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Hohe Kaufkraft im Taunus

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Von: Thomas Baumgartner

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Bad Homburg,Läden in der Louisenstraße
Bad Homburg,Läden in der Louisenstraße © Jochen Reichwein

Der Konjunkturmotor läuft rund in Deutschland, Löhne und Gehälter sind gestiegen. Das macht sich auch bei der Kaufkraft bemerkbar – im Taunus ist sie besonders hoch.

Der Hochtaunuskreis bleibt hinter dem bayerischen Kreis Starnberg die Region mit der höchsten Kaufkraft in ganz Deutschland. Das verfügbare Nettoeinkommen pro Kopf (einschließlich staatlicher Transferzahlungen wie Renten, Arbeitslosen- und Kindergeld) dürfte im Hochtaunus im kommenden Jahr bei 31 561 Euro liegen, wie es in einer Studie des Marktforschers GfK heißt.

Den Einwohnern von Bad Homburg und Umgebung steht damit knapp 42 Prozent mehr Geld zur Verfügung als im Bundesdurchschnitt, der bei 22 239 Euro liegt; bei den Starnbergern (32 194 Euro) sind es sogar fast 46 Prozent mehr. Auf Platz fünf folgt der Main-Taunus-Kreis (29 931 Euro); besser als Hofheim liegen bundesweit nur noch der Landkreis München (30 907) und die Stadt München (30 136). Das Schlusslicht in Deutschland bildet der sächsisch-niederschlesische Landkreis Görlitz mit lediglich 17 496 Euro.

Zwei Städte, acht Kreise

Generell sind die Menschen in den Speckgürteln der Ballungsräume reicher als in den Metropolen selbst – unter den Top Ten finden sich nur zwei Städte, München und Erlangen, aber acht Landkreise. Eine Erklärung dafür ist, dass in den Universitätsstädten viele Studenten mit niedrigen Einkommen leben. Dagegen wohnen an den Taunushängen viele gut verdienende Banker und Rechtsanwälte, die in Frankfurt oder Wiesbaden arbeiten; auch sitzen in der Region – wie in Bayern – die Zentralen vieler Dax-Konzerne (von Deutscher Bank bis Fresenius) mit hochdotierten Managerjobs. Die hohe Kaufkraft spiegelt sich auch im Stadtbild von Bad Homburg oder Hofheim wider – mit vielen exklusiven Geschäften und teuren Restaurants.

Frankfurt am Main liegt im kommenden Jahr mit 25 532 Euro bundesweit auf Rang 27 – damit ist es allerdings hinter München und Düsseldorf die drittreichste Großstadt (mit über 200 000 Einwohnern) in Deutschland. Die Hansestadt Hamburg liegt im Städtevergleich mit 24 024 Euro nur auf Platz 8, erreicht damit aber gleichzeitig im Bundesländer-Ranking die Spitzenposition vor Bayern und Baden-Württemberg.

Hessen auf Rang 4

Hessen folgt mit 23 293 Euro auf Rang 4, vor Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Generell verlieren die reichen Länder in Relation zum Bundesdurchschnitt leicht (Hessen um 0,1 Prozent), während die ostdeutschen Länder auf einem rund ein Fünftel niedrigeren Niveau rund ein Prozent an Kaufkraft gewinnen. Am stärksten wächst die Summe pro Einwohner in Sachsen (plus 2,8 Prozent), am schwächsten in Hamburg (plus 1,5 Prozent). Die Bundeshauptstadt Berlin liegt bei der Kaufkraft fast zehn Prozent unter dem Bundesdurchschnitt und damit hinter allen westdeutschen Ländern auf Rang 11 – dagegen rangieren die benachbarte Stadt Potsdam und der Kreis Potsdam-Mittelmark (der Spitzenreiter im Osten) etwa auf Bundesdurchschnitt.

In Hessen sind auch der Rheingau-Taunus-Kreis (bundesweit auf Platz 29 mit 25 451 Euro) und der Landkreis Offenbach (auf Rang 32 mit 25 362 Euro) relativ kaufkraftstark. Die Landeshauptstadt Wiesbaden kommt mit 24 836 Euro deutschlandweit auf Platz 42, ist damit aber immerhin sechstreichste Großstadt der Bundesrepublik. Dagegen zählt die Stadt Offenbach mit 20 786 Euro eher zu den schwächeren Gebieten – bundesweit Platz 258 (von 402). Im Mittelfeld rangieren beispielsweise der Landkreis Groß-Gerau (Rang 87, 23 534 Euro) und der Kreis Limburg-Weilburg (Position 178, 21 834 Euro). Der ärmste Landkreis im Bundesland Hessen, der Werra-Meißner-Kreis, kommt mit 19 568 Euro nur auf Platz 327, konnte sich damit aber im Jahresvergleich im Ranking immerhin um vier Positionen verbessern.

Die Pro-Kopf-Kaufkraft steigt der GfK zufolge im kommenden Jahr bundesweit um durchschnittlich 1,7 Prozent. Getrieben werde diese Entwicklung durch wachsende Löhne in vielen Branchen und durch die steigende Beschäftigung. Wie viel von diesem Zuwachs tatsächlich real in den Taschen der Verbraucher übrig bleiben wird, hängt von der Inflationsentwicklung ab. Ein Großteil dürfte wieder aufgezehrt werden, weil sich Waren und Dienstleistungen im Jahr 2017 laut Vorhersage der „Wirtschaftsweisen“ um 1,6 Prozent und damit fast genauso stark verteuern sollen.

Höhere Einwohnerzahl

Die GfK prognostiziert für das kommende Jahr eine Kaufkraftsumme von knapp 1777 Milliarden Euro in ganz Deutschland. Das wären 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr, die für Konsum, Wohnen, Freizeit oder Sparen zur Verfügung stünden. Die Steigerungsrate liegt hier höher als beim Betrag pro Kopf (21 879 Euro), weil sich bei der Kaufkraftsumme die wachsende Einwohnerzahl bemerkbar macht, die in diesem Jahr um geschätzte 1,2 Prozent zunimmt.

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