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Wenn die Bank die Gebühren erhöht, können Kunden künftig leichter ihr Konto wechseln.

Ab 18. September Umzugshilfe von der Bank

Gesetz macht Kontowechsel leichter

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Viele Bankkunden scheuen davor zurück, das Konto zu wechseln, obwohl es bei einem anderen Institut günstiger ist. Künftig sind Banken verpflichtet, Verbraucher beim „Umzug“ zu unterstützen.

Postbank und HypoVereinsbank haben angekündigt, künftig keine Gratis-Girokonten mehr anbieten zu wollen, die meisten Sparkassen und Genossenschaftsbanken verlangen seit jeher monatliche Kontoführungsgebühren. Doch eine Massenflucht hin zu Anbietern kostenloser Konten hat nicht eingesetzt. „Eher wechselt der Deutsche den Ehepartner als die Bank“, lautet ein geflügeltes Wort, das auch heute noch Gültigkeit zu haben scheint. Noch.

Denn laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Triodos Bank kann sich künftig jeder vierte Kunde vorstellen, sein Konto zu wechseln; bei den Besserverdienenden sind es immerhin 34 Prozent, bei den Jüngeren (18 bis 29 Jahre) sogar 43 Prozent. Zwar war ihnen bisher mehrheitlich der Aufwand zu hoch, doch am 18. September 2016 tritt die entsprechende Neuregelung des Zahlungskontengesetzes in Kraft, mit dem eine EU-Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt wird und das den Kontowechsel deutlich erleichtern soll. Zuvor konnten sich nur 14 Prozent der Befragten diesen Schritt vorstellen.

Verbraucherschützer begrüßen die neue Bestimmung: „Das ist eine wichtige Regelung, weil der Kontowechsel vielen Verbrauchern bisher Kopfschmerzen verursacht hat“, sagt Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband. „Die vereinfachten Möglichkeiten zum Kontowechsel sind gerade jetzt, wo viele Banken ihre Gebühren erhöhen, eine Chance für Verbraucher, den Banken Paroli bieten zu können und zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln.“

Künftig ist die alte Bank verpflichtet, alle regelmäßigen Buchungen des Kunden (Daueraufträge oder Lastschriften) an die neue Bank zu übermitteln. Diese muss anschließend die Zahlungspartner – Versicherungen, Vermieter oder Vereine – über die neue Bankverbindung informieren. Das Gesetz setzt die Branche gehörig unter Druck, was die zeitlichen Fristen angeht: „Der Kunde unterschreibt bei seiner neuen Bank ein gesetzlich vorgegebenes

Ermächtigungsformular

. Das Kreditinstitut muss das Formular innerhalb von zwei Arbeitstagen an die bisherige Bank des Kunden weiterleiten“, erläutert Julian Mattes, Bereichsleiter Zahlungsverkehr bei der Commerzbank. „Diese hat daraufhin fünf Arbeitstage Zeit, der neuen Bank die Kundenumsätze der letzten 13 Monate inklusive aller Daueraufträge und Terminüberweisungen zu melden.“ Die muss dann wiederum alle Daueraufträge und Lastschriften innerhalb von weiteren fünf Arbeitstagen ummelden.

Bislang musste der Kunde selbst seine Zahlungspartner über seine neue Bankverbindung informieren. Das konnte zum mühsamen Hindernislauf ausarten, akzeptieren doch zum Beispiel die Deutsche Telekom oder sogar viele Kommunen keine formlosen Schreiben, sondern bestehen auf „ihrem“ Formular. Nun ist der Kontowechsler diese Belastung los. Die meisten Kreditinstitute greifen ihrerseits auf Dienstleister zurück. „Die Commerzbank arbeitet mit dem Service-Anbieter Fino Digital zusammen, der sich auf das Thema Kontowechsel spezialisiert hat“, sagt Mattes.

Bei der Commerzbank, die bis Mitte Juli mit bis zu 100 Euro Startguthaben um Neukunden warb, hofft man ebenso wie bei der Triodos Bank auf mehr Wechselwillige. Die Banken stehen wegen der Nullzins-Politik der Notenbanken unter Druck; hatten ihnen Einlagen früher satte Zinsgewinne ermöglicht, drohen heute Strafzinsen für überschüssige Liquidität. Die Kunden müssen sich auf weiter steigende Preise für Bankdienstleistungen einstellen, nicht nur beim Konto, sondern auch für beleghafte Überweisungen oder Kreditkarten.

Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon ist überzeugt, dass bald überall Gebühren für die Kontoführung fällig werden: „Ich erwarte, dass es in einigen Jahren praktisch nirgendwo mehr kostenlose Girokonten geben wird.“ Die Finanzaufsicht

BaFin warnt

seit einiger Zeit sogar offen vor der Gratis-Mentalität im Privatkundengeschäft. BaFin-Präsident Felix Hufeld: „Über Girokonten, Depots oder Kreditkarten zum Nulltarif mögen sich Kunden freuen. Mangels alternativer Ertragsquellen lässt sich dieses Angebot aber nicht auf Dauer aufrechterhalten.“

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