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Auch Frankfurter Sparkasse greift vielen Kunden tiefer in die Tasche

So erhöhen Banken die Kontogebühren

  • Panagiotis Koutoumanos
    VonPanagiotis Koutoumanos
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Noch nie sind die Gebühren fürs Girokonto so stark gestiegen wie in jüngster Zeit. Für einzelne Produkte steigen die Gebühren demnach sogar um mehr als das Dreifache - wie bei der Frankfurter Sparkasse. Da kann sich der Wechsel zu einer Direktbank durchaus lohnen.

„Die Klage ist der Gruß des Kaufmanns“, lautet ein geflügeltes Wort. Und seit geraumer Zeit grüßt vor allem hierzulande niemand lauter als die Bankkaufleute. Landauf, landab werden sie nicht müde zu betonen, wie schwierig es ihnen angesichts von Niedrigzinsen und verschärfter Regulierung fällt, Gewinne zu erwirtschaften. Mögen diese Klagen auch auf hohem Niveau geführt werden, nachvollziehbar sind sie. Zum einen fordern die Regulierungsbehörden von den Kreditinstituten, mehr Eigenkapital vorzuhalten; zum anderen untergräbt die Niedrigzins-Politik der EZB das traditionelle Geschäftsmodell der Banken – besonders in Deutschland: Bei den hiesigen Privatbanken stammen rund 70 Prozent der Erträge aus dem klassischen Zinsgeschäft in dem die Banken Geld bei Sparern einsammeln und an Unternehmen und andere Kreditnehmer ausleihen. Rund 80 Prozent sind es sogar bei Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken. Die Institute verdienen auch immer weniger, wenn sie überschüssige Mittel am Kapitalmarkt anlegen. Und hinterlegen sie das Geld über Nacht bei der EZB müssen sie inzwischen schon einen Strafzins von 0,4 Prozent berappen. Derart in die Zange genommen, tun sich vor allem die Institute schwer, die sich noch ein dichtes Filialnetz leisten.

22 Institute getestet

Da hilft Sparen allein nicht. Nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ drehen immer mehr Filialbanken an der Preis- und Gebührenschraube, wie eine Studie des Düsseldorfer Finanzexperten Udo Keßler zeigt, in der neben sechs Direktbanken 16 große Filialbanken unter die Lupe genommen worden sind – darunter sechs überregionale Institute sowie die Sparkassen und Genossenschaftsbanken in den fünf größten deutschen Städten Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt. Demnach haben sechs der untersuchten 16 Filialbanken in den vergangenen Monaten die Preise rund ums Girokonto kräftig angehoben oder dies für 2017 angekündigt – und zwar um satte 50 bis 260 Prozent. Im Durchschnitt aller 16 Institute entspricht dies einer Erhöhung von 31,7 Prozent. „Auf 25 verschiedenen Girokonten kassieren die 16 getesteten Filialbanken durchschnittlich 81 Euro pro Jahr“, konstatiert Keßler, „im Sommer 2015 waren es noch 61,50 Euro.“ Dabei haben die Institute den Preis für die Kontoführung, Girocard oder Kreditkarte oder gleich mehrere Gebühren auf einmal erhöht, wie Keßler herausfand.

Die Erkenntnisse ergeben sich aus dem Vergleich mit einer Studie, die der Autor im Sommer 2015 erstellte. Er legte dabei die wichtigsten Kosten zugrunde, die mit einem Girokonto verbunden sind: die Grundgebühr, dazu die Gebühren für die Girocard (früher EC-Karte) und für die Kreditkarte. Im November dieses Jahres hat Keßler nun die gleichen Daten bei denselben Instituten noch einmal erhoben. Das Ergebnis: die größte Welle an Gebührenerhöhungen, die es in Deutschland je gegeben hat.

Ganz oben auf dieser Welle reiten laut Keßlers Studie die HypoVereinsbank, die Postbank und die Frankfurter Sparkasse, bei denen sich die Preise für einzelne Girokonten mehr als verdreifacht haben.

