Europas größter Autoleasing-Anbieter entsteht

  • Panagiotis Koutoumanos
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ALD Automotive übernimmt Leaseplan für 4,9 Milliarden Euro

Frankfurt. Die französische Großbank Société Générale wird zu Europas unangefochtenem Marktführer beim Auto-Leasing. Wie ihre Konzerntochter ALD Automotive am Donnerstag bekanntgab, will sie den niederländischen Wettbewerber Leaseplan komplett übernehmen. Dessen Eigentümer - ein Konsortium unter der Führung der Londoner Beteiligungsgesellschaft TDR Capital - sollen für Ihre Anteile insgesamt 4,9 Milliarden Euro erhalten. Eine entsprechende Absichtserklärung sei nun unterzeichnet worden, hieß es gestern.

ALD ist jetzt schon die Nummer eins im stetig wachsenden europäischen Markt für Autoleasing - vor Arval, der Tochter der ebenfalls französischen Großbank BNP Paribas. Leaseplan rangiert europaweit auf dem dritten Platz, vor VW Financial Services. Die Flotte der künftigen "NewALD" werde rund 3,5 Millionen Fahrzeuge umfassen, teilte das französische Unternehmen mit, das seit viereinhalb Jahren an der Euronext Paris notiert ist.

Nach Bekanntgabe der Übernahme stieg der Aktienkurs von ALD um bis zu acht Prozent auf 14,50 Euro. Damit lag die Aktie erstmals nach rund dreieinhalb Jahren wieder über ihrem Einstandspreis von 14,30 Euro. Die Aktie der Société Générale stieg zeitweise um mehr als zwei Prozent. "Das Leasing-Geschäft ist lukrativer als viele traditionelle Bankensparten und weniger getroffen von zunehmender Regulierung und niedrigen Zinsen", sagte Mediobanca-Analyst Matthew Clark. Hinzu kommt, dass das früher von Unternehmen dominierte Flottengeschäft immer mehr Privatkunden hat. Deshalb versuchen auch andere Banken verstärkt, in diesem Markt mitzumischen. So hat Ende 2021 die französische Crédit Agricole beschlossen, zusammen mit der Opel-Konzernmutter Stellantis ein eigenständiges Leasing-Unternehmen zu gründen. Die Stellantis-Flotte umfasst rund 700 000 Fahrzeuge.

Das von TDR geführte Konsortium, das unter anderem den Staatsfonds von Abu Dhabi umfasst, hatte Leaseplan im Jahr 2015 für 3,7 Milliarden Euro von Volkswagen und der Frankfurter Privatbank Metzler gekauft. Ein für den Herbst 2018 geplanter Börsengang wurde von den Eigentümern abgeblasen.

Wenn die Übernahme durch ALD abgeschlossen ist, sollen die Leaseplan-Eigner 30,75 Prozent an "New ALD" halten, teilten die Franzosen gestern mit. Auf die Société Générale werden demnach dann 53 Prozent entfallen. Der Streubesitz soll mit rund 15 Prozent stabil bleiben. Der Deal soll bis Jahresende unter Dach und Fach sein.

"Das neu entstehende Unternehmen soll mittelfristig zur dritten tragenden Säule unseres Konzerns werden - neben dem traditionellen Privatkunden- und Versicherungsgeschäft sowie unserem Firmenkunden-Geschäft und dem Investment-Banking", sagte Société-Générale-Vorstandschef Frédéric Oudéa. Durch die Übernahme werde der Gewinn pro Aktie von 2024 an um fünf Prozent steigen. Bei der Leasing-Tochter ALD werde der Gewinn pro Aktie im Jahr 2023 um 20 Prozent steigen, hieß es - vor Restrukturierungskosten.

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