Machen Anleger glücklich: Fresenius-Chef Ulf Schneider (r.) und sein Finanzvorstand Stephan Sturm.	FOTO: DPA
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Machen Anleger glücklich: Fresenius-Chef Ulf Schneider (r.) und sein Finanzvorstand Stephan Sturm. FOTO: DPA

Bilanz 2015

Fresenius weiter im Steigflug

  • Michael Balk
    VonMichael Balk
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Der Gesundheitskonzern Fresenius strotzt nach einem Rekordgewinn vor Optimismus. „Wir gehen nach wie vor von enormen Zuwachsraten aus“, sagte Vorstandschef Ulf Schneider in der Konzernzentrale in Bad Homburg.

Der Medizintechnikhersteller und Krankenhausbetreiber Fresenius ist einer der bemerkenswertesten Konzerne unter den 30 Mitgliedern im deutschen Leitindex Dax. Er gehört zu denen, über die am wenigsten gesprochen wird. Und doch schreibt die Unternehmensgruppe aus Bad Homburg eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht. Unter dem Konzerndach befindet sich mit dem Dialyse-Weltmarktführer FMC ein weiteres Unternehmen, das zur Dax-30-Elite zählt. Die gestrige Präsentation der Jahresbilanz 2015 war eine erneute Demonstration der Stärke. Fresenius-Vorstandschef Ulf Schneider brachte dabei das Kunststück fertig, das zwölfte Rekordjahr in Folge noch zu steigern, indem er dem Jahrgang 2015 das Etikett „grandioses Rekordjahr“ umhängte.

„Wir sind weiter im Steigflug. Alle vier Motoren gehen kräftig hoch“, lautete seine bildhafte Beschreibung des Ist-Zustandes von Fresenius 2016. Schneider konnte mit weiteren Superlativen aufwarten. Das Gewinnziel für das Jahr 2017 ist bereits zwei Jahre früher erreicht worden.

Also legt Fresenius die Gewinnlatte noch einen Tick höher. Der Dax-Konzern peilt nunmehr einen Umsatzanstieg auf 36 bis 40 Milliarden Euro, nachdem er im vergangenen Jahr 27,6 Milliarden Euro erlöst hat. Dieses Wachstum solle ausschließlich organisch, also ohne Zukäufe, erzielt werden, betonte der Fresenius-Chef.

„Deal-Maschine“ gilt als Unwort

Das bedeute aber nicht, dass das Unternehmen keine Akquisitionen mehr plane. Der Hunger sei ungestillt, betonte Schneider. Den Begriff von der „Deal-Maschine“ nach zahlreichen, teils milliardenschweren Übernahmen mag er gar nicht, hält er für ein Unwort. Immerhin seien zwei Drittel des Umsatzwachstums der zurückliegenden zehn Jahre organisch – also aus eigener Kraft – erfolgt. Doch: „Wenn die richtige Gelegenheit kommt, werden wir auch wieder zugreifen“. Das gelte auch für Großübernahmen im Milliardenbereich. Der zuletzt stark zurückgeführte Verschuldungsgrad erlaube das.

Beim Konzernergebnis liegt der Zielkorridor in der 2019er Projektion bei 2 bis 2,25 Milliarden Euro. Das ist eine Verdopplung des 2014er Überschusses. Im vergangenen Jahr fuhr Fresenius ein Ergebnis von 1,4 Milliarden Euro (+21 Prozent währungsbereinigt) ein. Für dieses Jahr stellt der Vorstand währungsbereinigt einen Anstieg des Gewinns von acht bis zwölf Prozent in Aussicht. Der Umsatz soll sechs bis acht Prozent zulegen.

Anleger sind von den Aussichten entzückt

Schneiders Regierungsprogramm für die nächsten vier Jahre hat die Anleger in Entzücken versetzt. Während der Dax gestern tief in die Verlustzone abtauchte, strahlte die Fresenius-Aktie als einzige am Dax-Himmel. Sie gewann am Morgen in der Spitze rund fünf Prozent, blieb an einem höchst schwachen Börsentag bis zum Schluss der einzige Dax-Werte mit Kursgewinnen.

Vom glänzenden Jahresergebnis 2015 werden auch die Aktionäre profitieren. Die Dividende soll um ein Viertel auf 55 Cent je Aktie erhöht werden. Das sei aber nur eine Seite der erfolgreichen Börsenstory von Fresenius, unterstrich Schneider. Denn auch der Aktienkurs habe sich ausgezeichnet entwickelt. In den vergangenen zehn Jahren verbuchten die Fresenius-Papiere ein durchschnittliches Plus 20 Prozent pro, der Dax dagegen nur sieben Prozent.

Die Tochter Kabi, die unter anderem Infusionslösungen anbietet, profitierte 2015 von neu eingeführten Medikamenten und Lieferengpässen bei der Konkurrenz. Im laufenden Jahr geht das Unternehmen in der Sparte allerdings lediglich von einem Betriebsgewinn (Ebit) auf Vorjahresniveau aus. Die Krankenhaustochter Helios, die durch die Übernahme von zahlreichen Häusern von Rhön-Klinikum gestärkt wurde, peilt dagegen steigende Gewinne an.

Die Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) erzielte 2015 das dritte Jahr in Folge weniger Gewinn. Der Überschuss fiel um zwei Prozent auf 1,03 Milliarden Dollar. Verantwortlich für den Rückgang ist eine 250 Millionen Dollar schwere Vergleichszahlung, mit der das Unternehmen einen Streit mit Tausenden US-Klägern um zwei seiner Mittel aus der Welt schaffen will. FMC-Aktien gaben nach.

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