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Im traditionell schwachen ersten Quartal hat der Konzern den Verlust vor Zinsen und Steuern auf 53 Millionen Euro reduziert.

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Diät schlägt beim Kranich endlich an

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In den ersten drei Monaten dieses Jahres hat der Lufthansa-Konzern trotz eines Umsatzrückgangs seinen saisonüblichen Verlust deutlich eingedämmt. Und anders als in den vorangegangenen Quartalen haben zu dieser Ergebnis-Verbesserung nicht nur die geschrumpften Treibstoff-Rechnungen beigetragen, sondern auch gesunkene Stückkosten im Passagier-Geschäft. Gleichwohl hat der Konzern noch mit vielen Ertragsproblemen zu kämpfen – vor allem bei der Lufthansa Cargo.

„Kosten senken ist wie das tägliche Zähneputzen“, pflegte schon Wolfgang Mayrhuber, langjähriger Konzernchef und heute Aufsichtsratsvorsitzender der Lufthansa AG, gerne zu sagen. Aber erst unter dessen Nachfolger Christoph Franz begann das Management Anfang 2012 mit dem umfangreichen Sparprogramm „Score“ Strukturen umzukrempeln, um die Kosten auch nachhaltig zu senken. Lange hat’s gedauert – aber nun scheint die Lufthansa die Früchte dieser Arbeit zu ernten: Nach vielen Jahren sind im ersten Quartal 2016 die Stückkosten im Passagier-Geschäft – also die Kosten pro Sitzkilometer – erstmals gesunken.

„Wir waren traurig, dass es so lange gedauert hat, aber nun haben wir bei den operativen Kostenstrukturen eine echte Trendwende geschafft“, sagte gestern Finanzvorstand Simone Menne bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten. „Und wir werden alles tun, um diesen Trend fortzusetzen.“ Immerhin um zwei Prozent sind die Kosten pro Sitzkilometer demnach unterm Strich im Kerngeschäft gesunken – vor allem bei der Lufthansa Passage, also bei den Flügen, die im Konzern unter der Marke Lufthansa stattfinden und den Großteil des Konzerngeschäfts bilden.

Die gesunkenen Stückkosten haben im ersten Quartal mit dazu beigetragen, den erneut deutlichen Rückgang der Durchschnittserlöse in der gesamten Passage abzufedern. Die sanken um insgesamt 6,3 Prozent, die Stückerlöse gar um 7,5 Prozent. Sowohl der Preiskampf mit den Billigfliegern auf der Kurz- und Mittelstrecke als auch die harte Konkurrenz mit den Airlines aus dem Persischen Golf fordern ihren Tribut. Zudem drückten zu Jahresbeginn die konjunkturellen Einbrüche in Lateinamerika, Japan und China die Nachfrage kräftig. Und der Schweizer Tochter Swiss verhagelte der starke Franken das Geschäft. So sanken die Verkehrserlöse um 3,9 Prozent auf 5,24 Milliarden Euro, obwohl die Airlines im Lufthansa-Konzern insgesamt 3,4 Prozent mehr Passagiere flogen.

Insgesamt ging der Konzernumsatz um 0,8 Prozent auf 6,92 Milliarden Euro zurück. Dass sich das bereinigte Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) trotzdem verbesserte, ist neben den verbesserten Kostenstrukturen vor allem dem niedrigen Ölpreis zu verdanken, der die Treibstoffrechnung im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres erneut deutlich schrumpfen ließ: um 237 Millionen Euro auf 1,07 Milliarden Euro. Weitere 100 Millionen Euro kamen im Vorjahresvergleich beim Ebit hinzu, weil die Lufthansa Anfang 2015 Abschreibungen in dieser Höhe auf den venezolanischen Bolivar und Streiks vornehmen musste.

Vor diesem Hintergrund zeigten sich die Finanzmärkte gestern enttäuscht, dass sich der Konzernverlust im Vorjahresvergleich nur um 114 Millionen auf minus 53 Millionen Euro reduzierte: Die Lufthansa-Aktie stürzte um bis zu sieben Prozent ab. Enttäuschung herrschte unter den Anlegern wohl auch darüber, dass der Vorstand die Flug-Kapazitäten in diesem Jahr nur noch um sechs Prozent statt wie geplant um 6,6 Prozent aufstocken will – und die Erweiterung des Flugangebots im Winter von geplant elf Prozent auf den Prüfstand stellt.

Da half es offenbar auch nichts, dass Menne die Ergebnisprognose für das laufende Jahr bestätigte, wonach der Konzern „ein Ebit erwartet, das leicht über dem Vorjahreswert von 1,8 Milliarden Euro liegt“. Verwunderlich ist die Reaktion der Anleger nicht, wenn man bedenkt, dass die Treibstoffkosten des Luftfahrt-Konzerns 2016 aller Voraussicht nach wie schon im Vorjahr erneut um eine Milliarde Euro sinken werden und den Angaben nach die einzige Sparte, die 2016 „deutlich über Vorjahr“ liegen wird, der Bereich „Sonstiges“ sein soll. Dahinter verbergen sich kleinere Service-Gesellschaften wie „Air Plus und Miles & More“ sowie die Konzernverwaltung. Der Bereich werde aufgrund geringerer Währungsverluste deutlich besser abschneiden als 2015, hieß es – da fielen dort 370 Millionen Euro Miese an. Ansonsten wird nach derzeitigem Stand nur die relativ kleine Austrian Airlines deutlich über Vorjahr liegen. Die zehn Mal größere Lufthansa Passage dagegen – die mit einer Ergebnis-Verbesserung von 244 Millionen Euro der einzige große Gewinntreiber im ersten Quartal war –, wird laut Menne ihr Vorjahresergebnis „nur leicht“ steigern können. Einen leichten Ergebnis-Rückgang erwartet der Vorstand im Catering-Geschäft. Die junge Billigtochter Eurowings, die 2015 einen kleinen Gewinn einflog, werde aufgrund der Anlaufkosten des weiteren Wachstums 2016 in der Verlustzone landen, hieß es. Und deutlich schwächer wird auch die Technik-Sparte mit Hauptsitz Hamburg abschneiden, deren Ebit im ersten Quartal um 18 Prozent auf 87 Millionen Euro sank. Unter Androhung eines dortigen Abbaus von 2000 Stellen ab dem Jahr 2020 verhandeln da zurzeit Management und Arbeitnehmer über mögliche Restrukturierungen.

Richtig düster sieht es auch bei der Lufthansa Cargo aus, die noch stärker als die Passage unter Überkapazitäten und Preisdruck leidet. Bei der Frachttochter sind laut Menne die Durchschnittserlöse um 15 Prozent zurückgegangen. So sank der Umsatz um mehr als ein Fünftel auf 480 Millionen Euro, flog die Sparte vor Zinsen und Steuern einen Quartalsverlust von 19 Millionen Euro ein, nachdem sie im Vorjahr noch 52 Millionen Gewinn erwirtschaftet hatte. Die Gesellschaft, die in Frankfurt ihre Heimatbasis hat, werde deutlich unter dem Vorjahresgewinn bleiben, hieß es nun. Konkrete Schritte ließ Menne aber offen. „Theoretisch ist alles möglich“, sagte sie mit Blick auf die Zukunft der 17 Maschinen starken Frachterflotte. „Man muss sich das Gesamtbild ansehen, und das werden wir tun.“ Die Tochter habe nach ihrem 2015 angekündigten Sparprogramm inzwischen weitere Kostensenkungen eingeleitet.

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