Von den Vorschusslorbeeren ist wenig übrig: Deutsche-Bank-Chef John Cryan ist in die Kritik geraten.
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Von den Vorschusslorbeeren ist wenig übrig: Deutsche-Bank-Chef John Cryan ist in die Kritik geraten.

2017 wird ein entscheidendes Jahr für Bank-Chef Cryan

Deutsche Bank will aus der Krise

Für John Cryan und die Deutsche Bank geht ein rabenschwarzes Jahr zu Ende. Die kommenden zwölf Monate werden für Deutschlands größte Bank existenziell.

Die lange Unsicherheit über die Hypotheken-Strafe in den USA, Spekulationen über Staatshilfe, ein beispielloser Absturz an der Börse und Kunden, die in Scharen abwandern – Deutschlands größtes Geldhaus steckt tief in der Krise. Kritiker sagen, das sei im Prinzip nichts Neues. Seit der Finanzkrise sei die Deutsche Bank nur mit sich selbst beschäftigt. Neu ist etwas anderes: Vorstandschef Cryan – vor anderthalb Jahren mit vielen Vorschusslorbeeren gestartet – ist ins Visier einiger unzufriedener Großaktionäre geraten. Sie wollen schneller Sanierungserfolge sehen und hoffen, dass der Brite die Strategie noch einmal überarbeitet, möglichst radikal. Schon im Frühjahr könnte es Finanzkreisen zufolge so weit sein. Cryan habe das Problem erkannt, berichten Insider.

Nach der Einigung mit den US-Behörden im Streit um Altlasten am US-Hypothekenmarkt – gerade noch rechtzeitig vor Weihnachten – hat Cryan endlich auch den Kopf dafür frei, glauben Analysten und Ratingagenturen. Die drei Milliarden Euro, die die Deutsche Bank dafür mindestens hinblättern muss, sind fast zweitrangig. Es sei auch höchste Zeit, dass Cryan sich um die Zukunft der Bank und nicht um die Vergangenheit kümmere, sagt einer der größten Investoren der Bank. „Cryan hat zwar schon viel angestoßen. Aber er ist die Antwort schuldig geblieben, wie eine Erfolg versprechende Strategie aussieht. Dieses Herumlavieren reicht nicht mehr. Die Deutsche Bank muss ihr Profil schärfen.“

Aktie eingebrochen

Ein anderer Investor warnt unverhohlen, 2017 werde ein Entscheidungsjahr – auch für Cryan. Irgendwann sei die bloße Hoffnung auf bessere Zeiten erschöpft. Allein in diesem Jahr hat die Deutsche-Bank-Aktie nochmals 22 Prozent verloren, während die Papiere der US-Konkurrenz regelrecht nach oben schossen und der Dax sieben Prozent zulegte. Europas Großbanken sind nicht in Bestform, aber selbst der europäische Bankenindex büßte seit Jahresbeginn nur sechs Prozent ein.

Investoren wünschen sich zunächst eine ehrlich-nüchterne Bestandsaufnahme und ein Ende der Durchhalteparolen. „Im Investmentbanking hat die Deutsche Bank an Bedeutung verloren, das Privatkundengeschäft ist nicht profitabel genug“, schimpft Helmut Hipper von der Fondsgesellschaft Union Investment, die in den letzten Jahren Aktien verkauft hat und nur noch zu den Top-20-Aktionären zählt. Die Rivalen Credit Suisse und Unicredit haben kürzlich vorgemacht, wie der neue Realismus aussehen kann: Die Schweizer kassierten ihre mittelfristigen Gewinnziele. Die Italiener verschärfen den Sparkurs und planen eine 13 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung – die größte in der Geschichte. Das sagt zwar noch nichts über das Geschäftsmodell der Zukunft. Aber die Institute kommen der Forderung der Aufseher nach, sich den neuen Marktbedingungen anzupassen: Die Kosten müssen runter, die Kapitalpuffer hoch. Die Deutsche Bank beharrt bislang darauf, dass ihre Kapitalausstattung den Mindestanforderungen genügt. Ein Schrumpfkurs soll es richten: Die „Strategie 2020“, die Cryan im Wesentlichen von seinem glücklosen Vorgänger Anshu Jain übernommen hat, sieht den Rückzug aus einigen unprofitablen Märkten und besonders kapitalintensiven Handelsgeschäften vor. Cryan setzte vor einem Jahr den Abbau von 9000 Jobs im Konzern oben drauf – und hoffte, das würde reichen.

Radikale Schritte

Doch selbst die deutlich kleinere Commerzbank baut im Verhältnis zu ihrer Größe mehr Mitarbeiter ab. „Inzwischen ist in den Deutsche-Bank-Türmen die Erkenntnis gereift, dass etwas Größeres kommen muss“, berichtet einer, der Einblick in die Diskussionen auf der höchsten Führungsebene hat. Demnach steht Cryan zwar zur Universalbank. Er erwäge aber durchaus radikale Schritte wie die Vollintegration der unverkäuflichen Postbank. Das würde den Konzern um Einiges verkleinern. Im Kapitalmarktgeschäft müsste die Bank noch mehr abschneiden, um Luft aus der riesigen Bilanz zu lassen und Risiko herauszunehmen. Nun, da der Hypothekenvergleich da ist und Cryan weiß, was er sich überhaupt leisten kann, kann er auch handeln. Analysten hoffen, dass er den Aktionären seinen Plan spätestens im April präsentiert.

Lange Wunschliste

Auch deshalb ist es so wichtig, dass die Deutsche Bank den Hypothekenvergleich bald endgültig in trockene Tücher bringt. Dabei geht es um Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt in der Zeit vor der Finanzkrise, etwa um den Verkauf hochriskanter Anleihen. 14 Milliarden Dollar wollte das US-Justizministerium dafür zunächst haben. Das lähmte die Bank über Monate. Noch ist nichts unterschrieben, doch ist klar, dass der teure Deal noch vor dem Regierungswechsel in den USA am 20. Januar unter Dach und Fach kommt. Cryan hatte andernfalls eine Verzögerung bis weit ins neue Jahr hinein befürchtet. Zumindest offiziell ist der Zuschnitt des Geschäfts in den USA nicht Bestandteil der Vereinbarung. Die Deutsche Bank plant dort ohnehin Einschnitte, etwa auf dem einst so lukrativen Verbriefungsmarkt, wolle den US-Rivalen im Investmentbanking aber nicht ganz das Feld überlassen. „Da wird noch gepokert“, heißt es aus dem Aufsichtsrat.

So mancher Großinvestor hat sehr konkrete Vorstellungen – und hofft, bei Cryan Gehör zu finden. „Wenn ich mir etwas wünschen dürfte: Eine refokussierte Investmentbank, mit Wurzeln in Europa und einem sehr schlanken US-Geschäft“, sagt einer der Großaktionäre. „Das Privatkundengeschäft bitte ohne Postbank. Sämtliche Integrationsversuche sind in der Vergangenheit gescheitert. Warum sollte es dieses Mal klappen?“

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