nach der Pleite von Lehman Brothers. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hält die Deutsche Bank für die weltweit größte Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems.

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