Nächste Woche wird Martin Zielke seine Pläne vorstellen.
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Nächste Woche wird Martin Zielke seine Pläne vorstellen.

Mittelstandsbank vor Zerschlagung

Drastischer Jobabbau bei Commerzbank?

  • Thomas Baumgartner
    vonThomas Baumgartner
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Die Commerzbank steht angeblich vor einem drastischen Stellenabbau. Bestätigt ist noch nichts, doch nächste Woche dürfte es ernst werden.

Seit fast fünf Monaten ist Martin Zielke Vorstandschef der Commerzbank, und mit wachsender Spannung warten Mitarbeiter und Kunden darauf, dass er seine künftigen Pläne vorstellt. Nächste Woche, voraussichtlich am Donnerstag oder Freitag, dürfte es soweit sein; bereits am Mittwoch tagt der Aufsichtsrat.

Der für dieses Jahr eigentlich angestrebte Milliardengewinn ist seit der enttäuschenden Halbjahresbilanz nicht mehr zu erreichen. Investoren erwarten deshalb, dass Zielke harte Entscheidungen gleich zu Beginn treffen und die neue Mittelfrist-Strategie mit einem deutlichen Sparkurs verbindet. In den Medien häufen sich bereits die Spekulationen, wie viele Arbeitsplätze wegfallen könnten – am meisten Aufmerksamkeit erhascht naturgemäß derjenige, der die größte Zahl in die Runde wirft.

Zielke wolle mindestens 5000 der zuletzt 50 034 Jobs streichen, schrieb das „Wall Street Journal“. Zuvor hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, dass sogar eine fünfstellige Zahl von Stellen gefährdet sein könnte. Das Institut lehnte, wenig verwunderlich, gestern eine Stellungnahme ab.

Im Filialgeschäft hat der frühere Chef der Privatkundensparte bereits einen wichtigen Akzent gesetzt und auf das Startguthaben von zuletzt 100 Euro für neue Kunden verzichtet. Das dürfte ein Indiz dafür sein, dass die 2012 verkündete Zielmarke von einer Million neuer Kunden bis Jahresende erreicht sein wird. Durch das starke Wachstum sind die Berater in den Geschäftsstellen gut ausgelastet, eine nennenswerte Zahl von Schließungen wird es kaum geben. Hatte Zielke doch stets betont, dass sich dadurch kaum Geld einsparen ließe – die Zahl der Kundenbetreuer müsste ja unverändert bleiben, falls sich der Service nicht verschlechtern soll.

Dagegen hatten sich die Zahlen im Firmenkundengeschäft zuletzt deutlich verschlechtert. Wegen des Nullzins-Umfeldes lässt sich mit den Einlagen der Unternehmen nichts mehr verdienen – im Gegenteil, bei ihnen sind „Guthabengebühren“ notwendig, sprich Strafzinsen. Und die Kreditnachfrage der Firmen bleibt mau, das Markt-Wachstum von rund einem Prozent kann auch die Commerzbank-Mittelstandsbank nicht toppen. Nun soll die ehemalige Ertragsperle der zweitgrößten deutschen Bank zerschlagen werden – das ist schon durchgesickert. Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu fünf Millionen Euro könnten künftig vom Privatkundensegment betreut werden, während das Großkundengeschäft zum Investmentbanking geschlagen werden soll. Der Chef der Sparte, Markus Beumer, der Zielkes härtester Wettbewerber im Rennen um den Chefposten war, dürfte dann mit goldenem Handschlag ausscheiden. 1500 Stellen könnten in der Sparte wegfallen.

Weitere bis zu 2000 Stellen werden möglicherweise in der Zentrale gestrichen, 1000 Jobs dürften allein durch die Digitalisierung einzusparen sein. Hinzu kämen kleinere Einsparpotenziale in den jeweiligen Sparten. Dass es auch im Privatkundengeschäft Kürzungen geben wird, gilt intern als sicher – schon allein weil Zielke sein früheres Segment aus politischen Gründen kaum verschonen kann.

Ein mit den Planungen vertrauter Insider rechnet damit, dass am Ende konzernweit rund ein Zehntel der Arbeitsplätze wegfallen könnte: „Ein Abbau von 5000 Stellen wäre durchaus plausibel.“ Damit hätte der Sparkurs in etwa die gleiche Dimension wie bei der Deutschen Bank, die 9000 der konzernweit rund 100 000 Jobs streicht. Auch die Commerzbank hatte schon unter Zielkes Amtsvorgänger Martin Blessing nach der Übernahme von Eurohypo und Dresdner Bank tausende Stellen abgebaut; das lief relativ geräuschlos über Abfindungen und natürliche Fluktuation. Zu betriebsbedingten Kündigungen wird es mit ziemlicher Sicherheit auch diesmal nicht kommen.

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