Volks- und Raiffeisenbanken

Fusionsdruck bei Volksbanken steigt

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Die Zahl der Fusionen unter Volks- und Raiffeisenbanken nimmt beschleunigt zu. Schon im Vorjahr verdoppelte sich laut Statistik des Genossenschaftsverbands die Zahl der Zusammenschlüsse auf

Die Zahl der Fusionen unter Volks- und Raiffeisenbanken nimmt beschleunigt zu. Schon im Vorjahr verdoppelte sich laut Statistik des Genossenschaftsverbands die Zahl der Zusammenschlüsse auf zwölf – das war weit mehr, als Verbandspräsident Michael Bockelmann erwartet hatte. Die Zahl der Mitgliedsinstitute des Genossenschaftsverbands, dessen Gebiet 13 Bundesländer umfasst, sank dadurch auf 287.

Nun rechnet Bockelmann auch für die kommenden Jahre mit 10 bis 20 Fusionen jährlich. Das bedeutet rechnerisch: Die Zahl der Mitgliedsinstitute könnte sich in nicht einmal zehn Jahren halbieren. Als Motoren der Fusionswelle nannte der Verbandschef „den wachsenden Druck auf die Erträge durch die Niedrigzinspolitik der EZB und die Kosten der anhaltenden Regulierungswelle“. Im ländlichen Raum kommt noch die Demografie (Überalterung und Abwanderung) hinzu.

„Die Verdopplung des Fusionstempos kann uns nicht gleichgültig lassen“, sagte Bockelmann. Als Konsequenz steht ein Zusammenschluss mit dem Verbands-Pendant in Nordrhein-Westfalen, dem RWGV, auf der Tagesordnung. Zwar ist das im ersten Schritt nicht zustande gekommen, nun sollen jedoch Arbeitsabläufe und IT so weit vereinheitlicht werden, dass eine Fusion („der feste Wunsch auf beiden Seiten“) möglich bleibt. Der Genossenschaftsverband (Sitz Frankfurt) deckt alle Bundesländer außer Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ab.

Einstweilen bröckeln zwar die Zinsergebnisse langsam und stetig, doch unter dem Strich konnten die Mitgliedsinstitute ihr Betriebsergebnis (nach Bewertung) um rund fünf Prozent auf 2,15 Milliarden Euro steigern. In Hessen liegt die Profitabilität sogar leicht über Bundesdurchschnitt. Ein Datum, ab wann die Nullzinsphase existenzbedrohend wird, konnte Bockelmann nicht nennen: „Das Jahr fällt je nach Institut unterschiedlich aus.“

Strafzinsen für Bankeinlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) werden nach Bockelmanns Einschätzung nicht bei den Kunden der genossenschaftlichen Institute ankommen: „Volksbanken und Raiffeisenbanken werden alles tun, um diese negative Einlagenzinsen nicht an ihre Kunden weiterzugeben.“ Allerdings ist Bockelmann sicher, dass einige Institute über das Drehen an der Gebührenschraube nachdenken: „Auch andere Banken gehen wieder von den kostenlosen Girokonten weg.“

Zudem verstärkt sich auch bei den Kunden der Trend zu Kurzfrist-Einlagen: Heute wird Geld nicht mehr angelegt, sondern nur noch geparkt“, so der Verbandschef. Kundenverluste bringen die Fusionen im Übrigen nicht: Die Einlagen der Institute stiegen binnen Jahresfrist um 2,9 Prozent auf 147,6 Milliarden Euro, die Kredite um 4,4 Prozent auf 119 Milliarden. Doch ging der Anteil der Kleinstfilialen (mit nur einem Mitarbeiter) seit 2004 von 19,1 auf 14,6 Prozent zurück; auch die Zahl der Filialen insgesamt sank im Vorjahr von 5184 auf 5053. Die Beratung in der Filiale werde aber trotz Trends zu Internet- und Smartphone-Banking ein wesentlicher Strategie-Bestandteil bleiben, versicherte Bockelmann: „Wir werden nie ein anonymer Abwickler von Finanztransaktionen sein. Bei uns hat die Dienstleistung ein Gesicht.“

(tba)

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