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Ein Airbus A 330 von Eurowings startet am Heimatflughafen Köln. In Frankfurt wird die Lufthansa-Tochter auf absehbare Zeit nicht landen.

Luftfahrt

Eurowings drückt sich doch vor Frankfurt

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Es wäre die erste Verbindung gewesen, die Eurowings nach Frankfurt angeboten hätte. Aber nun hat die Kölner Billigflugtochter der Lufthansa einen Rückzieher gemacht. Zu stark erscheint wohl nach der Air-Berlin-Pleite der neue Berliner Platzhirsch Easyjet. Und kannibalisieren wollen sich die Airline-Manager innerhalb der Lufthansa-Gruppe ja auch nicht.

Angesichts dieser Nachricht dürfte Thomas Haagensen gestern einen Freudensprung gemacht haben: Eurowings wird nun doch nicht vom kommenden Frühjahr an Flüge zwischen Berlin und Frankfurt anbieten. Für den Europa-Chef der britischen Fluggesellschaft Easyjet heißt das: Die in der Bundeshauptstadt avisierte Expansion zur dortigen Nummer eins wird deutlich leichter als angenommen. Mitte November hatte Eurowings angekündigt, diese umsatzstarke Verbindung im kommenden Sommerflugplan ins Programm nehmen zu wollen – und damit für die Pleite gegangene Air Berlin in die Bresche zu springen. Bis zu 42 Flüge die Woche hatte die Billigflugtochter der Lufthansa dabei in Aussicht gestellt. Daraus wird nun nichts, wie Eurowings-Sprecher Matthias Eberle gegenüber dieser Zeitung sagte. „Nach der Insolvenz der Air Berlin befindet sich der deutsche Luftverkehrsmarkt in einer sehr dynamischen Phase. Da kann es passieren, dass wir hier und da leichte Anpassungen vornehmen müssen.“

Tatsächlich findet nach der Pleite von Deutschlands zweitgrößter Airline eine Neuordnung am deutschen Flieger-Himmel statt – und die fällt für den Lufthansa-Konzern nicht so profitabel aus, wie es sich dessen Vorstandschef Carsten Spohr ursprünglich erhofft hatte. Zwar hat er sich neben 81 Maschinen und vielen Slots von Air Berlin auch deren Tochter Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW) samt 15 Maschinen und deren Start- und Landerechte erworben. Aber auf den profitablen österreichischen Air-Berlin-Ableger Niki hat Spohr aufgrund des Widerstands der EU-Wettbewerbskommission verzichten müssen – Niki fällt nun wohl dem britischen Luftfahrt-Konzern IAG zu. Zudem gelang es der britischen Easyjet, Ende Oktober 25 Flugzeuge und Slots von Air Berlin zu erwerben. Und dass Europas zweitgrößte Billig-Airline alle diese Flieger nutzen würde, um zum größten Anbieter in Berlin zu avancieren, hatten die Lufthanseaten nicht erwartet. Schon gar nicht, dass die Briten von Berlin aus die schier übermächtigen Frankfurter im innerdeutschen Flugverkehr angreifen würden – als erste ausländische Billigfluggesellschaft.

Aber genau das kündigten die Briten Anfang Dezember an. Neben 15 europäischen Zielen werde Easyjet von Berlin-Tegel aus auch vier deutsche Städte anfliegen, gab Haagensen damals bekannt: München, Düsseldorf, Stuttgart, und eben Frankfurt. Nach der Air-Berlin-Pleite wäre die Verbindung an den Main sonst zur Monopolstrecke der Lufthansa geworden.

Gleich 250 Flüge bietet Easyjet nun seit dem 5. Januar an – davon 68 zur Main-Metropole. Und sie lassen die Preise purzeln: Tickets gibt’s schon für knapp 50 Euro die Strecke. Damit bleiben die britischen Billigheimer sogar unter dem Preis, den ein Deutsche-Bahn-Kunde mit Bahncard 50 normalerweise zahlen muss. Insgesamt 15 Millionen Passagiere will Easyjet auf diese Weise dieses Jahr in seine Flieger in Berlin-Tegel und Berlin-Schönefeld locken. Zuletzt kamen die Briten in der Bundeshauptstadt auf 5,3 Millionen Passagiere im Jahr. Da zählten die beiden Flughäfen zusammen rund 33 Millionen Gäste.

Und dabei haben die Briten erst 15 der 25 erworbenen Air-Berlin-Maschinen in Tegel stationiert, weil diese umgeflottet und die Besatzungen umgeschult werden müssen. Bis zum Ende des Sommers sollen alle 25 Flugzeuge in Berlin starten und landen. Dann werde sich das Deutschland-Geschäft verdoppeln, kündigte Haagensen Ende vergangener Woche an.

Diese offene Kriegserklärung dürfte Konzernchef Spohr endgültig zum Rückzug bewegt haben. Klammheimlich haben nun die Lufthanseaten die Verbindung nach Frankfurt aus dem Sommerflugplan gestrichen. Was die Eurowings-Führung sicherlich sehr schmerzt, wird Spohr eher gelassen hinnehmen. „Das Wohl unseres Konzerns hängt ohnehin nicht an innerdeutschen Strecken, denn die machen weniger als fünf Prozent unseres Umsatzes aus“, so der Konzernchef. Zudem wäre das Risiko einer konzerninternen Kannibalisierung zwischen der Eurowings und der höherpreisigen Stammmarke Lufthansa groß gewesen.

Ist doch die Strecke Berlin - Frankfurt „die Weltrekord-Strecke im gesamten Lufthansa-Netz“, wie Unternehmenssprecher Wolfgang Weber betont. Täglich 17 Hin- und Rückflüge biete die Marke mit dem Kranich in der Regel an. „Keine andere Flugstrecke wird von uns so oft bedient – im Prinzip im Stundentakt von frühmorgens bis spätabends; zu den morgendlichen und abendlichen Rush-our-Zeiten sogar im 30-Minuten-Abstand.“ Insofern plane die Lufthansa auch nicht, die Zahl der Verbindungen im kommenden Sommerflugplan zu erhöhen, so der Sprecher. Innerdeutsche Monopol-Strecken bleiben den Frankfurtern nach der Air-Berlin-Pleite ohnehin genügend: nicht nur abseitige wie Düsseldorf -Nürnberg. Auch auf ehemals populären Strecken wie München - Hamburg, Düsseldorf - Hamburg, Köln - München und Nürnberg-Frankfurt fliegen derzeit nur die Marke mit dem Kranich und Eurowings.

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