Eine Milliarde Dollar für Trumps "Wahrheit"

  • Panagiotis Koutoumanos
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Ex-US-Präsident findet für sein Online-Netzwerk "Truth social" finanzstarke Investoren

Frankfurt. Wird er oder wird er nicht? Wird Donald Trump zu den nächsten US-Präsidentschaftswahlen im November 2024 antreten? Vorherzusagen ist das derzeit kaum. Aber ein Jahr nach seiner Wahlniederlage gegen Joe Biden ist der umstrittene Milliardär dabei, das Fundament für eine Kandidatur zu legen.

Bereits Ende Oktober kündigte Trump an, das Medien-Unternehmen "Trump Media & Technologies Group" (TMTG) zu gründen, dessen Herzstück ein neues soziales Netzwerk sein soll: eine Plattform namens "Truth Social". Deren Credo: "ein offenes, freies und ehrliches globales Gespräch fördern, ohne politische Ideologien zu diskriminieren". Eine klare Kampfansage gegen Facebook, Twitter und YouTube. Die hatten Trump vor einem Jahr verbannt, weil er seine Anhänger zum Sturm auf das Kapitol in Washington am 6. Januar dieses Jahres aufgerufen hatte. Ein schwerer Schlag gegen den rechten Populisten mit dem starken Hang zur Lüge. Vor allem Twitter war für ihn ein wichtiger Kommunikationskanal - dort folgten ihm zuletzt fast 90 Millionen Menschen.

Mit Truth Social will Trump nun ein neues Sprachrohr schaffen mit einer Plattform, auf der sich all seine Anhänger versammeln können. "Ich habe Truth Social und TMTG geschaffen, um mich gegen die Tyrannei von Big Tech aufzulehnen", sagt der 75-Jährige der sich nach seinem erzwungenen Auszug aus dem Weißen Haus lange in seinem Anwesen Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida, verschanzt hatte. Für Test-Nutzer ist Truth Social bereits verfügbar; alle anderen sollen ab Anfang 2022 die Plattform über Apples App Store nutzen können.

Und Trump wäre nicht Trump, wenn er mit dieser Unternehmung auch ordentlich Geld machen wollte. Die TMT Group soll an die Börse - quasi durch die Hintertür: durch die Verschmelzung auf einen sogenannten SPAC (Special Purpose Acquisition Company). Dabei handelt es sich um die "Digital World Acquisition Corp." (DWAC), die am 30. September an die US-Technologiebörse Nasdaq gegangen war. Einen Geschäftsplan hat Trumps Unternehmen aber bis heute nicht vorgelegt.

Große Chancen hatten Beobachter der TMTG bislang auch nicht eingeräumt. Aber wie sich nun zeigt, gibt es finanzstarke Investoren, die an Trumps Medien-Plattform glauben. Wie die TMT Group am Samstag mitteilte, hat sie eine Milliarde Dollar (880 Millionen Euro) bei Investoren eingesammelt. Namen nannte das Unternehmen nicht. Dafür meldete sich Trump selbst zu Wort: "Eine Milliarde Dollar sind ein starkes Signal an Big Tech, dass Zensur und politische Diskriminierung enden muss", so Trump.

Zu der einen Milliarde Dollar kommen die 293 Millionen Dollar, die der SPAC DWAC bei seinem Börsengang eingenommen hatte. Wie bei SPACs üblich war auch die DWAC zu 10 Dollar pro Aktie auf den Markt gekommen. Als die Übernahme von Trumps Unternehmen bekanntgegeben wurde, schoss der Kurs auf 94,20 Dollar hoch. Am Samstag notierte die Aktie immerhin noch bei 44,97 Dollar. Gehandelt wird das Papier vor allem von jüngeren Kleinanlegern, die sich über Online-Foren wie Reddit absprechen. Die Investoren, die den SPAC bei dessen Börsengang kauften, sind allerdings elf Hedgefonds; darunter zwei, deren Chefs in der Vergangenheit größere Summen an die Demokraten spendeten.

Initiator des SPAC ist Patrick Orlando. Er verdingte sich einige Jahre als Derivate-Händler bei der Deutschen Bank. Von Miami aus führt er einen weiteren SPAC namens "Yunghong International". Gemeldet ist der SPAC auf den Cayman Islands. Der Geschäftssitz ist im chinesischen Wuhan, von wo aus sich das Coronavirus weltweit verbreitet hat. Aber das scheint auch Trump, der Covid als "China-Virus" abstempelte, nicht zu stören.

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