Ryanair, Notlandung
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Ein Flugzeug der Airline Ryanair musste am Freitag in Griechenland notlanden. 

Entlassungen drohen

Flughafen Frankfurt-Hahn: Zukunft von Airline Ryanair am Standort ungewiss

  • Alexander Gottschalk
    vonAlexander Gottschalk
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Die Billig-Fluglinie Ryanair schließt ihre Basis am Flughafen Frankfurt-Hahn. Ein schwerer Verlust für den Standort. Viele Jobs sind in Gefahr.

  • Billig-Flieger Ryanair will seine Basis am Flughafen Frankfurt-Hahn schließen.
  • Dem Flughafen im Hunsrück droht damit ein herber Verlust.
  • Bei Piloten und Flugbegleitern sind hunderte Jobs sind in Gefahr.

Hahn – Hat Ryanair am Flughafen Frankfurt-Hahn eine Zukunft? Vor ein paar Monaten schien es noch ketzerisch, diese Frage überhaupt zu stellen. Nun ist bekannt geworden, dass Europas größte Billigairline zum 1. November seine Basis an dem Hunsrück-Airport schließen will. Auch den Standorten in Berlin-Tegel und Weeze droht wohl noch vor dem Winter das Aus. Nach Angaben der Gewerkschaften sind hunderte Jobs von Piloten und Flugbegleitern in Gefahr.

Flughafen Frankfurt-Hahn: Ryanair-Rückzug wäre herber Schlag

Die Geschichte des Flughafens Hahn, der zwischen Koblenz, Trier und Mainz liegt, ist eng verknüpft mit der Fluggesellschaft Ryanair. Die Werbeslogans des Billigfliegers brachten dem Standort erst den mittlerweile geläufigen Namen „Frankfurt-Hahn“ ein. Dank der günstigen Urlaubsflieger von Ryanair wuchs auch das Einzugsgebiet: Wer heute online nach Flügen von Frankfurt aus sucht, hat je nach Ziel eine gute Chance, nicht Angebote vom Flughafen Frankfurt (FRA) gezeigt zu bekommen, sondern von der günstigen Konkurrenz aus Rheinland-Pfalz.

Sollte Ryanair nun also sein Engagement in Frankfurt-Hahn zurückfahren, wäre das ein schwerer Schlag für den Flughafen-Betreiber. Dieser wollte sich am Mittwoch (22.07.2020) nicht zu den Meldungen um eine Schließung der Ryanair-Basis äußern – genauso wenig, wie die Airline selbst. Die mögliche Hiobsbotschaft ging tags zuvor aus einem internen Schreiben hervor. Was genau der Ryanair-Rückzug praktisch für den Flughafen bedeutet, ist freilich noch offen. Die Schließung der Basis ist nicht gleichzusetzen mit dem Wegfall von Flugverbindungen.

Flughafen Frankfurt-Hahn: Bürgerinitiative glaubt, dass Ryanair weiterfliegt

Die „Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn“ geht davon aus, dass die Billigflieger weiter von Frankfurt-Hahn aus starten. Das Aus für den Standort sei zwar „ein herber Schlag“ für die strukturschwache Region. „Wir erwarten hier aber keine komplette Aufgabe des Betriebs von Ryanair, sondern eine Reduzierung ihrer Flüge.“ Es werde sich für die Airline weiter lohnen, in Deutschland beschäftigte Arbeiter aus Südosteuropa weiter vom Hunsrück aus in ihre Heimat zu fliegen, ebenso könnten einige touristische Flugziele in Südeuropa überleben.

Ryanair ist im Hahn-Passagiergeschäft der Platzhirsch. Laut Christoph Goetzmann, Mitglied der Hahn-Geschäftsführung, fliegen sonst nur noch die Passagier-Airlines Wizz Air, Air Serbia und Flyone den Airport an. Dieser ist abgelegen und defizitär. In den vergangenen Jahren hat er viele Passagiere verloren. Das Frachtgeschäft zog aber in der Corona-Krise mit dem Transport von Schutzkleidung wieder deutlich an. Der Flughafen Hahn gehört zu 82,5 Prozent dem chinesischen Großkonzern HNA und zu 17,5 Prozent dem Land Hessen.

Frankfurt-Hahn: Ende der Ryanair-Basis – Hunderte Jobs in Gefahr

Hintergrund der ganzen Affäre: Ryanair verhandelt derzeit mit den Beschäftigten des Unternehmens sowie mehrerer Tochtergesellschaften über Gehaltskürzungen. Dabei geht es um Einkommensverluste von 20 bis 30 Prozent. Dies wurde laut der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) von den Piloten der Ryanair-Tochter Malta Air abgelehnt.

Die Unternehmensleitung habe immer wieder betont, dass Ryanair „der Krise ganz gut Herr“ geworden sei, sagte Cockpit-Sprecher Jannis Schmitt dazu am Mittwoch dem SWR. Er äußerte die Befürchtung, die Fluggesellschaft wolle in der Krise „einfach nur Mitnahmeeffekte generieren“ und beispielsweise Piloten später zu schlechteren Konditionen wieder einstellen. Rund 170 Piloten drohen nun ihre Jobs* zu verlieren.

Frankfurt-Hahn: Ryanair-Rückzug würde auch Flugbegleiter treffen

Auch die Gewerkschaft Verdi hat die angekündigte Schließung von Standorten der Billigairline Ryanair in Deutschland scharf kritisiert. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Gewerkschaften mit der Ankündigung in den laufenden Verhandlungen unter Druck gesetzt werden sollen“, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Sven Bergelin. Von den Plänen sind nach seinen Angaben etwa 350 der circa 1000 Flugbegleiter der Ryanair-Tochter Malta Air in Deutschland betroffen.

Ryanair stellt derweil die Weichen für die Zukunft – und blickt dabei statt nach Hahn zum Flughafen Frankfurt: Der irische Billigflieger Ryanair will für die neu zu vergebenden Start- und Landerechte in Frankfurt am Main und in München mitbieten. Ryanair werde „seine Chancen im deutschen Markt wahrnehmen“, sagte der Marketingdirektor der Fluggesellschaft, Dara Brady, dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Lufthansa muss im Gegenzug für Milliarden-Hilfen der Bundesregierung bis zu 24 Start- und Landerechte (Slots) an den beiden Flughäfen an Konkurrenten abgeben. Laut „Focus“ könnte Ryanair damit jeweils vier weitere Maschinen an beiden Flughäfen stationieren. Mögliche Flugziele nannte Brady demnach noch nicht. Die EU-Kommission will demnächst Details zum Bieterverfahren bekannt geben. (dpa/ag)

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