Der "Gelbe Riese" zeigt sich bärenstark

  • Panagiotis Koutoumanos
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Deutsche Post steigert Gewinn und traut sich neue Jahresprognose zu

Frankfurt -Nach dem Gewinneinbruch im ersten Quartal dieses Jahres hat die Deutsche Post im zweiten Quartal mächtig aufgeholt: Wie der Bonner Dax-Konzern gestern nach Börsenschluss meldete, hat er zwischen März und Juni seinen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent auf rund 890 Millionen Euro gesteigert. Und das, obwohl dem "Gelben Riesen" in weiten Teilen des Konzerns nicht nur der Corona-bedingte Lockdown zu schaffen machte - da musste der weltgrößte Logistikkonzern nach eigenen Angaben 100 Millionen abschreiben auf das Geschäft mit der Lieferketten-Logistik ("Supply Chain") und mit E-Commerce-Lösungen. Darüber hinaus musste er weitere 100 Millionen Euro auf den Bau des konzerneigenen Elektro-Transporters "Streetscooter" abschreiben, dessen Produktion zum Jahres eingestellt werden soll.

Paket-Geschäft

der Bonner boomt

Andererseits profitierten die Bonner in ihrer Sparte "Brief und Paket" naturgemäß von der Corona-bedingten Schließung der meisten Läden hierzulande, weil dadurch viel mehr Waren im Internet bestellt wurden: Der Geschäftsbereich erhöhte sein Ebit um 83 Millionen auf 260 Millionen Euro und lieferte damit den größten Beitrag zum Gewinnwachstum. Um das erhöhte Paket-Aufkommen zu bewältigen, hatte der Konzern im April rund 4000 zusätzliche Mitarbeiter befristet eingestellt.

Das weltweite Frachtgeschäft (Global Forwarding Freight) legte immerhin um 66 Millionen auf 190 Millionen Euro zu. Auch die größte Sparte - das Express-Geschäft mit internationalen zeitkritischen Sendungen - steigerte den Gewinn. Nur im Bereich Lieferketten-Logistik sank das Ergebnis.

"Wir haben unser Unternehmen bisher sehr gut durch diese Krise gesteuert", sagte Konzernchef Frank Appel. "Das verdanken wir unseren engagierten Kolleginnen und Kollegen weltweit." Ein Lob, das nicht nur einem bloßen Lippenbekenntnis gleichkommt: Wie Appel gestern bekanntgab, will der Vorstand - mit Ausnahme der Führungskräfte - allen Mitarbeitern einen Bonus von je 300 Euro zahlen. Dafür nimmt der Konzern nach eigenen Angaben insgesamt rund 200 Millionen Euro in die Hand, die im dritten Quartal verbucht werden sollen.

Aufgrund des erfolgreichen zweiten Quartal liegt das Konzern-Ebit fürs gesamte erste Halbjahr bei rund 1,48 Milliarden Euro - knapp 450 Millionen Euro weniger als im Vorjahreszeitraum. Und nachdem der Vorstand Anfang April seine Jahresprognose wegen der Corona-bedingten Unsicherheit kassiert hatte, traut er sich nun eine neue Ergebnis-Prognose für 2020 zu: Er rechnet mit einem Konzern-Ebit von 3,5 bis 3,8 Milliarden Euro. Zu Jahresbeginn war das Team um Appel noch von einem operativen Jahresergebnis in Höhe von rund 5,0 Milliarden Euro ausgegangen - nach einem Ebit von 4,1 Milliarden Euro im Jahr 2019. Allerdings waren in der Fünf-Milliarden-Euro-Prognose neben den Prämien-Zahlungen auch die Belastungen aus dem Produktionsstopp des "Streetscooter" noch nicht enthalten, die sich nach derzeitigem Stand auf insgesamt 400 Millionen Euro in diesem Jahr belaufen werden.

1,15 Euro Dividende vorgeschlagen

Zugleich gab die Deutsche Post gestern bekannt, dass die Aktionäre für das vergangene Geschäftsjahr eine Dividende von 1,15 Euro pro Anteilsschein erhalten sollen - so viel wie für das Jahr 2018. Ursprünglich hatte der Vorstand den Aktionären 1,25 Euro je Papier für 2019 zahlen wollen. Die Hauptversammlung, die auch über diese Ausschüttung abstimmen soll, werde nun am 27. August stattfinden, und zwar in virtueller Form, teilte die Post gestern mit.

Seine Mittelfrist-Prognose aktualisierte das Unternehmen gestern auch gleich. Bislang hatte das Management für das Jahr 2022 mit einem Konzern-Ebit von mindestens 5,3 Milliarden Euro gerechnet. Nun stellt der Vorstand dieses Ergebnis-Niveau unter den Vorbehalt, dass sich die globale Konjunktur nach dem Einbruch in diesem Jahr schnell wieder erholen wird - was voraussetzt, dass die Covid-19-Infektionszahlen nicht wieder so weit steigen, dass erneute Lockdowns verhängt werden müssen. In diesem - besten - Fall würde die Wirtschaftsentwicklung einen "V"-förmigen Verlauf nehmen. Sie würde also ähnlich schnell hochfahren, wie sie heruntergefahren werden musste. "Bei einer "U"-förmigen Erholung erwartet der Konzern ein Ebit von rund 5,1 Milliarden Euro", ließ die Post gestern wissen - sprich: wenn auf 2020 eine weitere Schwächephase folgen sollte. Und für den sehr ungünstigen Fall eines "L"-förmigen Verlaufs - also einer Stagnation auf dem derzeitigen Niveau, ausgelöst von einer zweiten oder gar dritten Infektionswelle - sagt der Post-Vorstand immerhin noch einen operativen Gewinn von rund 4,7 Milliarden Euro voraus. Allzu bange muss den Beschäftigten und den Aktionären des Dax-Konzerns demnach also nicht sein.

Einig sind sich die Ökonomen, derzeit, dass der Corona-bedingte konjunkturelle Tiefpunkt in Deutschland im April erreicht worden ist und es nun - nicht zuletzt dank des umfangreichen Konjunkturpakets der Bundesregierung - wieder aufwärts geht. Über das Tempo der Erholung sind sich die Auguren allerdings uneins. Die Forscher des renommierten Ifo-Instituts zeigen sich am zuversichtlichsten: Die Münchener Ökonomen erwarten ein Wachstum von 6,9 Prozent im dritten und von 3,8 Prozent im letzten Vierteljahresabschnitt. "Von nun an geht es schrittweise wieder aufwärts", sagt Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Nachdem die deutschen Wirtschaft in diesem Jahr um insgesamt 6,7 Prozent schrumpfen werde, werde es 2021 zu einem Wachstum von 6,4 Prozent reichen.

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