Fondsgesellschaft der Volks - und Raiffeisenbanken

„Draghis Droge“ gibt Union kräftigen Auftrieb

  • Panagiotis Koutoumanos
    VonPanagiotis Koutoumanos
    schließen

Angesichts des Niedrigzinsumfeldes, in dem Investoren mit Sparbüchern, Bundesanleihen und Tagesgeldkonten auf keinen grünen Zweig mehr kommen, suchen auch immer mehr risikoscheue Kleinanleger Rat bei Fondsmanagern. Das kommt auch der Union Investment zugute.

In der Fondsbranche kann man dieser Tage sprechen, mit wem man will – niemand der Akteure geht davon aus, dass das Rekordjahr 2015 von 2016 übertroffen werden kann. Da stellt Hans Joachim Reinke keine Ausnahme dar: „Wir glauben nicht, dass wir den Erfolg von 2015 eins zu eins auf 2016 übertragen können“, sagte gestern der Vorstandschef der Union Investment. „Aber wir rechnen mit einem zufriedenstellenden Jahr – mit einem, das über dem langjährigen Durchschnitt liegen wird.“

Tatsächlich blickt auch die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken auf ein außergewöhnliches Jahr zurück: 26,2 Milliarden Euro haben ihr die institutionellen und die privaten Anleger da unterm Strich insgesamt anvertraut – zehn Milliarden mehr als im Vorjahr und so viel wie nie zuvor. Und weil die Aktienmärkte 2015 deutlich zulegten und die Manager der Union insgesamt auch keine schlechte Arbeit geleistet haben, hat auch das in den Fonds verwaltete Vermögen einen neuen Spitzenwert erreicht: Es wuchs von 232,1 Milliarden auf 260,8 Milliarden Euro.

Dass der Absatz-Erfolg von Deutschlands drittgrößter Fondsgesellschaft nicht nur den eigenen Fähigkeiten und denen der mehr als 1000 Genossenschaftsbanken geschuldet ist, die die Produkte der Union verkaufen, räumt Reinke unumwunden ein: „Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass der Erfolg im vergangenen Jahr vor allem Draghis Droge zu verdanken ist“, so der Vorstandschef mit Blick auf die Niedrigzinspolitik und den milliardenschweren Anleihe-Käufen der Europäischen Zentralbank (EZB) unter der Führung von Mario Draghi.

Fluch und Segen

Das billige Geld, das die EZB so in die Märkte pumpt, sieht Reinke nach eigenem Bekunden mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Diese Liquidität ist für uns Fluch und Segen zugleich. Fluch insofern, als dass auch wir nach renditeträchtigen Anlagemöglichkeiten suchen müssen, weil sämtliche Rendite-Quellen im historischen Vergleich nur sehr überschaubare Erträge zutage fördern. Und ein Segen, weil die Privatkunden – wohlwissend, dass ,das achte Weltwunder‘, der Zinseszinseffekt, nicht mehr funktioniert – sich ernsthaft Gedanken über Alternativen in der Geldanlage machen und in der Tat anfangen, Konsequenzen aus dem Zins-Notstand zu ziehen.“

Dieser Segen lässt sich für die Union auch beziffern: Acht Milliarden Euro netto flossen der Gesellschaft von Kleinanlagern zu – nach 5,1 Milliarden Euro im Vorjahr. Und der Renner sind auch bei den Genossen die Mischfonds gewesen, die das Beste aus der Aktien- und Anleihenwelt vereinen sollen und zum Teil auch noch in Rohstoffe und Immobilien investieren. Dabei überlässt es der Anleger dem Fondsmanager, je nach Marktlage und Vorgabe umzuschichten – was allerdings seinen Preis hat. Bei der Union profitierten vor allem die sogenannten „PrivatFonds“ von diesem Trend: 4,9 von den acht Milliarden Euro, die ihr Kleinanleger anvertrauten, flossen in die sechs Produkte dieser Familie, die die Gesellschaft 2010 gründete.

Auch das zunehmende Interesse am langfristigen Vermögensaufbau über Fonds-Sparpläne kam der Union zugute: Da stieg die Zahl ihrer entsprechenden Verträge von 984 000 auf 1,158 Millionen. Und dieses Jahr sollen es noch viel mehr werden. Dazu hat die Union zu Jahresbeginn die Mindestrate von 50 auf 25 Euro gesenkt. Dieser Betrag wird vom Anleger regelmäßig investiert, damit aus ihm durch Kursgewinne, Zinsen und Dividenden in einigen Jahren ein kleines Vermögen werden soll.

Großer Beliebtheit erfreuten sich 2015 bei der Union weiterhin auch die Immobilienfonds: 2,0 Milliarden Euro investierten die privaten Anleger in die drei entsprechenden Produkte – 400 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Und es hätten noch mehr werden können Aber da die Manager nicht genug geeignete Immobilien fanden und die Fonds-Performance desto geringer ausfällt, je mehr fast unverzinste Mittel mitgeschleppt werden, mussten die Manager zeitweise neue Gelder ablehnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare