Zum zweiten Mal in Folge ist die US-Tochter der Deutschen Bank beim Stresstest der amerikanischen Notenbank durchgefallen. Foto: Frank Rumpenhorst/Symbolbild
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Zum zweiten Mal in Folge ist die US-Tochter der Deutschen Bank beim Stresstest der amerikanischen Notenbank durchgefallen. Foto: Frank Rumpenhorst/Symbolbild

Nach dem Stresstest

Für Deutsche Bank und Commerzbank fängt der Stress nun erst an

Dass die Platzhirsche in Europas größter und stärkster Volkswirtschaft so schwach abschneiden, ist ernüchternd. Und besonders bedenklich ist ihr wahrer Verschuldungsgrad.

Prüfung bestanden, aber ohne Glanz. So fassen Analysten die Stresstest-Ergebnisse der Deutschen Bank und der Commerzbank zusammen. Beide Institute würden eine neue Finanzkrise zwar überleben. Doch ihre Kapitalpuffer wären dann alles andere als üppig, sie lägen weit unter dem europäischen Durchschnitt. Als vertrauensbildende Maßnahme taugen die Noten deshalb nicht. Im Gegenteil: Die Zeugnisse verstärken den Druck auf die Vorstandschefs John Cryan und Martin Zielke, noch mehr Risiken und Kosten aus der Bilanz zu nehmen und ihre Häuser so fit für die Zukunft zu machen. Deutschlands größte Banken müssen sich das Vertrauen der Anleger erst wieder mühsam erkämpfen. „Deren Druck könnte stärker ausfallen als der der Aufseher“, warnt die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel. Denn welche Schlüsse die Aufseher aus dem Stresstest zögen, sei völlig unklar.

Die Aktienkurse sprechen eine deutliche Sprache. Die Deutsche Bank ist an der Börse inzwischen weniger als 17 Milliarden Euro wert, die noch immer teilverstaatlichte Commerzbank sieben Milliarden. Zum Vergleich: Die französische BNP Paribas, die ähnlich breit aufgestellt ist, kommt auf 55 Milliarden Euro.

Frisches Kapital nötig?

Weitere Kapitalerhöhungen wären für die Deutschen schon wegen der dahindümpelnden Aktienkurse ein Kraftakt – auch wenn die Deutsche Bank fürchten muss, dass genau diese Debatte nun wieder hochkocht. Bankenexperte David Hendler vom US-Analysehaus Viola Risk Advisors etwa meint, aus dem Stresstest-Ergebnis der Frankfurter zu erkennen, dass die Bank „eine riesige Menge“ frisches Kapital braucht. „Das schafft sie nicht aus eigener Kraft.“

Den Investoren dürfte aber schlicht die Fantasie fehlen, warum sie abermals frisches Geld in Banken pumpen sollen, die auch acht Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise keine nachhaltigen Gewinne erwirtschaften. Die EU-Bankenbehörde EBA hat für die 51 Stresstest-Teilnehmer 2015 eine durchschnittliche Rendite von 6,5 Prozent auf das Eigenkapital errechnet, die noch unter den Kapitalkosten liegt. „Die Mehrzahl der Banken in Europa – und darüber hinaus – verfehlen zurzeit diese Marke“, sagt Miles Kennedy, Partner bei der Unternehmensberatung PwC. Und so lange das so sei, dürften Stresstests regelmäßig Zweifel an der Solvenz der Banken auslösen. Das gelte auch für solche Institute, die gut bestanden hätten

Deutsche Bank und Commerzbank sind weit weg von den 6,5 Prozent. Vielmehr werden sie von alten Rechtsstreitigkeiten eingeholt, die dieses Mal auch im Stresstest berücksichtigt wurden. Bei der Deutschen Bank zogen die Aufseher Finanzkreisen zufolge allein aus diesem Grund 2,2 Prozentpunkte von der harten Kernkapitalquote ab: Sie schrumpfte im simulierten Krisenfall auf 7,8 Prozent. Die Bank bastelt noch an potenziell milliardenschweren Vergleichen mit den Aufsehern wegen umstrittener US-Hypothekengeschäfte und einem Geldwäsche-Skandal in Russland. Bei der Commerzbank, die 2015 wegen der Verletzung von Iran-Sanktionen eine Milliardenstrafe abdrücken musste, spielte das auch eine Rolle: Eine Krise würde ihre harte Kernkapitalquote auf 7,4 Prozent herunter prügeln.

Wie hart der Stresstest die deutschen Häuser getroffen hat, zeigt auch eine andere Kennziffer: Die EBA hat ausgerechnet, in welchen Ländern die Kapitaldecke durch den Stresstest besonders stark schrumpfte. Irland war mit einem Minus von 7,1 Prozentpunkten trauriger Spitzenreiter – gefolgt von den deutschen Banken, die 5,37 Prozentpunkte ihres Eigenkapitals im Durchschnitt verloren hatten. Im Mittelfeld lagen italienische und britische Banken, bei denen es um etwa vier Prozentpunkte runterging.

Risiko- und profitarm

Besonders auffällig sind die Schwächen der deutschen Institute in einem anderen Feld, bei der sogenannten Leverage Ratio. Die Leverage Ratio illustriert den wahren Verschuldungsgrad einer Bank. Diese Verschuldungsquote misst, wie viel Eigenkapital eine Bank für all ihre Geschäfte einsetzt, unabhängig von den Risiken. Die Bankenaufseher denken über eine Pflichtobergrenze von drei Prozent nach. Banken bräuchten also im Durchschnitt mindestens drei Prozent Eigenkapital für ihr gesamtes Geschäftsvolumen.  

Im härtesten Stressszenario wird diese Schuldenobergrenze von drei Prozent von insgesamt drei deutschen Banken gerissen: Die BayernLB kommt nur auf 2,8 Prozent, die Deutsche Bank auf 2,96 Prozent und die NordLB auf 2,99 Prozent. Von den 51 Banken, die an dem Stresstest teilnahmen, rissen insgesamt nur sieben Institute diese Grenze – neben den drei deutschen Geldhäusern sind das noch ABN Amro, Société Générale, Monte dei Paschi und der Staatsfinanzierer Neederlandse Gemeenten. Die Commerzbank liegt mit 3,04 Prozent nur knapp über der Schwelle. Mit einem Durchschnittswert von 3,7 Prozent liegt die durchschnittliche Leverage Ratio der deutschen Banken deutlich unter dem Durchschnitt von 3,9 Prozent, der EU-weit erreicht wurde.

Völlig überraschend ist das schwache Abschneiden deutscher Institute in dieser Disziplin allerdings nicht: Die Leverage Ratio „bestraft“ nun mal Geschäfte, die zwar relativ risikoarm sind, aber so dünne Profite abwerfen, dass Banken sie in großen Mengen betreiben müssen, um noch etwas zu verdienen. Das gilt etwa für Staatsfinanzierungen.

(rtr,pan)

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