1. Startseite
  2. Wirtschaft

Fraport-Chef will Putin kein Vermögen schenken

Erstellt:

Von: Panagiotis Koutoumanos

Kommentare

Flughafen-Betreiber hält an seiner Beteiligung in St. Petersburg fest - Konzern ist zurück in der Gewinnzone

Frabkfurt. "Bloß raus aus Russland", scheint derzeit die Devise vieler westlicher Unternehmen zu sein, die bislang gute Geschäfte im Land des Kriegstreibers Wladimir Putin gemacht haben: Mehr als 400 Unternehmen haben nach der Invasion in der Ukraine ihren Rückzug aus Russland verkündet. Betroffen sind alle Bereiche vom Öl- und Gassektor über die Bau- und Finanzbranche, Bekleidungs- und Nahrungsmittelindustrie bis hin zum Automobilbau, Luftfahrtsektor und den Branchen Telekom, Elektronik, Software und Internet.

Unternehmensführungen, die Russland aus Protest gegen den Krieg nicht den Rücken kehren, sehen sich harscher Kritik ausgesetzt. So ergeht es auch dem Vorstand der Fraport AG, die mehrheitlich in öffentlicher Hand ist. Der Frankfurter Konzern hat zwar keine Produktionsstätten oder Läden, die er vorübergehend schließen könnte. Aber über eine Holding in Zypern hält er 25 Prozent an der Gesellschaft "Northern Capital Gateway", die den Flughafen Pulkovo in St. Petersburg betreibt. Und an dieser Finanzbeteiligung, die laut Vertrag bis zum Jahr 2040 gilt, will der MDax-Konzern zunächst festhalten. Das hat gestern Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte anlässlich der Bilanzvorlage des Unternehmens klargestellt. Auch wenn diese Beteiligung laut Schulte in den vergangenen Jahren keine Gewinne eingebracht habe.

"Das wäre doch pervers"

"Der Vertrag, den wir Ende 2009 unterzeichnet haben, gibt uns leider nicht die Möglichkeit, unseren Anteil einseitig zu verkaufen", sagte Schulte. "Was sollen wir da tun? Unsere Beteiligung dem russischen Staat einfach zurückgeben? Es wäre doch - entschuldigen Sie den starken Ausdruck - pervers, dem Aggressor Putin unseren Vermögenswert zu schenken." Nach Angaben im Geschäftsbericht hat die Beteiligung bislang einen Wert "im niedrigen dreistelligen Millionenbereich". Soll wohl heißen: 200 bis 300 Millionen Euro. Diesen Betrag müsste die Fraport AG abschreiben, wenn sie die Beteiligung einfach aufgäbe. Das Geld wäre auch weg, falls die Frankfurter vom russischen Staat enteignet werden sollten. Der Kreml droht zumindest Unternehmen, die sich aus Russland zurückziehen, mit der Enteignung von Vermögenswerten. Eine solche Drohung habe man nicht erhalten, sagte Schulte. Gegen eine Enteignung würde man sich wehren, kündigte er an.

Bei Abschreibung droht Nettoverlust

Eine Abschreibung von 200 bis 300 Millionen Euro würde den Konzern in diesem Jahr aller Voraussicht nach unterm Strich zurück in die Verlustzone drücken, nachdem er 2021 einen kleinen Nettogewinn erwirtschaftet hat. Denn für 2022 sagt der Fraport-Vorstand einen Nettogewinn von 50 bis 150 Millionen Euro voraus. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll auf 760 bis 880 Millionen Euro steigen. Die prognostizierten Ertragszuwächse begründete Schulte zum einen mit den Effizienzsteigerungen, die das Management in den beiden Corona-Jahren erzielt habe, und zum anderen mit den erwarteten Verkehrszuwächsen. Hinzu kommt, dass die von den Airlines zu zahlenden Flughafen-Gebühren zu Jahresbeginn um 4,3 Prozent gestiegen sind. Der Konzern hat die Zahl der Beschäftigten seit Ende 2019 sozialverträglich um 4300 auf 18 419 reduziert - davon 2100 im vergangenen Jahr. Dabei fielen all diese Jobs am Heimatstandort Frankfurt weg. Hier hat das Unternehmen seine Kosten laut Schulte um 30 Prozent gesenkt, an den ausländischen Flughäfen sogar um 38 Prozent.

