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Hans-Joachim Tonnellier kurz vor seinem 70. Geburtstag: ?Mein letztes Interview als Aufsichtsratsvorsitzender gebe ich Ihnen, Herr Balk.?

Frankfurter Volksbank

Hans-Joachim Tonnellier: Der Bank gehört sein ganzes Herzblut

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Nach fast vier Jahrzehnten in Diensten der Frankfurter Volksbank zieht sich Hans-Joachim Tonnellier mit Ablauf der Vertreterversammlung Mitte April aus dem Tagesgeschäft zurück. Am nächsten Dienstag wird er 70. In seiner Ära an der Spitze des genossenschaftlichen Institutes hat er aus der kleinen Frankfurter Volksbank eine feste Größe am Bankenplatz Frankfurt gemacht. Er selbst ist zu einer Institution gereift.

In den vergangenen Jahren ist es ruhig um Hans-Joachim Tonnellier geworden. Keine flammenden Plädoyers mehr für das Leitbild des „ehrbaren Kaufmanns“, keine strategischen Planspiele zur Weiterentwicklung von Deutschlands profitabelster Volksbank und selbst im Stadion am Bornheimer Hang, an dem die Frankfurter Volksbank viele Jahre die Namensrechte hielt und in dem seine fußballerische Liebe FSV Frankfurt aufläuft, hat er sich zuletzt rar gemacht.

Nachdem er den Vorstandsvorsitz bei der Frankfurter Volksbank an „Glücksfall“ Eva Wunsch-Weber, wie er sie nennt, übergeben hat, zog er ganz im Stillen mit dem ihm eigenen diplomatischen Geschick im Aufsichtsrat die Strippen. Seine Präsenz in der Frankfurter Gesellschaft, in die ihn einst Petra Roth und Carlo Giersch eingeführt hatten, tauschte er gegen „viel mehr Zeit für die Enkelkinder“. Das hält ihn jung und fit, schwärmt der gebürtige Saarländer, der am Bad Homburger Stadtrand nahe den Taunuswäldern längst eine neue Heimat gefunden hat. Er macht in unserem Gespräch – dem letzten Interview, das er geben wird, wie er versichert – den Eindruck eines top-fitten Senior-Bankers, der überflüssige Pfunde mit Jogging und dem Mountainbike vermeidet. Oft begleitet von seiner sportbegeisterten Gattin Trudi. Auf sein Alter angesprochen, antwortet er, man brauche sich um ihn keine Sorgen zu machen, er habe „gute Gene“.

Nun nullt er, wird 70 und erreicht die Altersgrenze für Aufsichtsräte. Den Vorsitz gibt er ab an Hans-Dieter Hillmoth, der als Radiopionier den privaten Hessen-Sender FFH groß gemacht hat. Für Hans-Joachim Tonnellier beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Er zieht sich aus dem Bankgeschäft zurück. Als „Ehren-Aufsichtsratsvorsitzender“ behält er aber weiter Tuchfühlung zu seiner beruflichen Heimat. Schließlich gehöre der Bank „sein ganzes Herzblut“.

Tonnelliers Jubiläum und sein Ausscheiden aus den Gremien der Genossenschaftsbank nimmt die Volksbank zum Anlass für einen großen

Empfang im Schlosshotel

in Kronberg, wo auch schon mal die britische Königsfamilie absteigt. Das erscheint angebracht für einen Menschen, der aus einer kleinen Volksbank ein echte Größe in der Bankenmetropole Frankfurt, die Tonnellier gerne als „Haifischbecken“ bezeichnet, gemacht hat. Er freue sich auf die Feier, so Tonnellier. Doch der Anlass sei nicht nur ihm gewidmet, sondern auch der Vorstellung seines Nachfolgers. „Hillmoth war mein Wunschkandidat. Er ist eine Idealbesetzung für diese Position.“

Entscheidend für den Erfolg der Volksbank auf dem hart umkämpften Frankfurter Finanzmarkt sei nicht zuletzt „das Festhalten an bewährten Prinzipien von Vorsicht Vertrauen und solider Ehrbarkeit“ gewesen, betont er gerne. Aber ohne seinen Ehrgeiz und seine mit viel Fingerspitzengefühl perfektionierte Fusionsstrategie wäre die Frankfurter Volksbank heute nicht das, was sie ist: ein Vorzeigeinstitut. Mit insgesamt 20 genossenschaftlichen Instituten – von Bad Homburg, über Bad Vilbel bis nach Griesheim – hat er fusioniert. Auch die jüngste Fusion mit der Volksbank Maingau hat er als Aufsichtsrat „begleitet“, wie er es in aller Bescheidenheit nennt. Der Begriff „Übernahme“ wurde stets vermieden. Und so hat er es geschafft, sämtliche Mitarbeiter samt Vorständen ins Boot zu holen. Eine Meisterleistung, wie die frühere Oberbürgermeisterin einst unterstrich.

„Ihr ganzes Leben, ausdrücklich nicht nur ihr berufliches Wirken, orientiert sich an dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns.“ Diese Worte sagte der Limburger Bischof, als er Tonnellier 2012 im Auftrag von Papst Benedikt XVI. den Päpstlichen Ritterorden des Heiligen Gregor verlieh. Der ehrbare Kaufmann handele immer gerecht und mit Weitsicht, hieß es weiter. Tonnellier habe in seinem Wirken den christlichen Glauben als selbstverständlichen Leitfaden betrachtet.

Auf seine saarländische Heimat ist der in Saarlouis geborene Jubilar stolz. Warum es so viele aus Deutschlands kleinstem Flächenland zu Ruhm und Erfolg „im Reich“ (so nennen Saarländer das restliche Deutschland) gebracht haben, sei schwer zu beurteilen. „Alles Große wächst aus dem Kleinen“, sagt Tonnellier mit dem ihm eigenen Schmunzeln. Vielleicht liege es daran, dass Saarländer Bodenständigkeit und natürliche Sozialkompetenz mit der Kunst verbänden, nicht nur zu leben, um zu arbeiten. Der frühere Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart bezeichnete „alte Bergmannssolidarität, französische Lebensart und christliches Wertegerüst“ als die Erfolgsfaktoren der Saarländer.

Dass er nicht nur am Bankenplatz , sondern in der Frankfurt Gesellschaft, der Wirtschaft und Wissenschaft als eine Institution gilt, hat Tonnellier seiner relativ kurzen Amtszeit als IHK-Präsident zu verdanken. Im Jahr 2007 ließ er sich in die Pflicht nehmen, wurde an die Spitze gewählt, um eine heillos zerstrittene Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer zu befrieden. Und tatsächlich gelang es ihm binnen weniger Monate, Ruhe und Ordnung in die Reihen zu bringen.

„Demut und Dankbarkeit sind die beherrschenden Gefühle“ wenn Hans-Joachim Tonnellier auf die vergangenen 38 Jahre in Diensten der Frankfurter Volksbank zurückblickt. „Ich gehe aus einem bestellten Haus heraus“, das mache den Abschied leichter, sagt er. Und mit Blick auf sein glückliches familiäres Umfeld: „Ich hatte Gottes Segen.“

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