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Der Vertrag von Vorstandschef Frank Appel steht vor der Verlängerung.

„Gelber Riese“ profitiert vom Online-Handel

Deutsche Post auf Rekordkurs

Das online-getriebene Paketgeschäft platzt zur Weihnachtszeit voraussichtlich wieder aus allen Nähten. Für die Deutsche Post ist der Bereich Treiber für Wachstum. Nach Gewinneinbußen im Vorjahr strotzt der gelbe Riese inzwischen wieder vor Kraft.

Die Deutsche Post steuert dank ihres florierenden Paket-Geschäfts auf Rekordkurs. Die Bonner profitierten dabei vom boomenden Online-Handel, und Post-Chef Frank Appel geht davon aus, dass das Geschäft auch in den nächsten Jahren weiter kräftig wachsen wird. Zunächst aber peilt der Konzern ein „starkes bis sehr starkes“ Weihnachtsgeschäft an, wie der Manager am Dienstag sagte. Dies soll der Post auch im Gesamtjahr helfen, einen deutlichen Gewinnzuwachs zu verbuchen.

Bereits im dritten Quartal konnte Appel einen neuen Rekordwert vorweisen: Das operative Ergebnis (Ebit) stieg im dritten Quartal auf 755 (Vorjahr: 197) Millionen Euro und legte damit stärker zu als von Analysten erwartet. Das Unternehmen habe damit „das operativ stärkste Quartal seiner Geschichte“ verzeichnet, sagte Appel.

Die Gewinnerwartungen des Marktes übertrafen die Rheinländer. Seine Jahresprognose bekräftigte der Post-Chef: Der operative Gewinn soll auf 3,4 bis 3,7 Milliarden Euro steigen – von 2,41 Milliarden Euro im Vorjahr. Analysten sprachen von sehr soliden Zahlen, die Post-Aktien legten an der Dax-Spitze um rund ein Prozent zu.

Vor einem Jahr bot sich ein anderes Bild: Im dritten Quartal 2015 war der Konzern durch hohe Abschreibungen auf einen fehlgeschlagenen Umbau der Datenverarbeitung in der Frachtsparte nur knapp an einem Verlust vorbeigeschrammt, die Folgen eines erbitterten Arbeitskampfes mit der Gewerkschaft Verdi lasteten auf der Bilanz. Diese Effekte fielen nun weg – der Konzerngewinn schnellte auch deshalb von 49 Millionen Euro auf 618 Millionen Euro in die Höhe. Der deutliche Anstieg wurde auch durch die Fortschritte bei der Sanierung der Frachtsparte möglich. Die Post kommt damit 2016 weiter in Schwung.

Dabei hilft ihr auch die Porto-Erhöhung in Deutschland. Das Unternehmen hatte die Preise zum Jahreswechsel so deutlich angehoben wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Beim Massenprodukt Standardbrief stieg das Porto von 62 auf 70 Cent.

Der Post spielt zudem der ungebrochene Boom im Online-Handel in die Hände. Die Kunden bestellen bei Internet-Händlern von Amazon bis Zalando, Zusteller bringen die Pakete dann zum Verbraucher. Appel rechnet hier mit einem Wachstum von fünf bis sieben Prozent in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Der Konzern knüpft zudem ein immer engeres Zustellnetz in Europa: In insgesamt 21 Ländern will er bald Pakete zustellen.

Im wichtigen Weihnachtsgeschäft rechnet die Post nun auch mit einem neuen Rekord. Sie werde in Deutschland vor Weihnachten voraussichtlich mehr als acht Millionen Pakete am Tag ausliefern, sagte Finanzchefin Melanie Kreis. Auch Konkurrent UPS erwartet eine Rekord-Paketflut zu Weihnachten. Appel zufolge könnte die Post auch mehr Mitarbeiter einstellen. Rund eine halbe Million Menschen beschäftigt der Konzern bereits weltweit. „Wenn das Geschäft wächst, wächst auch die Mannschaft“, so der 55-Jährige, dessen Vertrag im Oktober 2017 ausläuft – und entsprechend bald verlängert werden dürfte.

Der promovierte Neurobiologe und ehemalige Mc-Kinsey-Berater war 2002 in den Vorstand des Bonner Konzerns aufgerückt. 2008 übernahm er nach dem plötzlichen Abtritt seines Vorgängers Klaus Zumwinkel mit 46 Jahren das Ruder. Er beschloss den Ausstieg aus dem verlustreichen Express-Geschäft der DHL-Tochter in den USA und brachte die Post wieder in die Spur.

(rtr,dpa)

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