Frankfurt von Krieg kaum betroffen

Zugleich erwartet der Vorstand für dieses Jahr eine weitere Erholung des Passagieraufkommens, auch am Heimatstandort. Nachdem im vergangenen Jahr 24,8 Millionen Menschen in Frankfurt gestartet und gelandet sind, würden es dieses Jahr wohl 39 bis 46 Millionen Passagiere werden, hieß es. Das wären immerhin 55 bis 65 Prozent des Vorkrisen-Niveaus. Vom Krieg in der Ukraine und den Russland-Sanktionen ist der Frankfurter Flughafen nach Angaben des Vorstands kaum betroffen. Den Anteil der bisherigen russischen Passagierverkehre bezifferte er auf 1,4 Prozent, den Anteil des Frachtaufkommens auf 4,0 bis 4,5 Prozent.

Für das Gros der im Ausland betriebenen Flughäfen sagt die Fraport-Führung auch für dieses Jahr stärkere Passagierzuwächse als in Frankfurt voraus, weil dort der Anteil der touristischen Flüge höher ist als am Heimatstandort. Schlechter laufen als im vergangenen Jahr könnte es aber am türkischen Flughafen Antalya, an dem Fraport mit 49 Prozent beteiligt ist. Denn dort machen Russen traditionell rund 30 Prozent aller Passagiere aus. Blieben die russischen Touristen in diesem Jahr alle aus, würde das rund 50 Millionen Euro Gewinn kosten, sagte Schulte.

2021 trugen vor allem die Kostensenkungen, staatliche Pandemie-Entschädigungen im In- und Ausland in Höhe von 320 Millionen Euro sowie die starke Erholung an den Auslandsflughäfen zur Rückkehr des Konzerns in die Gewinnzone bei: Unterm Strich wurde ein Gewinn von 91,8 Millionen Euro erwirtschaftet nach einem Verlust von 690,4 Millionen Euro. Das Ebitda betrug 757 Millionen nach einem Verlust von 250,6 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte des Ebitda stammte aus dem Auslandsgeschäft.

Keine Dividenden wegen Verschuldung

Trotz der Rückkehr in die Gewinnzone und des prognostizierten Ertragszuwachses für dieses Jahr sollen die Aktionäre weiter leer ausgehen: Nachdem sie schon für 2019 und 2020 keine Dividende erhalten haben, will ihnen der Vorstand auch für 2021 und 2022 nichts ausschütten. Er begründet dies mit der hohen Verschuldung des Konzerns, die vor allem durch die Ausbauinvestitionen am Frankfurter Flughafen gestiegen ist. Ende 2021 betrug die Nettoverschuldung 6,37 Milliarden Euro, nach 5,53 Milliarden Euro. Damit ist die sogenannte Gearing-Rate - das Verhältnis von Schulden zum Eigenkapital - auf 170 Prozent gestiegen. Schon ein Wert von 100 Prozent gilt als bedenklich. Immerhin hat die Fraport AG liquide Mittel und freie Kreditlinien von insgesamt 4,52 Milliarden Euro. Nach Angaben von Finanzvorstand Matthias Zieschang will der Vorstand erst wieder eine Dividende zahlen, wenn die Nettoverschuldung das Ebitda um nicht viel mehr als das Fünffache übersteigt. Wann das der Fall sein wird, wollte er nicht voraussagen. Im kommenden Jahr werde die Verschuldung weiter steigen, auf bis zu 7,5 Milliarden Euro, sagte Zieschang. Damit sei der Höhepunkt dann aber auch erreicht.

Auch interessant

Kommentare