Abdisamed Abdullahi Mohamoud (19, aus Somalia) absolviert in Frankfurt eine Ausbildung als Industriemechaniker.
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Abdisamed Abdullahi Mohamoud (19, aus Somalia) absolviert in Frankfurt eine Ausbildung als Industriemechaniker.

Arbeitsagentur: Berufsausbildung statt Aushilfsjobs

Flüchtlinge sollen lieber lernen

Die Integration von Flüchtlingen in Hessens Arbeitsmarkt kommt nur langsam voran. Dennoch will die Arbeitsagentur an ihrem gründlichen Kurs festhalten und möglichst wenige in einfache Helferjobs schicken.

Flüchtlinge sollen auf dem hessischen Arbeitsmarkt lieber eine fundierte Ausbildung anstreben, statt sich vorschnell für einen niedrig qualifizierten Helfer-Job zu entscheiden. An diesem Grundsatz will die Bundesagentur für Arbeit auch im Jahr 2017 festhalten, wie der Chef der Regionaldirektion Hessen, Frank Martin, erklärt. „Wir versuchen, die Menschen in die Richtung einer bestmöglichen Qualifikation zu beraten“, sagte er. Dies sei Grundlage für einen nachhaltigen Erfolg auf dem Arbeitsmarkt und der beste Schutz gegen spätere Arbeitslosigkeit.

Andererseits wäre es sicher der falsche Anspruch, jeden Flüchtling in eine Ausbildung bringen zu wollen, sagte Martin. Bei der anhaltend guten Lage auf dem hessischen Arbeitsmarkt gebe es Tausende freier Helferjobs, die natürlich auch für viele Flüchtlinge verlockend seien. „Auch manche deutsche Jugendliche verlassen voreilig ihren Ausbildungsweg und nehmen wegen des schnellen Geldes Jobs an, die sie nicht nachhaltig weiterbringen.“ Dieses Verhalten müsse man bei Flüchtlingen nicht noch fördern, könne es aber auch nicht verhindern. Je nach individuellen Voraussetzungen sei für manchen auch der schnelle Job attraktiver.

Zwei Drittel der rund 80 000 nach Hessen gekommenen Flüchtlinge seien unter 35 Jahre alt und damit grundsätzlich für eine Ausbildung offen, erklärte der Direktionschef. Allerdings verfügten sie nur selten über einen formalen Schulabschluss und/oder eine abgeschlossene Berufsausbildung, wie sie von Arbeitgebern immer noch ganz überwiegend eingefordert werde. Zunächst müssten die deutsche Sprache gelernt und eine gewisse Ausbildungsgrundlage erworben werden.

Von den circa 80 000 Flüchtlingen sind nach Angaben der Arbeitsagentur erst rund 11 000 am Arbeitsmarkt angekommen. Die meisten Betroffenen seien noch mit Sprachkursen beschäftigt, berichtete die Arbeitsagentur. Im November sei die Rekordzahl von 7000 Menschen in die Sprachkurse eingetreten. Nach bis zu zwölf Monaten sollen sie dann in Berufsvorbereitungskurse gehen und schließlich eine Ausbildung beginnen. „Da ist eine sehr hohe Dynamik drin, und die Menschen zeigen eine sehr hohe Motivation.“

Nach aktuellen Zahlen der Arbeitsagentur sind derzeit in Hessen rund 8500 Flüchtlinge aus nicht-europäischen Herkunftsländern arbeitslos gemeldet. Weitere rund 20 000 stecken aktuell in Sprachkursen und noch einmal 3000 schon in der Berufsvorbereitung. Zwischen 2000 und 3000 Flüchtlinge haben ersten Schätzungen zufolge in diesem Jahr schon auf dem freien Arbeitsmarkt Jobs gefunden, wenn auch meist nur als niedrig bezahlte Helfer in Bereichen wie Logistik und Reinigungsgewerbe. Erste größere Bewerberzahlen für Ausbildungsplätze seien für die Ausbildungsjahre 2017 und 2018 zu erwarten.

Der hessische Arbeitsmarkt zeigt sich bislang weiter aufnahmefähig. Ende November gab es rund 50 000 unbesetzte Stellen, von denen sich nur rund jede fünfte auf einen Helfer-Job bezog. Für das kommende Jahr rechnet die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit mit einem durchschnittlichen Bestand an Arbeitslosen von 167 700 Männern und Frauen. Das wären nochmals 2,8 Prozent weniger als die 172 500, die für das laufende Jahr erwartet werden, und der niedrigste Stand seit dem Jahr 1992. Die Arbeitslosenquote Hessens liegt bei 5,0 Prozent, während die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs weiter steigt und laut Arbeitsagentur 2017 die Marke von 2,5 Millionen erreichen sollte – das entspräche einem Anstieg von 1,7 Prozent und wäre ein neuer Rekord.

(dpa,red)

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