Deutsche Mittelständler verlieren an Innovationskraft

Deutsche Unternehmen sind im internationalen Vergleich hochgradig erfinderisch – noch. Denn während andere Länder, vor allem in Asien, aufholen, sinkt der Anteil innovativer Firmen im Inland seit langem.

Deutsche Unternehmen sind im internationalen Vergleich hochgradig erfinderisch – noch. Denn während andere Länder, vor allem in Asien, aufholen, sinkt der Anteil innovativer Firmen im Inland seit langem. Trotz einer leichten Erholung im Vorjahr setzen laut einer KfW-Studie nur 29 Prozent der kleinen Unternehmen und Mittelständler, das sind 1,05 Millionen, auf neuartige Produkte oder Prozesse. Vor zehn Jahren waren es noch 43 Prozent.

„Die zunehmende Konzentration der Innovationsausgaben auf Großunternehmen ist eine Entwicklung, die wir mit Sorge betrachten“, sagt der Chefvolkswirt der staatlichen Förderbank, Jörg Zeuner. Mittelständler (bis 500 Beschäftigte) wenden im Schnitt nur noch 1,4 Prozent des Umsatzes für Innovationen auf, Großunternehmen dagegen 4,9 Prozent; vor 20 Jahren lagen beide noch fast gleichauf bei rund 3 Prozent.

Eine der Folgen: Das Produktivitätswachstum (je Erwerbstätigen-Stunde, preisbereinigt) in Deutschland liegt seit 2008 nur noch bei 0,5 Prozent jährlich. Dagegen waren es zwischen 1990 und 2007 noch 2,0 Prozent jährlich, mindestens 0,8 Prozent wären noch Ansicht Zeuners notwendig. Und Treiber der Produktivität ist neben Bildung eben die Innovationsfähigkeit – die aber unter zunehmendem Preiswettbewerb, Finanzierungsschwierigkeiten (vor allem bei Kleinstbetrieben) und dem wachsenden Anteil älterer Mitarbeiter leidet.

Spiegelbild dieser Entwicklung ist auch die ausgeprägte Investitionsschwäche deutscher Unternehmen. Innovative Firmen wachsen laut der Studie deutlich schneller, sind wettbewerbsfähiger und rentabler. Ein wesentlicher Treiber von Neuerungen ist im Mittelstand übrigens die Vernetzung; Ideen kommen vor allem von Kunden oder aus der Fachpresse.

Was könnte die Innovationsfähigkeit fördern? Zeuner spricht sich dafür aus, ältere Mitarbeiter stärker weiterzubilden, das Land für qualifizierte Zuwanderer zu öffnen und die Digitalisierung zu nutzen. Zudem ist Deutschland eines der wenigen Industrieländer, in dem es bisher keine steuerliche Förderung von Forschungs- und Entwicklungsausgaben gibt – laut Zeuner „spricht einiges dafür, das Instrument auszuprobieren“. tba

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