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Michael Duttlinger

Start-up-Szene für Finanzdienstleistungen

Frankfurts FinTech-Szene noch auf kleiner Flamme

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Im FinTech Hub der Deutschen Börse soll die digitale Revolution der Finanzwirtschaft vorangetrieben werden. Die dort versammelten Start-up-Unternehmen mühen sich, Netzwerke zu knüpfen und Startkapital für Verwirklichung ihrer Pläne zu sammeln.

Ein Maserati mit Rüdesheimer Kennzeichen steht in der Einfahrt, fesche Jung-Unternehmer mit Fönfrisur und glatt gebügeltem Anzug lauschen trotz 30 Grad im Schatten andächtig den Worten von Yassin Hankir, dem Mitgründer des Start-up „savedroid“. Die Premiere der „Rooftop Talks“ im FinTech Hub der Deutschen Börse darf als voller Erfolg gewertet werden: Statt der geplanten 70 kamen rund 120 Interessenten aus der Finanzindustrie, um sich über die jüngsten Entwicklungen am noch überschaubaren Digitalstandort Frankfurt zu informieren.

Im FinTech-Bereich herrscht derzeit Goldgräberstimmung. Da möchte niemand zu kurz kommen, wenn das erste große Start-up made in Frankfurt durch die Decke geht. Das Land Hessen und die Deutsche Börse haben sich zum Ziel gesetzt, dem Start-up-Mekka Berlin mit einem eigenen FinTech-Standort Konkurrenz zu machen und der hiesigen Finanzwirtschaft den Zugriff auf digitale Lösungen zu erleichtern. Als FinTech bezeichnet man Apps und Geschäftskonzepte, die sich mit Finanzdienstleistungen beschäftigen.

Die Deutsche Börse hat Anfang Mai vier Start-ups in einer noblen Büroetage im Sandweg 94c – nahe der EZB – einquartiert. Seither mühen sich die ambitionierten Geschäftsgründer, Startkapital für die Finanzierung ihrer Projekte einzusammeln und tüfteln zugleich an den Benutzer-Oberflächen ihrer Apps.

Doch im Gegensatz zur deutschen Start-up-Hauptstadt Berlin oder gar zu den USA mangelt es Insidern zufolge in der Bankenmetropole an Venture Capital und kreativen Strukturen, um die hiesigen Ideenschmieden mit ausreichend Startkapital und geeignetem Personal zu versorgen. Auch halten Kenner der Szene den nationalen FinTech-Markt – so überschaubar er auch ist – für überhitzt und zögern zu investieren.

„In Frankfurt tut sich langsam was, aber noch auf sehr kleiner Flamme“, bestätigt Christian Weiß, Investment Manager des Kapitalgebers Creathor Venture Managament. Laut ihm sei in der Szene längst nicht alles Gold, was glänzt: „Wir sehen momentan sehr viele Dinge, die eher Hype sind als ein Geschäftsmodell.“ Hinter mancher Geschäftsidee verberge sich „mehr Schein als Sein“, was dazu führe, dass Business Angels, Risikokapitalgeber, die auf schnelle Expansion der von ihnen unterstützten Start-ups spekulieren, nicht im erhofften Maße Schlange stehen.

Ein Finanzierungsproblem hat Yassin Hankir, der Hauptdarsteller an diesem Abend, vorerst nicht mehr. Für sein Startup „savedroid“ hat er inzwischen die erste Million Euro Fremdkapital eingesammelt und will sein Produkt, eine Art digitales Sparschwein, in zwei Wochen auf den Markt bringen. „Die erste Million ist im Sack. Das ist aber kein Grund, sich auszuruhen“, sagt Hankir. Nun gehe es darum, sein Team weiter auszubauen und zu zeigen, dass es sich bei „savedroid“ um ein gutes Produkt handelt. Ob es wirklich genug junge Menschen gibt, die Hankirs digitales Sparschwein nutzen, wird sich ziemlich rasch erweisen.

Anders sieht es bei den Machern von „Cashlink“ aus. Die App, die den Zahlungsverkehr unter Freunden regelt, soll im Oktober Marktreife erlangen. Die Finanzierung sei auf einem guten Weg, rund die Hälfte des sechsstelligen Startkapitals sei inzwischen beisammen, sagt Unternehmensgründer Michael Duttlinger. Der Wirtschaftsingenieur ist angetan von den Chancen, die ihm das FinTech Hub der Deutschen Börse eröffnet. Hier böten sich zahlreiche Möglichkeiten der Vernetzung sowie die Gelegenheit, von den Erfahrungen anderer Unternehmensgründer zu profitieren.

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