Hohe Rabatte für Eurowings?

Fraport geht auf Lufthansa zu

  • Panagiotis Koutoumanos
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Zur gestrigen Bilanzvorlage brachte Fraport-Vorstandschef Chef Stefan Schulte nicht nur für seinen Amtskollegen von der Lufthansa gute Nachrichten mit. Auch die Aktionäre können sich freuen: Sie sollen eine höhere Dividende erhalten.

Im heftig entbrannten Streit um die Entgelte am Frankfurter Flughafen bemüht sich die Fraport AG die Wogen zu glätten: Nachdem sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Mittwoch bitterlich darüber beklagt hatte, dass die irische Billigflug-Gesellschaft Ryanair im kommenden Jahr – wenn sie erstmals in Frankfurt starten will – hohe Entgelt-Rabatte erhalten soll, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte gestern: „Wir würden es begrüßen, wenn Eurowings nach Frankfurt kommt.“ In diesem Fall würde die Billigtochter der Lufthansa die gleichen finanziellen Anreize bekommen wie jede andere Airline, die an Deutschlands größtem Flughafen erstmals Flüge anbietet. Spohr hatte tags zuvor noch berichtet, dass das Fraport-Management der Eurowings diese Konditionen verweigert habe. Angebliche Begründung: Eurowings sei Teil des Lufthansa-Konzerns – deshalb handele es sich bei ihr nicht wirklich um eine neue Airline. Die Unterscheidung ist insofern wichtig, als Fraport im Rahmen ihrer beantragten Entgelt-Verordnung für Flüge neuer Airlines höhere Entgelt-Rabatte gewähren will als für zusätzliche Flüge bereits in Frankfurt ansässiger Airlines.

Diese Verordnung muss zwar noch vom hessischen Wirtschaftsministerium als zuständige Aufsichtsbehörde abgesegnet werden – aber Wiesbaden hat inzwischen signalisiert, dass es dem Antrag des Flughafen-Betreibers stattgeben will. Das Land Hessen ist noch vor der Stadt Frankfurt größter Aktionär der Fraport AG, mit einem Anteil von 31,32 Prozent. Lufthansa hält 8,44 Prozent am M-Dax-Konzern.

Die Forderung Spohrs, wonach alle Airlines die gleichen Rabatte erhalten sollen, lehnt Schulte dagegen weiter ab. Entsprechend warnte er die Lufthansa davor, die Drohung wahrzumachen, die dessen Vorstandschef am Mittwoch ausgesprochen hatte. Für den Fall, dass Wiesbaden den Fraport-Antrag durchwinken sollte, werde Lufthansa trotzdem nur die Gebühren zahlen, die Ryanair zahlen müsse, hatte Spohr angekündigt. „Sollte die Lufthansa diese Drohung wahrmachen, wären wir gezwungen, den Klageweg zu beschreiten“, entgegnete Schulte gestern. Die Premiummarke Lufthansa, die für 60 Prozent des Flugaufkommens in Frankfurt steht, operiert viel zu teuer als dass sie im boomenden Billigflieger-Geschäft mithalten könnte. Deshalb schrumpft die Flotte der Kranich-Marke, wächst die Lufthansa nur noch mit ihrer Billigflug-Tochter Eurowings. Angesichts deren kräftiger Expansion an anderen deutschen Flughäfen hat sie derzeit aber gar nicht genug Flieger, um auch in Frankfurt starten und landen zu können. Spohr hatte denn auch angekündigt, dass Eurowings wohl erst 2018 Flüge in der Mainmetropole anbieten werde. In der Zwischenzeit könnte Ryanair sich am Heimatstandort der Lufthansa breit machen – eine Vorstellung, die Spohr natürlich gar nicht behagt und ihn dazu veranlasste, am Mittwoch öffentlich den Druck auf die Belegschaft zu erhöhen, größere Einbußen zu akzeptieren.