Fraspa in der Kritik

Bei der Frankfurtern betrifft dies das „Privatkonto Aktiv“, bei dem von Januar an die kostenlose Kontoführung laut Keßler faktisch abgeschafft wird. „Die Sparkasse verhilft dafür einer Gebühr zum Comeback, die bei den meisten Privatkunden längst in Vergessenheit geraten sein dürfte“, so der Autor der Studie. Denn ab kommendem Jahr kostet beim „Privatkonto Aktiv“ jeder Standard-Buchungsposten, der nicht online entstanden ist, 0,35 Euro. Wer dann im Supermarkt mit der Girocard bezahlt, am Automaten Geld zieht, die Miete per Dauerauftrag überweist, die Telefonrechnung abbuchen lässt und das Gehalt per Gutschrift erhält, wird dies schnell und schmerzlich zu spüren bekommen. Nach Keßlers konservativer Kalkulation wird die Kontoführung bei durchschnittlich zehn Standardbuchungsposten im Monat demnächst mit 42 Euro im Jahr zu Buche schlagen – zuvor waren es Null Euro. Da die Frankfurter Sparkasse auch die Jahresgebühr für die Kreditkarte angehoben hat, zahlen die Kunden nach Keßlers Kalkulation künftig 52 Euro mehr als 2015. Das entspräche einem Anstieg von insgesamt 260 Prozent. „Da bleibt nur zu hoffen“, so Keßler, „dass solche Preis-Exzesse nicht zur Normalität in der Bankenwelt werden.“

Heftig kritisiert der Finanzexperte die Fraspa aber nicht nur wegen ihrer Strategie beim „Premium-Aktiv“-Produkt, sondern auch wegen ihrer zweifachen Konditionen-Veränderung beim „Privatkonto Premium“. Da steht die Sparkasse nach Darstellung Keßlers beispielhaft für „trickreiche Institute“, die nicht nur die Preise für die Kontoführung um ein paar Euro im Monat erhöhen, sondern gleichzeitig auch noch die Bedingungen für ein kostenfreies Girokonto ändern – indem sie dafür den monatlichen Geldeingang drastisch nach oben hieven. So kostet das „Privatkonto Premium“ der Frankfurter bis Ende dieses Jahres monatlich 9,90 Euro. Aber nur, wenn Monat für Monat weniger als 3000 Euro auf dem Konto eingehen. Nicht zu Unrecht vermutet Keßler, dass sich vor allem jene Kunden der Frankfurter Sparkasse für dieses Produkt entschieden haben, die diese Gratis-Bedingung locker erfüllen. Heißt: Bislang dürften die gut Verdienenden dieses Gebühr nie bezahlt haben.

„Vor diesem Hintergrund hätte es der Sparkasse auch wenig gebracht, wenn sie – wie jetzt beschlossen – ab 2017 nur die Gebühr von 9,90 auf 11,90 Euro erhöht“, so Keßler. Deshalb habe die Fraspa gleichzeitig den erforderlichen Mindestbetrag um zwei Drittel auf stolze 5000 heraufgesetzt. Da die Sparkassen-Strategen die Geldeingänge ihrer Kunden genau kennen, dürfte dieser Betrag mit Bedacht gewählt worden sein, vermutet Keßler. Die Folge aus seiner Sicht: „Im nächsten Jahren werden wohl viele Kunden, die jahrelang keinen Cent fürs Premium-Konto zahlten, 142,80 Euro mehr berappen müssen.“

Günstige Direktbanken

Ob die Rechnung der Sparkasse letztlich aufgeht, hänge vom Verhalten der betroffenen Sparkassen-Kunden ab, meint der Finanzexperte aus Düsseldorf. Er verweist darauf, dass bei den sechs getesteten Direktbanken die Preise fürs Girokonto und die Karten gegenüber 2015 stabil bleiben – alle verlangen fürs Girokonto plus den beiden Karten nach wie vor Null Euro. Die drei Testsieger sind die Deutsche Skatbank, die Deutsche Kreditbank und die ING-DiBa, auch weil sie sich mit den niedrigsten Dispozinsen zufrieden geben.

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