Bis zum Jahr 2040 läuft der Konzessionsvertrag der Fraport für den Flughafen in St. Petersburg.	Foto. dpa
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Bis zum Jahr 2040 läuft der Konzessionsvertrag der Fraport für den Flughafen in St. Petersburg. Foto. dpa

Fraport AG

Fraport: Anteilsverkauf rettet wohl Gewinn-Prognose

  • Panagiotis Koutoumanos
    VonPanagiotis Koutoumanos
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Der Frankfurter Flughafen-Betreiber verkauft seine Beteiligung am Flughafen im russischen St.Petersburg. Den Verkaufserlös scheint der Konzern gerade gut gebrauchen zu können.

Krieg und Terror stellen die Reisewelt derzeit nicht nur in puncto Sicherheit vor großen Herausforderungen. Weil viele Menschen so verunsichert sind, dass sie gar nicht erst in einen Flieger steigen, leiden Airlines und Flughäfen auch unter Erlös-Ausfällen. Da kann schon mal die Gewinnprognose wackeln: Der Touristikkonzern Thomas Cook sah sich deshalb vergangenen Donnerstag gezwungen, seinen Ertragsausblick für das laufende Geschäftsjahr nach unten zu korrigieren; die Lufthansa hatte die Woche zuvor eine Gewinnwarnung ausgegeben.

Und die Fraport AG? Auch der Frankfurter Flughafen-Betreiber leidet unter den geopolitischen Konflikten – an seinem Heimatstandort Frankfurt, aber auch an seinen Beteiligungsflughäfen im russischen St.Petersburg und türkischen Antalya, die zusätzlich noch von Handels und Reise-Embargos geplagt werden. Aber der M-Dax-Konzern scheint nun dank eines Anteilsverkaufs, seine Gewinnprognose halten zu können. Wie das Unternehmen gestern überraschend mitteilte, verkauft es 10,5 Prozent seiner Anteile am Flughafen St. Petersburg an die Qatar Investment Authority (QIA). Damit sinkt die Beteiligung der Frankfurter am viertgrößten russischen Flughafen auf 25 Prozent. Sie bleiben allerdings der operative Betreiber des Airports, wie sie gestern betonten.

Fraport-Chef Stefan Schulte sagte gestern zwar „trotz der aktuellen Schwierigkeiten in Russland halten wir den Markt weiterhin für attraktiv“. Tatsächlich scheinen aber alle drei bisherigen Anteilseigner die Hoffnung auf eine schnelle Erholung des Verkehrsaufkommens in St. Petersburg aufgegeben zu haben. Der griechische Konzern Copelouzos, der bislang sieben Prozent am „Pulkovo Airport“ hält, verkauft gleich seine ganze Beteiligung an die Kataris. Weitere knapp 7,5 Prozent der Anteile erhalten die Araber von der russischen VT Bank, die nun noch 50,01 Prozent hält. So kommt Qatar auf insgesamt 24,99 Prozent.

Ausgebremst wird die Entwicklung der Passagierzahlen in St.Petersburg von der Embargo-Politik der Europäischen Union als Reaktion auf den Einmarsch der Russen in der Ukraine sowie der Schwäche des Rubels, die Auslandsreisen für die Russen deutlich verteuert. So ist die Zahl der Passagiere im ersten Halbjahr 2016 um 6,5 Prozent auf 5,7 Millionen gesunken. 2015 hatte Pulkovo bereits einen Rückgang von 5,4 Prozent auf rund 13,5 Millionen Fluggäste erlitten.

Bis zu 40 Mio Euro Gewinn

Nach Angaben der Fraport wird der Verkauf, der noch von der russischen Regierung abgesegnet werden muss, in der zweiten Jahreshälfte unter Dach und Fach gebracht werden – und ordentlich Geld in die Kassen spülen: „Auf Basis der aktuellen Buchwerte erwarten wir einen Gewinn zwischen 30 und 40 Millionen Euro“, teilte Fraport mit. Wer nun aber gedacht hat, dass das Unternehmen daraufhin seine bisherige Gewinn-Prognose anheben würde, sieht sich getäuscht: Der Vorstand bestätigte stattdessen seinen Ausblick vom März dieses Jahres. Demnach bleibt es nicht nur bei einem erwarteten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 849 bis 879 Millionen Euro – nach 849 Millionen Euro im Vorjahr. Auch beim Nettogewinn bleibt die Fraport bei ihrer Prognose: Der soll den Angaben nach „auf Niveau des abgelaufenen Geschäftsjahres bis hin zu leicht darüber“ liegen – 2015 hatte der Nettogewinn bei 297 Millionen Euro gelegen. „Trotz der jüngst schwächeren Verkehrsentwicklungen an einzelnen Konzern-Standorten – insbesondere in Frankfurt und Antalya – hält der Vorstand unter Berücksichtigung der erwarteten positiven Effekte aus dem Anteilsverkauf in St. Petersburg an seinem Ausblick fest“, so der Konzernvorstand.

In Frankfurt ist die Passagierzahl im ersten Halbjahr um 0,9 Prozent auf 28,67 Millionen zurückgegangen. Einen dramatischen Einbruch von 30,5 Prozent auf 7,3 Millionen Fluggäste verzeichnete der Flughafen Antalya, der vor allem unter den zahlreichen Terror-Anschlägen und dem Putsch-Versuch in der Türkei leidet. Zudem machte ihm im ersten Halbjahr das Reise-Embargo zu schaffen, das Russlands Präsident Wladimir Putin im Syrien-Krieg nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe verhängt hatte.

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