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In einem gigantischen Terminal, an dem 114 Flugzeuge gleichzeitig abgefertigt werden können, eröffnet Präsident Erdogan (erste Reihe Mitte) mit Besuchern aus aller Welt den ?Istanbul Airport?.

Mega-Airport in Istanbul

Der größte Flughafen der Welt

Der Istanbul Airport soll der größte Flughafen der Welt werden und dabei Frankfurt und Dubai Konkurrenz machen. Nun wird er – erstmal symbolisch – eröffnet. An dem Prestigeprojekt gibt es allerdings Kritik.

Teile des neuen Flughafens in Istanbul sind noch mitten im Bau. Davon bekommen die TV-Zuschauer bei der Eröffnungsfeier am Montag jedoch nichts mit. Präsident Recep Tayyip Erdogan flimmert über die Fernsehbilder, der sich mit seiner Frau Emine in einen Flughafenwagen setzt und sich im Schneckentempo durch das Flughafengebäude bewegt. Dahinter sind Schilder in mehreren Sprachen zu sehen: „Willkommen Zuhause“, steht darauf. In seiner Eröffnungsrede verkündet Erdogan dann stolz: „Istanbul ist nicht nur unsere größte Stadt, sondern auch die wertvollste Marke unseres Landes.“ Man habe dem Flughafen für die „unbezahlbare Stadt“ deshalb den Namen „Istanbul Airport“ gegeben.

Der neue Mega-Flughafen am Schwarzen Meer ist ein Prestigeprojekt Erdogans und ein Symbol für seine neue, starke Türkei. Sicher nicht zufällig haben die Architekten dem Tower des neuen Flughafen die Form einer Tulpe gegeben – ein beliebtes Symbol aus dem Osmanischen Reich. Nachts leuchtet der Turm in Weiß und Rot – den Farben der türkischen Flagge.

Richtig in Betrieb geht der neue Istanbul Airport aber erst Ende Dezember – in einer ersten Phase mit einer Kapazität von 90 Millionen Reisenden im Jahr. Er soll später weiter ausgebaut werden und nach Angaben der Betreibergesellschaft IGA in zehn Jahren eine Kapazität von 200 Millionen Reisenden im Jahr haben. Das würde ihn nach jetzigem Stand zum größten Flughafen der Welt machen. Diesen Spitzenplatz hält zurzeit der Airport in Atlanta in den USA mit einem Passagieraufkommen im vergangenen Jahr von knapp 104 Millionen Reisenden.

Dann soll er eine Kapazität von 500 Flugzeugen haben und täglich 2000 Starts und Landungen abwickeln, 250 Fluglinien sollen mehr als 350 Ziele in aller Welt anfliegen. Die halbstaatliche Fluggesellschaft Turkish Airlines fliegt zunächst lediglich fünf Ziele vom neuen Airport aus an: drei im Inland und zusätzlich Nordzypern und Aserbaidschan. Ende Dezember zieht die Airline vom Atatürk-Flughafen um.

Warum sich die vollständige Inbetriebnahme nun doch verzögert? Man habe beschlossen, zwei Monate noch als Testphase zu nutzen, sagte IGA-Geschäftsführer Kadri Samsunlu wenige Tage vor der Eröffnung. IGA hat das Recht, den Flughafen 25 Jahre lang zu betreiben. Das Terminal, das schon in Betrieb geht, ist lichtdurchflutet, die orientalisch anmutenden Kuppeldecken werden von hohen Säulen getragen. Drumherum wird noch geklopft, gehämmert und gesägt. Davor entsteht eine Moschee.

Auch das riesige Flughafengelände, das so groß ist wie etwa 11 000 Fußballfelder, sieht noch nicht ganz fertig aus: Bauschuttlaster schaffen Geröll zur Seite.

Eine Landebahn ist bereits fertig und Samsunlu zuversichtlich. Der neue Airport in Istanbul solle einmal „der größte und der beste“ weltweit werden, sagt er. Vor allem wolle die Türkei im Cargo-Geschäft wachsen. Am neuen Airport habe man dafür viermal mehr Kapazitäten als am alten. Der neue Flughafen werde „wichtigstes Drehkreuz zwischen Asien und Europa.“ Auch Erdogan spricht vom „wichtigsten Transitzentrum“ in der Region.

Istanbul will nicht nur Frankfurt Konkurrenz machen, sondern als globales Drehkreuz vor allem dem Standort Dubai. Der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt sagt, Istanbul habe mit seiner Lage zwischen Europa und Asien einen klaren geografischen Vorteil gegenüber Dubai. Außerdem sei die Nähe Istanbuls zu den europäischen Metropolen günstig. Die Entwicklung des Airports in Dubai allerdings ginge Hand in Hand mit dem Wachstum der Fluggesellschaft Emirates – ein Vorteil für Dubai. Emirates habe in kurzer Zeit eine „Riesenkapazität“ aufgebaut. Turkish Airlines dagegen habe sich in den letzten zehn Jahren zwar gut entwickelt, sei aber unter anderem durch die Währungskrise in der Türkei in einer „schwierigen Situation“.

Der neue Airport in Istanbul wurde in einer Rekordzeit von etwas mehr als vier Jahren aus dem Boden gestampft. Doch das Tempo in Istanbul hat offenbar seinen Preis. Nach Angaben der Bauarbeitergewerkschaft Dev-Yapi-Is sind seit Beginn der Arbeiten mindestens 37 Menschen auf der Baustelle ums Leben gekommen. 30 Todesfälle habe es gegeben, gibt IGA-Chef Samsunlu zu. Vorwürfe der Arbeiter, dass die Unfälle unter anderem wegen Sicherheitsmängeln passierten, weist er jedoch zurück. „Sie müssen eben aufpassen, was sie tun“, sagt er.

Die Arbeiter dagegen kritisieren Produktionsdruck, mangelnde Sicherheitsvorkehrungen und schlechte Unterkünfte und streikten deshalb im September. Die Polizei nahm Arbeiter fest und erstickte damit den Protest im Keim. Samsunlu dagegen sagt, die Streikenden hätten nicht friedlich protestiert. Noch immer sitzen laut Human Rights Watch 30 Bauarbeiter in Untersuchungshaft. Der Bau des Istanbuler Flughafens sei „durchgepeitscht“ worden, sagt Großbongardt. „Das ist ein Projekt, das man nur in einer Semi-Demokratie durchziehen kann.“

IGA-Chef Samsunlu ist dagegen stolz auf die internationalen Unternehmen, die am neuen Airport operieren. So werde das deutsche Unternehmen Heinemann den Duty free Bereich für 25 Jahre betreiben und auch DHL sei am Flughafen angesiedelt.

(dpa,afp,red)

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