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Gold: Als Geschenk gefragt

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Von: Thomas Baumgartner

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Verschiedene Anlagemünzen und Goldbarren: Vor allem für Anleger im Euro-Raum bietet Gold nach Einschätzung vieler Experten noch Kurschancen.
Verschiedene Anlagemünzen und Goldbarren: Vor allem für Anleger im Euro-Raum bietet Gold nach Einschätzung vieler Experten noch Kurschancen. © ReiseBank AG (ReiseBank AG)

Zuletzt ist der Goldpreis deutlich gesunken. Bietet sich das Edelmetall als passendes Weihnachtsgeschenk an?

Eigentlich ist es paradox: Zum Jahreswechsel 2015/16 hatten fast alle Experten einen Absturz des Goldpreises unter 1000 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) vorhergesagt, stattdessen schoss der Preis deutlich nach oben, angetrieben vom Börsenbeben in China. Angesichts der wachsenden Unsicherheit weltweit, von Brexit- und Trump-Schock gingen Beobachter in der Folge von weiter steigenden Edelmetallpreisen aus. Doch stattdessen fiel der Preis seit dem Jahreshoch bei 1375,34 Dollar Mitte Juli um mehr als 230 Dollar oder rund 17 Prozent; binnen Jahresfrist bleibt ein Gewinn von weniger als fünf Prozent. Gegenüber dem Rekord von 1900 Dollar aus dem Jahr 2011 fällt das Minus noch deftiger aus.

Belastend wirkt sich die schwache Schmucknachfrage aus; die Konsumentennachfrage ging weltweit nach Angaben des Branchenverbandes World Gold Council (WGC) in den ersten neun Monaten des Jahres um 16 Prozent zurück. Noch wichtiger als Auslöser für den jüngsten Schwächeanfall waren jedoch die steigenden Renditen in den USA nach Donald Trumps Wahlsieg und der Leitzinsanhebung der Fed – die machen Gold, das keine Zinsen bringt, im Vergleich zu Staatsanleihen unattraktiver.

Zudem treiben steigende US-Zinsen die amerikanische Währung nach oben – und ein stärkerer Dollar geht meist mit niedrigeren Goldpreisen einher, da er Gold für Käufer in Nicht-Dollar-Ländern teurer macht. Das bedeutet aber auch, dass das Bild aus europäischer Sicht komplett anders aussieht: In Euro gerechnet hat Gold zuletzt besser abgeschnitten. Das Hoch lag zwar im Jahr 2012 bei knapp 1400 Euro, doch auch im Juli dieses Jahres kostete Gold noch 1230 Euro. Mittlerweile ist der Preis auf 1095 Euro abgesackt, damit bleibt auf Jahressicht aber immerhin ein Plus von knapp zehn Prozent.

Top-Monat Dezember

Im Unterschied zum globalen Trend ist auch die Nachfrage deutscher Anleger gestiegen, beispielsweise bei Degussa Goldhandel um rund ein Viertel im Vorjahresvergleich. Oktober bis Dezember waren für den Goldhändler mit Zentrale in Frankfurt (Kettenhofweg) die bisher besten Monate überhaupt – mit steigender Tendenz. Neben dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld in Europa, verbunden mit Unsicherheiten wie Brexit und Trump, liege das am Preisrückgang, begründet der Sprecher der Degussa-Geschäftsführung, Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: „Wir beobachten, dass Anlage-Gold als Geschenk gekauft wird. Das gab es so in den Vorjahren nicht.“

Er glaubt nicht, dass Anleger ins sprichwörtliche „fallende Messer“ greifen: „Die Kunden haben ihre Kaufentscheidung schon lange getroffen, dann aber abgewartet und die Preisentwicklung beobachtet – hier dürften auch die modernen Informationstechnologien eine Rolle spielen.“ Nach unten sieht er den Goldpreis gut abgesichert: Sollte er weiter fallen, dürfte die Schmucknachfrage anziehen und die Produktionsmenge zurückgehen; auch das Altgold-Angebot reagiere sensibel auf den Preis, so Wrzesniok-Roßbach.

Auch Degussa-Chefvolkswirt Thorsten Polleit meint: „In Euro gerechnet sollte Gold für Anleger attraktiv bleiben. Zum einen scheint der Goldpreis in Dollar gerechnet (aus unserer Sicht) nicht teuer zu sein. Zum anderen steigt der Wert des Goldes in Euro gerechnet, wenn der Dollar weiter aufwertet. Und angesichts der eingeschlagenen EZB-Politik erscheint das sehr wahrscheinlich zu sein.“ Allerdings reagieren deutsche Privatkunden nach Wrzesniok-Roßbachs Worten kaum auf die Situation am Devisenmarkt, anders als zum Beispiel die Chinesen oder auch die Briten, wo nach dem Absturz des Pfundes der Goldabsatz deutlich in die Höhe schoss.

Auch Dora Borbely, Rohstoffexpertin bei der Dekabank, geht davon aus, dass der Goldpreis von politischen Unsicherheiten profitieren wird. Einen rasanten Anstieg erwartet sie aber nicht: „Aus unserer Sicht erscheint es am wahrscheinlichsten, dass Gold teuer bleibt, aber nicht nennenswert teurer wird.“

Empfehlung Krügerrand

Die erste Wahl für den Gold-Anleger sollten möglichst große Barren sein; bei 1-Gramm-Barren ist die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis zu hoch. Oder aber Anlagemünzen wie der Krügerrand, der aktuell im Handel ab 1133 Euro erhältlich ist: Er ist von der Umsatzsteuer befreit, weltweit verbreitet, und die Handelsspanne ist – anders als beispielsweise bei den deutschen 100-Euro-Sondermünzen – gering.

Die Degussa bietet seit vier Jahren auch „Weihnachtsthaler“ mit Städtemotiven an, die als Geschenk attraktiv sind (aktueller Preis 1471 Euro). Zudem locken wegen der limitierten Auflage eventuell Wertsteigerungen – das Motiv „Frankfurter Römer“ von 2013 ist trotz eines höheren Preises ausverkauft. Generell ist jedoch von Gedenkmedaillen eher abzuraten, da beim Verkauf statt des einst deutlich über dem Goldpreis liegenden Verkaufspreises meist nur der Materialwert abzüglich Einschmelzkosten zu erzielen ist.

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