In der Brüsseler Untersuchung eroberte London ein letztes Mal den ersten Rang unter den wirtschaftsstärksten Regionen der EU.
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In der Brüsseler Untersuchung eroberte London ein letztes Mal den ersten Rang unter den wirtschaftsstärksten Regionen der EU.

Studie: Wirtschaftlich ist die EU kaum vorangekommen

Europa tritt auf der Stelle

Die Wirtschaftsprognosen für 2017 sehen gut aus, die EU prophezeit allen Mitgliedstaaten Wachstum. Dennoch zeigt ein Blick auf die Regionen der Gemeinschaft, dass die Wettbewerbsfähigkeit bei vielen von der Hauptstadt abhängt. Deutschland und Berlin bilden da eine Ausnahme.

Es dürfte das letzte Mal sein, dass ausgerechnet diese Stadt die Statistik der wettbewerbsfähigsten Regionen in Europa anführt: London. Wenige Wochen bevor die britische Premierministerin Theresa May bei der EU offiziell das Austrittsgesuch ihres Landes einreichen wird, landet die Hauptstadt und bisheriger Finanzmarkt-Platz der EU auf Platz eins der Erhebung aus dem vergangenen Jahr, die die EU-Kommission in den kommenden Tagen offiziell vorstellen wird – gefolgt von dem niederländischen Utrecht und Stockholm. Nur alle drei Jahre wird das Papier aktualisiert, zuletzt 2013. Die Statistik für 2019 aber dürfte anders ausfallen. Auch Deutschland könnte dann ganz vorne dabei sein.

Der Kampf um die Nachfolge Londons als Finanzplatz Europas läuft längst – auch Frankfurt bemüht sich um die Gunst der Geldhäuser, die sich bislang in London niedergelassen haben, mit dem Brexit aber einen Weggang aus der britischen Hauptstadt ankündigten. Die Chancen für den deutschen Standort stehen gar nicht so schlecht, gehören die Region um Frankfurt sowie große Teile Hessens doch zu den wettbewerbsstärkeren Teilen Deutschlands – ebenso wie Baden-Württemberg. Oberbayern rangiert sogar auf Platz neun der insgesamt 263 Regionen in der EU. Es folgen die Rhein-Main-Region (Platz 13), Hamburg und Karlsruhe (14), Stuttgart (20), Köln (23), Düsseldorf (32). Die Region Rheinhessen-Pfalz liegt demnach auf Platz 34, Kassel auf Rang 67.

Berlin landet lediglich auf Platz 45 – möglicherweise wegen der „späten Wiedervereinigung“, heißt es zur Erklärung in der Statistik. Dennoch bildet die Bundesrepublik eine seltene Ausnahme. Denn in 25 der 28 Mitgliedstaaten lag die Hauptstadt auf Platz eins innerhalb des untersuchten Staates.

Rom hat das Nachsehen

Neben Deutschland sind auch die Niederlande und Italien Ausreißer. Bei dem Benelux-Staat überholte die Studentenstadt Utrecht die Hauptstadt Amsterdam, die sie auf Platz zwei der landesinternen Liste verdrängte. Und Rom hatte gegenüber der Lombardei als traditionelle Handelsstadt das Nachsehen.

Bewertet wurden die Regionen nach insgesamt elf Kategorien, unterteilt in drei Gruppen: basisökonomische Antriebskräfte wie die wirtschaftliche Stabilität, Infrastruktur, Gesundheit und Grundbildung zählen dazu. Unter Effizienz wurden weiterführende Bildung, Arbeitsmarkt und Größe des Handels bewertet. In der dritten Sparte, der Innovation, wurden technologische Voraussetzungen sowie geschäftlicher Entwicklungsstand unter die Lupe genommen. Während sich im Vergleich zu den Zahlen von 2013 rund 70 Prozent der Regionen kaum veränderten, konnten lediglich acht ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern – darunter Malta und mehrere Regionen in Frankreich, Deutschland, Schweden, Portugal und dem Vereinigten Königreich.

47 EU-Gebiete verschlechterten sich hingegen, also etwa 18 Prozent der insgesamt 263 – unter anderem die portugiesische Insel Madeira.

Zu den am wenigsten entwickelten zählen wenig überraschend neben einigen griechischen Regionen auch rumänische Landesteile ebenso wie ein bulgarisches Gebiet. Die französische Exklave in Südamerika, Französisch-Guayana belegt den letzten Platz in der Statistik.

Dass die Regionen in der EU sich gegenüber 2013 kaum verbesserten, dürfte kaum in das Konzept der Kommission passen: Seit Jahren wird über Strukturfonds Geld in die schwächsten Regionen der Gemeinschaft gepumpt. 2015 startete das Investitionsprogramm EFSI von Behördenchef Jean-Claude Juncker – inzwischen sind von den geplanten 315 Milliarden aber lediglich 31,5 Milliarden Euro zugeteilt.

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