Entspannter können zunächst die Aktionäre der Fraport AG in die nahe Zukunft blicken: Wie Schulte gestern bekannt gab, ist in den ersten neun Monaten des Jahres der Gewinn zwar zurückgegangen. Gleichwohl hat das Fraport-Management nun die Gewinn-Prognose für 2016 deutlich angehoben. Demnach erwartet der Vorstand ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1,04 bis 1,08 Milliarden Euro – bislang waren 850 bis 880 Millionen avisiert worden, und damit ein bisschen mehr als es 2015 gewesen waren. Der Nettogewinn soll nun zwischen 400 und 440 Millionen betragen – nach bislang vorausgesagten knapp 300 Millionen Euro.

Möglich geworden ist diese Anhebung durch zwei positive Sonderfaktoren: Zum einen erhält Fraport nach einem langen Rechtsstreit von den Philippinen Schadenersatz in Höhe von 240 Millionen Euro. Der Inselstaat hatte 2002 die Betreibergesellschaft eines neuen Terminals in Manila enteignet. Fraport musste daraufhin eine 30-Prozent-Beteiligung an dem Projekt abschreiben. Zwar gehen bis zu 40 Millionen Euro der zugesprochenen Zahlung an den Bund – dieser hatte für die Investitionen gebürgt und bereits eine Entschädigung an Fraport überwiesen. Aber damit bleiben immer noch satte 200 Millionen Euro, die das Ebitda erhöhen. Weitere 35 Millionen Euro kommen hinzu, weil Fraport seinen Anteil am Flughafen St. Petersburg von 35,5 Prozent auf 25 Prozent senkt – die 10,5 Prozent werden an die Qatar Investment Authority (QIA) verkauft. Wie Fraport-Finanzchef Matthias Zieschang betonte, hätte das Konzern-Ebitda ohne die beiden positiven Einmal-Effekte bei rund 850 Millionen Euro stagniert.

Unabhängig davon wird der Fraport-Konzern angesichts des Ergebnis-Schubs nicht umhin kommen, die Dividende für dieses Jahr zu erhöhen. „Mindestens stabil“ sollte die Dividende nach bisheriger Aussage des Vorstands im Vergleich zu 2015 ausfallen – da gab’s 1,35 Euro, wie schon fürs Jahr davor. Wie Schulte gestern auf Anfrage sagte, „liegt bei der Prognose nun die Betonung auf ,mindestens’“. Erreicht das Unternehmen tatsächlich einen Nettogewinn von 440 Millionen Euro entspräche dies einem Gewinn pro Aktie von 4,0 Euro. Würde Fraport wie 2015 wieder eine Ausschüttungsquote von 40 Prozent ansetzen, erhielten die Anleger 1,60 Euro pro Aktie.

Weil beide Sondereffekte erst am Jahresende wirksam werden, verzeichnete der Konzern von Januar bis September bei einem stagnierenden Umsatz von 1,96 Milliarden Euro einen Rückgang des Ebitda von zwei Prozent auf 677 Millionen Euro und ein Minus beim Nettogewinn von neun Prozent auf 239 Millionen Euro. Verantwortlich dafür waren zum einen die Probleme am Frankfurter Flughafen, wo Fraport 2016 die Entgelte nicht erhöhen durfte und wegen Krieg und Terror die Passagierzahl zurückging. Vor allem schmerzt Fraport, dass viele chinesische Gäste ausgeblieben sind, die besonders viel am Flughafen einkaufen. Diese Faktoren belasteten bereits das Ebitda.

Dass der Nettogewinn noch deutlicher schrumpfte als das Betriebsergebnis, lag vor allem an der Schwäche des Flughafens Antalya, der nicht nur unter Terroranschlägen gelitten hat, sondern auch unter der unsteten politischen Lage sowie dem mehrmonatigen Reise-Embargo, das Russlands Regierung für die Türkei verhängt hatte – zuvor haben die Russen zusammen mit den Deutschen das Gros der Türkei-Urlauber gestellt. All diese Probleme führten dazu, dass die Passagierzahl in Antalya bis September um 34,2 Prozent eingebrochen ist und aus dem Vorjahresgewinn von 67 Millionen Euro ein Verlust von 11,1 Millionen Euro geworden ist. Da Fraport nur 50,1 Prozent der Anteile am dortigen Flughafen besitzt, schlägt sich dessen Ergebnis anteilig im Finanzergebnis von Fraport nieder und damit im Vorsteuer- und Nettogewinn des Konzerns.

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