Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller (rechts) und sein Strategiechef Thomas Sedran, von Sommer 2012 bis Frühjahr 2013 übergangsweise Opel-Chef, präsentierten gestern die neue VW-Strategie 2025.
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Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller (rechts) und sein Strategiechef Thomas Sedran, von Sommer 2012 bis Frühjahr 2013 übergangsweise Opel-Chef, präsentierten gestern die neue VW-Strategie 2025.

VW-Chef stellt „Strategie 2025“ vor

Elektrisch und autonom fahren

VW plant eine grundlegende Neuausrichtung. Mit der „Strategie 2025“ will der Autokonzern weg vom „Dieselgate“ und hinein in die Zukunft. Der Umbau ist nicht leicht.

Von JAN-HENRIK PETERMANN UND ANDREAS HOENIG (DPA)

Mit Milliardensummen für Elektro-Autos, neue Dienstleistungen und autonomes Fahren will sich Volkswagen aus der Abgas-Krise befreien. Europas größter Autobauer stellte am Donnerstag Details seiner Strategie bis zum Jahr 2025 vor: VW will sich grundlegend neu aufstellen. Vorstandschef Matthias Müller sagte in Wolfsburg, die zusätzlichen Bereiche sollten zur zweiten Säule werden. VW solle auf das „neue Zeitalter der Mobilität“ ausgerichtet werden. In den nächsten neun Jahren werde dafür ein zweistelliger Milliardenbetrag investiert.

So reagiert VW auch auf fundamentale Veränderungen in der Branche. Die großen Zukunftsthemen sind alternative Antriebe wie E-Motoren und die digitale Revolution mit mehr Internet im Auto. Müller sieht einen „epochalen Wandel“, der Wettbewerb werde härter. Neben den Autobauern drängen IT-Konzerne wie Google und Apple ins Autogeschäft.

„Die technologischen Megatrends stellen traditionelle Geschäftsmodelle in Frage, auch weil sich mit ihnen die Kundenbedürfnisse massiv verändern“, erklärte der VW-Chef. Bei den Mobilitätsdienstleistungen geht es etwa um die stärkere Vernetzung von Fahrzeugen sowie um individuellere Mobilität und mehr Geschäfte mit IT und Software. Erst vor kurzem war Volkswagen mit 267 Millionen Euro beim Fahrdienst und Uber-Rivalen Gett eingestiegen.

Außerdem soll die Batterietechnik als „neues Kompetenzfeld“ erschlossen werden, wie Müller ankündigte. Mit Hochdruck wird auch eine eigene Fabrik für Batteriezellen geprüft. Bisher sind deutsche Autobauer abhängig von Zulieferern vor allem aus Asien. Batteriezellen sind wesentliche Bestandteile von Elektro-Autos.

Mit Blick auf den Abgas-Skandal sagte Müller, die Bereitschaft für Veränderungen im Konzern sei deutlich gewachsen. VW hatte mit einer Software Abgastests bei Millionen von Dieselfahrzeugen manipuliert. Dies löste eine schwere Krise aus, 2015 gab es einen Rekordverlust. Aus seiner Sicht könnte schon in etwa zehn Jahren auf dem Weltmarkt jeder vierte Neuwagen rein batteriebetrieben sein. Von der wachsenden Bedeutung der E-Mobilität wolle man profitieren: Müller kündigte an, die reinen Batteriefahrzeuge des Konzerns sollten im Jahr 2025 „rund 20 bis 25 Prozent“ vom dann erzielten Gesamtabsatz ausmachen. Er betonte jedoch, dass VW profitabler werden müsse, um den Umbau finanzieren zu können: „Wir müssen auf allen Stufen der Wertschöpfungskette, in allen Marken und Bereichen effizienter werden.“ VW liege derzeit bei wesentlichen Kennzahlen zum Teil deutlich hinter den Besten der Branche.

Vor allem die Konzern-Kernmarke VW mit Modellen wie dem Golf und dem Passat ist ertragsschwach. 2015 erreichte der Anteil des operativen Gewinns am Umsatz hier gerade einmal knapp zwei Prozent.

VW will daher auch seine große Modellpalette verschlanken. „Die Gesamtzahl unserer heute rund 340 Modellvarianten werden wir reduzieren“, sagte Müller. Er räumte Wildwuchs bei der Gleichteile-Strategie ein, mit der der Konzern versucht, möglichst viele identische Bauteile in unterschiedlichen Typen einzusetzen.

Bei neuen Mobilitätsdienstleistungen sei es Ziel, bis 2025 einen Umsatz „in substanzieller Milliardenhöhe“ zu machen. Hauptsitz der neuen Einheit solle Berlin sein. Der Anteil von VW an Gett werde der „Nukleus für den Ausbau“, sagte Müller. „Um diesen Kern werden wir in den nächsten Jahren in rascher Folge weitere Dienste wie Robotaxis, Carsharing oder Transport-on-Demand gruppieren.“

Die Familien Piech und Porsche streben keinen Dividendenausfall bei Volkswagen an. Der Streit um die Gewinnausschüttung sei vom Tisch, sagte ein Sprecher der Porsche SE, über die die Familien Porsche und Piech gut 52 Prozent der VW-Stimmrechte halten. Der VW-Aufsichtsrat hatte gegen die Stimmen der Familien beschlossen, den Aktionären trotz der hohen Verluste eine Minidividende von 11 bis 17 Cent vorzuschlagen.

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