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Fluglotsen in der DSF-Zentrale in Langen.

Luftfahrt

Deutsche Flugsicherung: Ein Viertel Jahrhundert ohne Unfall

Seit 25 Jahren wacht die Deutsche Flugsicherung als privatrechtliche GmbH über die Sicherheit im deutschen Luftraum. Während der Verkehr beständig gewachsen ist, ist die Belegschaft der DFS aber deutlich geschrumpft.

Die deutschen Fluglotsen können in diesem Jahr gleich mehrere Jubiläen feiern. Noch im Ersten Weltkrieg erging 1918 die erste Order an das Reichsministerium des Inneren, sich um die Belange der Flugsicherheit zu kümmern. Und deutlich aktueller ist die Gründung der privatrechtlichen Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) zum 1. Januar 1993. Am Firmensitz in Langen bei Frankfurt können sie auch deshalb recht entspannt auf diese 25 Jahre ohne Unfall zurückblicken, weil der tragische Zusammenstoß zweier Jets bei Überlingen im Juli 2002 in die Zuständigkeit der Schweizer Skyguide-Lotsen fiel. Damals starben wegen falscher Fluglotsen-Befehle 71 Menschen, davon 49 Kinder.

„Die deutsche Flugsicherung gehört sicher zu den besten in der Welt“, hat Jörg Handwerg von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) schon früher gelobt.

Die bundeseigene DFS geriet trotz erheblicher Personaleinsparungen in finanzielle Schieflage, die sich erst mit einer kräftigen Kapitalspritze des Bundes besserte. 2016 erwirtschaftete die DFS einen Gewinn von 86,6 Millionen Euro bei einem Umsatz von 1,22 Milliarden Euro.

Die privatrechtliche Tochter DFS Aviation Services (DAS) betreibt unter anderem die Tower an neun deutschen Regionalflughäfen, in London-Gatwick und demnächst auch im schottischen Edinburgh. An den 16 internationalen Flughäfen Deutschlands wie in den vier Kontrollzentren sind die Lotsen der Mutter DFS aktiv. Sie haben 2017 die Rekordzahl von mehr als 3,2 Millionen Flugbewegungen im deutschen Luftraum abgewickelt.

Die DFS hat einen erheblichen personellen Aderlass hinter sich, baute innerhalb von fünf Jahren die Zahl der Mitarbeiter um 700 auf aktuell 5400 ab. „Unsere Personalziele haben wir bereits übererfüllt“, sagt DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle stolz. „Wir werden sicherlich nicht noch einmal um mehr als zehn Prozent schrumpfen können, überprüfen aber weiterhin jede frei werdende Stelle, ob wir sie weiterhin benötigen.“ Kleinere Flughäfen wie Saarbrücken, Erfurt oder Dresden werden künftig aus einer in Leipzig angesiedelten Zentrale ferngesteuert.

Trotz aller europäischen Uneinigkeit muss sich die DFS nach Scheurles Einschätzung künftig auf globale Konkurrenz einrichten. „Die Digitalisierung wird uns in ganz neue Dimensionen führen. Die für eine Flugsicherung notwendigen Bausteine werden leichter verfügbar sein und die Hürden zum Markteintritt senken. Mit dem Auftreten großer privater Anbieter von Drohnenverkehr ist zudem mit neuartigen Dienstleistern zu rechnen.“

Der frühere Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium erwartet für den Luftverkehr einen Automatisierungsschub, dem auch die Piloten zum Opfer fallen könnten. Schließlich sei die Technologie für unbemannte Flugzeuge längst grundsätzlich vorhanden.

„Einer weitgreifenden Automatisierung stehen im Grunde nur die Sorgen der Fluggesellschaften im Wege, die um die Akzeptanz ihrer Passagiere fürchten, wenn vorne kein Pilot mehr im Cockpit sitzt.“ Allerdings bewege sich die Gesellschaft auf automatisierte Mobilität beim Auto zu. „Wenn es dort funktioniert, wird sicherlich auch das Vertrauen in unbemannte Flugzeuge wachsen.“

Auch am Boden könnten Computer den Lotsen helfen, immer größere Zahlen von Flugobjekten zu überwachen, meinte Scheurle. Ganz ohne Menschen werde es aber nicht gehen. „Jemand muss den Luftraum überwachen und für Ordnung sorgen. Über Würzburg ist der obere Luftraum beispielsweise schon jetzt zu manchen Zeiten so voll, dass wir an der Grenze des Möglichen sind.“ Neue Herausforderungen sind mit dem massenhaften Einsatz von Drohnen verbunden, deren kommerzieller Einsatz erst am Anfang steht.

Seine eigene Zukunft sieht der 63 Jahre alte Flugsicherungschef Scheurle indes gelassen. „Ich werde meinen zweiten Vertrag bis zum Jahresende 2020 mit Freude erfüllen. Dann sehen wir weiter.“

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