Ikea

Ein großes Steuersparmodell

Die meisten Ikea-Kunden können Geschichten über die Frustrationen erzählen, die sie bei ihren Versuchen durchlebten, die Montage-Anleitung des Möbel-Händlers nachzuvollziehen.

Die meisten Ikea-Kunden können Geschichten über die Frustrationen erzählen, die sie bei ihren Versuchen durchlebten, die Montage-Anleitung des Möbel-Händlers nachzuvollziehen. Zu verstehen, wie sichzusammensetzt, ist nicht minder schwierig. Schon seit 1982 ruht das Möbel-Imperium auf zwei, im Ausland stehenden Säulen – damals floh Firmengründer Ingvar Kamprad vor den hohen Unternehmenssteuern in seinem schwedischen Heimatland. Die linke Säule ist die sichtbare Welt von Ikea: die Einrichtungshäuser, die selbstentworfene Produkte verkaufen und in der Ikea-Group geführt werden. Kontrolliert wird die Ikea Group von Ingvars Sohn Jonas: Er sitzt im Verwaltungsrat der niederländischen Muttergesellschaft Ingka Holding. Und er ist Mitglied des Beirats der Stichting Ingka Stiftung, bei der alle Anteile der Ingka Holding liegen.

Die rechte Säule ist die unsichtbare Welt von Ikea – und die ungleich bedeutsamere: Die dort angesiedelten Gesellschaft Inter Ikea Systems ist im Grunde die Schaltzentrale des Möbel-Giganten. Über diese Tochter ist die Muttergesellschaft Inter Ikea Holding Inhaberin der Markenrechte. Und als solche kassiert sie von allen Möbelmärkten weltweit drei Prozent der Einnahmen als Lizenzgebühr, die sie über ihre Investment-Töchter ganz rechts mehrt. Zudem hat Inter Ikea vor zwei Jahren von der Ikea Group in der linken Säule die Verantwortung für die Fabriken, das Sortiment, den Einkauf und die Logistik übernommen. Herr über diese Welt ist der jüngste Sohn Ingvars, Mathias Kamprad (48). Er gehört dem Verwaltungsrat der Inter Ikea Holding an und sitzt im Beirat der dahinter stehenden Interogo Stiftung.

Die Vorteile dieser Zwei-Säulen-Konstruktion: Schutz vor Eindringlingen, Streuung von Risiken, eine fein austarierte Machtbalance – vor allem aber Steuerersparnis bis an die Grenzen des Erlaubten und zuweilen darüber hinaus, wie inzwischen auch die EU-Kommission meint (siehe Haupttext). pan

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