Kurzarbeit allein reicht nicht

Flughafen Frankfurt: Fraport will wegen Corona-Krise tausende Jobs streichen

Allein mit Kurzarbeit kommt Fraport, Betreiber des Flughafens Frankfurt, nicht durch die Corona-Krise. Beim Stellenabbau schließt das Management betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus.

  • Am Flughafen Frankfurt sollen viele Jobs gestrichen werden.
  • Auch andere Standorte sind betroffen: Bis zu 4000 Jobs bei Fraport sollen abgebaut werden.
  • Das Unternehmen leidet dem massiven Einbruch der Passagierzahlen durch die Corona-Pandemie.

Frankfurt – Fraport, Betreiber des Flughafens Frankfurt, will wegen des langfristigen Corona-Einbruchs tausende Jobs streichen. Fraport-Chef Stefan Schulte sieht zwar den Tiefpunkt der Luftverkehrsbeschränkungen durchschritten, stimmt aber alle Beteiligten auf eine lange Durststrecke ein.

Flughafen Frankfurt: Bis zu 4000 Jobs bei Frankfurt sollen wegen der Corona-Krise gestrichen werden

Noch in den Jahren 2022/2023 dürften die Passagierzahlen am Flughafen Frankfurt wegen Corona nach seiner Einschätzung 15 bis 20 Prozent unter den bisherigen Höchstwerten liegen, mit entsprechend weniger Arbeit für die Beschäftigten, schreibt Schulte in seinem Bericht zur ersten Jahreshälfte.

Zwischen 3000 und 4000 der zurzeit rund 22.000 Stellen sollen abgebaut werden, kündigte Fraport am Dienstag (04.08.2020) erstmals schriftlich an. Neben der natürlichen Fluktuation wolle man verschiedene sozialverträgliche Maßnahmen nutzen, über die mit den Arbeitnehmern verhandelt werde. Ob darüber hinaus betriebsbedingte Kündigungen erforderlich werden, hänge von der Umsetzung ab.

Fraport will tausende Jobs streichen: Verkehr am Flughafen Frankfurt stand wegen Corona wochenlang still

Momentan nutzt der vom Land Hessen und der Stadt Frankfurt mehrheitlich getragene MDax-Konzern intensiv die Möglichkeiten der Kurzarbeit. Im zweiten Quartal galt sie für 16.000 Beschäftigte in Frankfurt. Die Arbeitszeit der Gesamtbelegschaft wurde so um 60 Prozent reduziert, der operative Aufwand wurde unter anderem durch Terminalsperrungen am Flughafen Frankfurt um 30 Prozent gesenkt, konzernweit sogar um 40 Prozent.

Unter dem Strich stand im zweiten Quartal für die Fraport-Gesellschafter aber dennoch ein Verlust von rund 182 Millionen Euro nach 127 Millionen Euro Gewinn ein Jahr zuvor. Weil der Flugverkehr – und nicht nur am Flughafen Frankfurt – wegen Corona über mehrere Wochen fast komplett stillstand und auch dann nur langsam wieder anlief, brach der Umsatz um rund drei Viertel auf 250 Millionen Euro ein (Q2 2019: 979 Mio Euro).

Flughafen Frankfurt: Fraport rechnet nicht mit einer schnellen Corona-Erholung

Die Passagierzahlen bewegten sich auch in der vergangenen Woche nur langsam aus dem Corona-Tief. Vom 27. Juli bis 2. August zählte Fraport am Flughafen Frankfurt rund 343.865 Fluggäste und damit 78,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In der Vorwoche hatte man noch 79,7 Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen.

Im laufenden Jahr ist mit einem Ansturm kaum noch zu rechnen. Schulte rechnet sowohl am Flughafen Frankfurt als auch an den Auslandsflughäfen des Konzerns für 2020 mit Verkehrsrückgängen im hohen zweistelligen Prozentbereich. Nachdem das Passagieraufkommen im zweiten Quartal in Frankfurt aufgrund der Coronavirus-Pandemie rund 94 Prozent niedriger lag als ein Jahr zuvor, stand für das erste Halbjahr ein Rückgang um 63,8 Prozent auf 12,2 Millionen Fluggäste zu Buche.

Flughafen Frankfurt: Liquidität von Fraport ist trotz Corona gesichert

Um die Corona-Durststrecke zu überstehen, hat sich Fraport im ersten Halbjahr 1,3 Milliarden Euro zusätzliche Finanzmittel besorgt und mit einer neuen Anleihe im Juli weitere 800 Millionen Euro hereingeholt. Derzeit verfügt der Betreiber des Flughafens Frankfurt nach eigenen Angaben über knapp 3 Milliarden Euro an liquiden Mitteln und zugesicherten Kreditlinien. Damit sei die Liquidität mindestens bis zum Ende des Jahres 2021 abgesichert.

Schulte rechnet ab 2023 wieder mit einem „langfristigen, moderaten Wachstum“ des Flugverkehrs. Aus dieser Überzeugung heraus hält die Fraport-Führung auch an dem Bau des dritten Passagier-Terminals am Flughafen Frankfurt fest, dessen Eröffnung sich allerdings bereits verzögert hat. (dpa)

Bereits rund 40.000 Menschen wurden am Flughafen Frankfurt auf Corona getestet. Ein weiteres Testzentrum ist im Aufbau. Alle aktuellen Entwicklungen zur Corona-Krise in Hessen gibt es News-Ticker.

Rubriklistenbild: © Silas Stein/dpa

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